Mönchengladbach: Warum Strom- und Gaskunden wechseln

Mönchengladbach : Warum Strom- und Gaskunden wechseln

Der Energiemarkt ist hart umkämpft. Die Zahl der Kunden, die den Anbieter wechseln, wächst wie der Einfluss der Vergleichsportale. Für die NEW als Grundversorger bedeutet dies, im Wettbewerb mitmischen zu müssen.

Der Strom- und Gasmarkt in Deutschland ist umkämpft wie nie zuvor. Grund ist die immer weiter steigende Bereitschaft von Verbrauchern, ihren Energie-Lieferanten zu wechseln. "Inzwischen wechseln täglich 5000 Kunden deutschlandweit ihren Strom-Anbieter", sagt Ralf Poll, Geschäftsführer der NEW Energie und Wasser. Die Wechselbereitschaft betrifft sowohl Strom- als auch Gaskunden. In beiden Fällen locken Anbieter via Verbrauchsportale wie "Verivox" und "Check24" mit hohen Boni zum Wechsel und zahlen dafür Provisionen an die Plattformen - ein einträgliches Geschäftsmodell, das sich in dem Markt etabliert hat.

Ein Test unserer Redaktion Ende vergangener Woche zeigt: Da tummeln sich die Großen wie Eon, Vattenfall und EnBW, aber auch Stadtwerke und Grundversorger aus München, Schwerin und Bochum und Mönchengladbach (also die NEW). Bei dem Rechenbeispiel mit einer vierköpfigen Familie und einem Singlehaushalt sind auf der linken Seite jeweils die Ende vergangener Woche laut "Verivox" günstigsten drei Stromanbieter aufgeführt. Zum Vergleich sind auf der rechten Seite der günstigste Tarif der NEW-Tochter Klickenergie, der günstigste Online-Tarif der NEW selbst und der Grundversorgungstarif gelistet.

Alle Anbieter haben als erstes eine Provision an die Vergleichsplattform bezahlt. Es werden also längst nicht alle wirklich verfügbaren Anbieter gelistet. Die Lieferanten, die auf den vorderen Plätzen landen, haben dann einen Strom- oder Gastarif zusammengeschnürt, der zwar im ersten Jahr deutlich günstiger ist als die Online- und Grundtarife der Grundversorger. Allerdings ist dies praktisch nur auf die Wechselboni zurückzuführen, die die Lieferanten Neukunden gewähren. Ohne die Prämien könnte fast sogar der Grundversorgungstarif mitmischen bei den Preisen der Online-Anbieter. In der Regel sind diese Angebote ein Zuschussgeschäft für Strom- und Gaslieferanten.

Im zweiten Jahr dann ziehen die Tarife meistens deutlich an. Das bekamen zuletzt auch die Online-Kunden der NEW zu spüren, die in diesem Geschäft auch mit einem entsprechenden Tarif mitmischt - der allerdings nicht sehr weit oben landet. "Preisportale sorgen dafür, dass wir Kunden verlieren. Aber wir müssen uns dem stellen, weil wir ansonsten nicht wahrgenommen werden. Aber wir können uns nicht auf den ersten Platz setzen, das kann nur defizitär sein", sagt Ralf Poll.

Rund 80 Prozent der Wechsler nehmen den Bonus im ersten Jahr mit und ziehen dann weiter - für die Verbraucher ist das der Idealfall. Wer aber nicht wechselt, zahlt dann drauf. Nur so kann sich das Geschäftsmodell mit den hohen Wechselboni tragen. Wer also viele Wechsler gewonnen hat, hat sie deshalb nach einem Jahr oft auch wieder verloren.

Insgesamt beliefert die NEW deutschlandweit 420.000 Stromkunden, davon 330.000 in Mönchengladbach, im Kreis Heinsberg, im Rhein-Kreis Neuss und in Viersen, und 160.000 Gaskunden (davon 120.000 im eigenen Verbreitungsgebiet). Der Marktanteil der NEW in Mönchengladbach liegt immer noch bei 85 Prozent. Allerdings kehren derzeit jährlich drei bis vier Prozent der Kunden der NEW den Rücken, was sich mit der Online-Strategie nicht in Gänze auffangen lässt.

Neu ist für Stromkunden die Möglichkeit, sich einen intelligenten Stromzähler (einen sogenannten Smart Meter) einbauen zu lassen. Das ist für Großabnehmer mit mehr als 10.000 Kilowattstunden Strom ab dem kommenden Jahr Pflicht. Bei der NEW betrifft das rund zehn Prozent der Kunden. Die intelligenten Zähler sollen Stromfresser im Haus identifizieren und beim Stromsparen helfen. Ab dem Jahr 2023 betrifft diese Pflicht alle Haushalte mit einem Verbrauch von mehr als 6000 Kilowattstunden Strom. Und bis 2032 müssen alle Haushalte zumindest einen modernen, also digitalen, Stromzähler haben. "Das Geschäft mit den Smart-Metern, den intelligenten Stromzählern, fängt gerade erst an", sagt Poll. Es soll Kunden zum Stromsparen animieren. "Wenn die Energiewende funktionieren soll, wenn wir keine konventionellen Kraftwerke mehr haben, dann muss das machbar sein."

(RP)
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