1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Was bei Ärger im Urlaub zu tun ist

Mönchengladbach : Was bei Ärger im Urlaub zu tun ist

Zentrale, verkehrsgünstige Lage, natürlicher Strand, beheizbarer Swimming-Pool: Wer solche Angaben im Reisekatalog liest, sollte misstrauisch werden.

"Verkehrsgünstige Lage heißt, dass das Hotel nicht sehr ruhig liegt, ein natürlicher Strand wird sich selber überlassen, so dass schon mal Glasscherben oder anderer Müll dort herumliegt, und ein beheizbares Schwimmbecken muss nicht unbedingt auch beheizt sein", klärte jetzt Rechtsanwältin Dr. Verena Staude die Zuhörer der Veranstaltungsreihe "Alles was Recht ist" auf.

Diesmal luden Rheinische Post, Landgericht und Anwaltverein zum Thema "Ärger im Urlaub — Reisemängel, was tun?" in den historischen Schwurgerichtssaal des Landgerichts ein. "Bei der Auswahl des Reiseveranstalters ist auf Seriosität zu achten und auch darauf, wie lange es ihn schon am Markt gibt", fuhr Staude fort. "Wichtig ist zudem, besondere Vereinbarungen im Reisebüro immer schriftlich zu dokumentieren. Achten Sie auch darauf, den Sicherungsschein ausgehändigt zu bekommen."

Rechtsanwalt Marco Körfgen unterstrich, wie außerordentlich wichtig die unverzügliche Mängelanzeige ist. "Wenden Sie sich sofort, wenn irgendetwas im Urlaub nicht stimmt, an die Reiseleitung und setzen Sie ihr eine Frist. Sie müssen ihr die Chance zur Abhilfe geben. Tun Sie dies nicht, dann entfallen im schlimmsten Fall Ihre Ansprüche", warnte Körfgen.

Wichtig sei außerdem, sich das Gespräch mit der Reiseleitung und das Abhilfebegehren schriftlich bestätigen zu lassen, "damit man später leichter Beweise erbringen kann". Nur im Notfall sollte der Reisende auf eigene Faust abreisen oder vor Ort umbuchen. "Versuchen Sie immer, den Reiseveranstalter organisatorisch mit einzubinden", sagte Körfgen.

Einmonatige Ausschlussfrist

Hartmut Bönnen, Richter am Amtsgericht Viersen, erinnerte die Zuhörer an die einmonatige Ausschlussfrist. "Sie müssen Ihre Ansprüche einen Monat nach dem vertraglich vorgesehenen Ende der Reise beim Reiseveranstalter anmelden", erklärte Bönnen. "In dem Schreiben müssen Sie zum Ausdruck bringen, dass Sie Forderungen stellen. Reine Wertungen oder aber die schlichte Bitte um Aufklärung reichen nicht aus."

Die Mängel müssten nach Zeit, Ort, Geschehensablauf und eventuell nach Schadensfolge konkretisiert werden. "Wobei allerdings eine genaue rechtliche Einordnung vom Kunden nicht gefordert wird", sagte Bönnen. "Auch muss dieser die Schadensersatzhöhe nicht beziffern." Bönnen verwies darüber hinaus auf die zweijährige Verjährungsfrist, die der Reiseveranstalter in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen jedoch auf ein Jahr verkürzen kann.

"Letztes Jahr haben 62 000 Reisende ihre Ansprüche vor Gericht geltend gemacht. Man sieht also, nicht nur das Reisegeschäft ist ein Massengeschäft, sondern auch die spätere Abwicklung", konstatierte Bönnen.

(fae)