Warnstreik in Mönchengladbach: Busse in den Depots, Kitas geschlossen

Warnstreik in Mönchengladbach : Verzweifelte Pendler, Konfettiregen und seltene Ruhe

Mönchengladbach ist lahmgelegt: Die Busse fahren nicht, städtische Kitas und Schwimmbäder bleiben geschlossen. Viele Gladbacher hatten am Morgen Probleme zur Arbeit zu kommen, stiegen auf's Taxi um. Auf dem Alten Markt demonstrierten 1600 Gewerkschafter im öffentlichen Dienst für mehr Geld.

Der Warnstreik der Gewerkschaft Verdi dauert 24 Stunden. Die Angestellten im öffentlichen Dienst fordern einen Pauschalzuschlag von 100 Euro plus 3,5 Prozent Lohnerhöhung. Zur größten Verdi-Kundgebung auf dem Alten Markt in Mönchengladbach kamen am Morgen rund 1600 Streikende. In weißen Plastikumhängen mit der Aufschrift "Wir sind es wert" schwenkten sie die roten Fahnen und schimpften gegen die Bundesregierung. Ihr Schlachtruf: "Gibt die Kohle her, Thomas de Maizière!" Die Verdi-Jugend schoss Konfetti-Bomben in die Menge, eine Band sorgte für Stimmung.

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Nicht so gut gelaunt waren die Menschen, die normalerweise mit dem Bus zur Arbeit fahren und heute Morgen am leer gefegten Europaplatz standen. Viele bildeten Fahrgemeinschaften, einige teilten sich ein Taxi, andere stiegen auf's Fahrrad um. "Alles eine Frage der Organisation", sagte Werner Weinhold. Der gelernte Krankenpfleger hat Verständnis für den Streik und ließ sich von einem Kollegen mitnehmen. Die 25-jährige Vanessa Püttmanns hingegen war genervt: "Ich muss zur Arbeit nach Odenkirchen und fahre sonst immer mit dem Bus. Geld für Taxi habe ich nicht", sagt sie. Auch Tobias Wallnig sieht den Streik kritisch. Seiner Meinung nach gibt es viel zu oft Streiks im öffentlichen Verkehr. Ob Bahn, Flughafen oder jetzt die Busse. "Als Maler muss ich auch hart arbeiten. Ein Sreik ist für uns nicht denkbar", sagt der 36-Jährige.

Einen Vorteil hatte der Warnstreik dann doch: Durch den aussetzenden Lärm gerade am Europaplatz kehrte Ruhe in der Stadt ein. "Endlich kann ich mal die Spatzen hören", erklärte Weinhold.

Nächster Streik vielleicht ein Tag länger

Donnerstag und Freitag gehen die Tarifverhandlungen in die nächste Runde. Vor allem der Pauschalzuschlag von 100 Euro ist ein großer Streitpunkt, erklärte die örtliche Verdi-Chefin Mechthild Schratz. Die Gewerkschaft argumentiert mit zu niedrigen Einstiegsgehältern beispielsweise für Busfahrer. Die Arbeitgeber orientieren sich an der Privatwirtschaft. Falls kein Kompromiss gefunden wird, kann es erneut zu Streiks kommen. "Dann vielleicht auch einen Tag länger", so Schratz.

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(met)