Mönchengladbach: Was Gladbach von New York lernen kann

Mönchengladbach : Was Gladbach von New York lernen kann

Die US-Metropole hat pfiffige Ideen entwickelt, wie man den Straßenraum attraktiv begrünt, öffentliche Plätze und Parks kreativ und konsequent belebt und Brachflächen neu nutzt. Vieles wäre übertragbar - auch ohne immense Geldsummen einzusetzen.

Neuwerk ist nicht New York. Das ist so, und das bleibt so. Doch das heißt nicht, dass Mönchengladbach nichts von der Metropole am Hudson River lernen könnte. Denn die hat sich, unabhängig von gigantischen Bauprojekten, in den vergangenen Jahren besonders in einem Bereich gemausert, der in der Vitusstadt mehrheitlich negativ bewertet wird (siehe Bericht unten): bei der Aufenthaltsqualität öffentlicher Plätze und der ebenso kreativen wie konsequenten Begrünung und Belebung des Straßenraums. Etliche dieser Ideen wären leicht übertragbar, auch ohne den Einsatz immenser Geldsummen. Ein Überblick:

Greenstreets-Projekt An mittlerweile 2500 Stellen in ganz New York wurden seit 1996 asphaltierte Bereiche, die für Straßenverkehr nicht zwingend notwendig waren, in kleine Grün-Inseln umgewandelt - lauter kleine Margarethengärten quasi. Das belebt Viertel, wirkt verkehrsberuhigend und verbessert die Luft. Mal wird dabei einfach der Natur freier Lauf gelassen, mal werden mehrfach im Jahr neue Blühpflanzen eingesetzt. Ursprünglich eine Kooperation der Verkehrsbetriebe und des Grünflächenamts, wurde das Programm zuletzt neu ausgerichtet, um kosteneffizient Regenwasser zu gewinnen und dem Kanalsystem zuzuführen. Dass es nicht immer monotone Grünstreifen sein müssen, hat mittlerweile auch Düsseldorf erkannt. Dort setzt das Gartenamt seit einiger Zeit, etwa auf Mittelstreifen viel befahrener Straßen, zunehmend auf gezielt angelegte Blühwiesen, die nur wenig gepflegt, selten gemäht und gelegentlich nachgesät werden.

TreesCount-Projekt Für ihr 1000-Bäume-Programm erntete die Ampel seinerzeit viel Kritik - New York pflanzt im Laufe eines Jahrzehnts eine Million Bäume. Der "Stadtwald" wächst durch das öffentlich-private Partnerschaftsprogramm um 20 Prozent. Alleine am 16. April pflanzten das Grünflächenamt, eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die Basketballer der New York Knicks und zahlreiche Freiwillige 3500 Bäume und 1050 Sträucher in einem Park in Queens. Mit vielfältigen Aktionstagen, Festen und Freiwilligenprogrammen werden die Bürger eingebunden, sich etwa als Baumpaten oder als Verantwortliche für eine Baumscheibe zu engagieren. Dafür gibt es meist Anschubfinanzierungen oder Gratis-Schulungen, das grundlegende Gartengerät wird zur Verfügung gestellt oder Nachbarschaften machen ein Event draus. Längst hat sich das Programm verselbstständigt, selbst in Wohnvierteln in Brooklyn, die nicht als die feinsten gelten, kümmern sich Bürger um kreativ bepflanzte oder mit Kunst verzierte Baumscheiben. Aktuell läuft ein Baum-Zensus, bei dem Bürger geschult werden, Bestand an und Zustand von Bäumen zu erfassen.

Oben links: Die stillgelegte Hochbahntrasse High Line im Meatpacking District wurde zu einem attraktiven Fußgängerpark umgewandelt. Oben rechts: Eine von Anwohnern gepflegte Baumscheibe im Viertel Bedford-Stuyvesant (Brooklyn). Mitte links: New Yorker spielen nachts Karten an einem Tisch auf dem Herald Square in der Nähe des Empire State Buildings. Mitte rechts: "Help us protect these plantings" - "Hilf uns, diese Bepflanzung zu schützen" - ein Schild, das positiv an die Besucher des Central Parks appelliert. Unten links: Eine "Greenstreet" in Morningside Heights. Unten rechts: "Es ist dein Park. Wir kümmern uns nur für dich darum" - weiteres Schild im Central Park. Foto: Jan Schnettler

Stadtmöbel Ob vor dem Flatiron Building, am Times Square oder auf einer unscheinbaren Verkehrsinsel im Greenwich Village - überall trifft man in New York auf Tische und Stühle, die einfach nur so herumstehen und an denen man sich einfach nur so hinsetzen kann, ohne Gastronomie. Touristen und Einheimische schätzen das gleichermaßen - an den Tischen auf dem Herald Square nahe dem Empire State Building treffen sich abends etwa Studenten zum Kartenspielen. Das belebt den Straßenraum und erhöht die soziale Kontrolle - Berichte darüber, dass jemand die Möbel klaue oder Unfug damit anstelle, gibt es so kaum.

Positive Ansprache Das Wort "verboten" - wie in "Betreten verboten" - ist so deutsch, dass es sich sogar ins Amerikanische reingemogelt hat. In New York wird stattdessen positiv an das mündige Mitdenken der Bürger appelliert. Im Central Park etwa wird man immer wieder daran erinnert, dass er dem Bürger gehört und die Stadtverwaltung sich nur in seinem Auftrag darum kümmert. Und statt "Pflücken verboten" heißt es "Help us protect these plantings" (Hilf uns, diese Bepflanzung zu schützen). Wo mal eine Wiese gesperrt ist, weil neuer Rasen wächst, wird das erklärt - und alle halten sich dran. Überhaupt der Central Park: Der Hans-Jonas-Park mit dem Abteiberg-Hang könnte so leicht eine ganz ähnliche Funktion für die Gladbacher City übernehmen, wo Menschen die Mittagspause verbringen, in der Sonne sitzen und sich gerne treffen. Doch dafür müssten Bäume gelichtet und gegebenenfalls einzelne gefällt, Wege verbessert und der Zustand der Bepflanzungen optimiert werden, speziell des Rasens unter den Bäumen. Immerhin: Im Rahmenplan Abteiberg soll genau das geschehen.

Oben links: Die stillgelegte Hochbahntrasse High Line im Meatpacking District wurde zu einem attraktiven Fußgängerpark umgewandelt. Oben rechts: Eine von Anwohnern gepflegte Baumscheibe im Viertel Bedford-Stuyvesant (Brooklyn). Mitte links: New Yorker spielen nachts Karten an einem Tisch auf dem Herald Square in der Nähe des Empire State Buildings. Mitte rechts: "Help us protect these plantings" - "Hilf uns, diese Bepflanzung zu schützen" - ein Schild, das positiv an die Besucher des Central Parks appelliert. Unten links: Eine "Greenstreet" in Morningside Heights. Unten rechts: "Es ist dein Park. Wir kümmern uns nur für dich darum" - weiteres Schild im Central Park. Foto: Jan Schnettler
Oben links: Die stillgelegte Hochbahntrasse High Line im Meatpacking District wurde zu einem attraktiven Fußgängerpark umgewandelt. Oben rechts: Eine von Anwohnern gepflegte Baumscheibe im Viertel Bedford-Stuyvesant (Brooklyn). Mitte links: New Yorker spielen nachts Karten an einem Tisch auf dem Herald Square in der Nähe des Empire State Buildings. Mitte rechts: "Help us protect these plantings" - "Hilf uns, diese Bepflanzung zu schützen" - ein Schild, das positiv an die Besucher des Central Parks appelliert. Unten links: Eine "Greenstreet" in Morningside Heights. Unten rechts: "Es ist dein Park. Wir kümmern uns nur für dich darum" - weiteres Schild im Central Park. Foto: Jan Schnettler
Oben links: Die stillgelegte Hochbahntrasse High Line im Meatpacking District wurde zu einem attraktiven Fußgängerpark umgewandelt. Oben rechts: Eine von Anwohnern gepflegte Baumscheibe im Viertel Bedford-Stuyvesant (Brooklyn). Mitte links: New Yorker spielen nachts Karten an einem Tisch auf dem Herald Square in der Nähe des Empire State Buildings. Mitte rechts: "Help us protect these plantings" - "Hilf uns, diese Bepflanzung zu schützen" - ein Schild, das positiv an die Besucher des Central Parks appelliert. Unten links: Eine "Greenstreet" in Morningside Heights. Unten rechts: "Es ist dein Park. Wir kümmern uns nur für dich darum" - weiteres Schild im Central Park. Foto: Jan Schnettler
Oben links: Die stillgelegte Hochbahntrasse High Line im Meatpacking District wurde zu einem attraktiven Fußgängerpark umgewandelt. Oben rechts: Eine von Anwohnern gepflegte Baumscheibe im Viertel Bedford-Stuyvesant (Brooklyn). Mitte links: New Yorker spielen nachts Karten an einem Tisch auf dem Herald Square in der Nähe des Empire State Buildings. Mitte rechts: "Help us protect these plantings" - "Hilf uns, diese Bepflanzung zu schützen" - ein Schild, das positiv an die Besucher des Central Parks appelliert. Unten links: Eine "Greenstreet" in Morningside Heights. Unten rechts: "Es ist dein Park. Wir kümmern uns nur für dich darum" - weiteres Schild im Central Park. Foto: Jan Schnettler

Belebung von Brachflächen Die High Line im Meatpacking District von einer stillgelegten Hochbahntrasse in eine Parkanlage mit Kunst, Gastronomie und extrem viel Aufenthaltsqualität zu verwandeln, hat selbst in NYC von den ersten belächelten Ideen bis zur Fertigstellung 15 Jahre gedauert. Einen Großteil der Gelder brachte eine private Initiative auf, die den Park mit seinen teils verwilderten Schienensträngen nun auch betreibt. Drum herum entwickelt sich, nicht zuletzt durch die High Line befeuert, Manhattans derzeit angesagtestes Viertel. Eine stillgelegte Hochbahn hat Gladbach zwar nicht, Industriebrachen en masse aber sehr wohl. Eine davon, vielleicht eingebettet in eine Textilroute, zu einem Park mit überregionaler Strahlkraft zu entwickeln, könnte durchaus Charme haben.

(RP)
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