Reihe Mönchengladbach liest Warum gehörte ich zu denen, die nicht zu Borussia durften?

Mönchengladbach · Steffen Andritzke liest im Fanhaus aus seinem Buch über Fußball, Hooligans, die DDR und die Stasi.

 Steffen Andritzke liest im Fanhaus aus seinem Buch über Fußball, Hooligans, die DDR und die Stasi.

Steffen Andritzke liest im Fanhaus aus seinem Buch über Fußball, Hooligans, die DDR und die Stasi.

Foto: Miroslav Menschenkind, kn

Das echte Happy End ist, dass Autor Steffen Andritzke im Fanhaus der Borussia aus seinem biographischen Buch "Kulturstadtbanause" vorliest. Ein Buch über Gladbach, Weimar, Jena, über Hooligans, die DDR und die Stasi kündigt ein Plakat an der Tür zum Fanhaus an und fasst so den Inhalt des wuchtigen Buchs zusammen. Es sind viele Borussia-Fans gekommen, um den Autor vorlesen zu hören. Und auch wenn Andritzke etwas erhöht sitzt und vorträgt, merkt man schnell: Er ist einer von ihnen, und man kennt sich hier.

Bei kleinen Einwürfen aus dem Publikum reagiert er mit Humor und spricht die Gäste mit Namen an. Nicht nur die Borussia ist ihm wichtig, sondern auch die anderen Fans. "In Jena hatte ich die besten Freunde kennengelernt — in Klammern — außer euch!", liest Andritzke eine Stelle seines Buches vor und meint es offenbar auch so. Das Leben und das Leiden für Borussia sind zentrale Themen seiner ostdeutschen Fanbiographie. "Warum durften einige Deutsche zu Borussia und andere Deutsche durften das nicht? Und warum gehörte ich zu denen, die nicht durften?", formuliert der Autor Fragen aus seiner Kindheit im Buch. Diese Ungerechtigkeit würde erst Jahre später mit der Mauer verschwinden. Bis dahin sollte noch viel passieren: Lehrer versuchten, seine Fangesinnung durch Verlockungen und Drohungen zu ändern, Demütigungen und Druck durch die Stasi und viele andere kurios-tragische Ereignisse. Auch davon schreibt Andritzke. Doch sein Stil ist kein polterndes Abrechnen mit dem Ost-Regime, Steffen Andritzke beschreibt seine Erlebnisse sachlich. Die Unterdrückung in der DDR wird so noch wirkungsvoller deutlich. Über Günter Netzer schreibt er: "So einer durfte nicht scheitern. Allein, weil er das Image eines Rebellen hatte." Steffen Andritzke hat Humor und nimmt sich beim Vortragen aus seinem Buch selbst nicht immer ganz ernst — seine Themen und seine Borussia dagegen umso mehr.

(RP)
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