Mönchengladbach: Wann bitte geht der nächste Schwan?

Mönchengladbach: Wann bitte geht der nächste Schwan?

In der Reihe "Lohengrin extra" streifte Generalintendant Michael Grosse im Theater-Studio durch die Literatur zur Wagner-Oper. Ernst, vergnüglich und mit André Parfenov am Klavier.

Wagners "Lohengrin" ist ziemlich lang, reichlich laut und überhaupt eine rechte Strapaze. Für Sänger wie fürs Publikum. Und die Handlung ist derart unwahrscheinlich, dass man sie so erzählen kann, dass einem die Tränen kommen, vor Lachen oder Weinen. Um diese Erfahrung reicher und beschwingt von köstlichen Zitaten rund ums musikalische Schwanenrittertum, verließen nach kurzweiligen 80 Minuten die Besucher des Theaters den Abend "Lohengrin #literarisch". Generalintendant Michael Grosse hatte in seiner Eigenschaft als Schauspieler mit vorzüglich ausgebildeter Sprechstimme ins Studio geladen, wo ziemlich viele Fans des Hauses sich zum Beiprogramm der Opern-Aufführung eingefunden hatten. Man lauschte entzückt dem, was Grosse aus der Weltliteratur zusammengetragen hatte. Und kriegte zur Belohnung auch noch Wagner live auf die Ohren.

Dafür setzte sich der Solopianist des Theaters, André Parfenov, an den leicht verschrammten Yamaha-Flügel auf die von einer Sperrholzwand möblierten Bühne und spielte Liszts Lohengrin-Paraphrasen. Das ganze Orchester mit zehn Fingern (und ausgiebig eingesetztem Forte-Pedal) herbeizuzaubern, ist eine schwierige, aber dankbare Angelegenheit. Nach Parfenovs Ausflügen in Elsas Traum und Brautlied wird man den Flügel neu aufarbeiten müssen, so beherzt langte er hin. Was allerdings erheblich Wirkung machte.

Das lässt sich auch von Grosses Lesung behaupten, für die er vom Polstersessel ans Pult trat und in seiner melodisch sonoren, wunderbar distanzierten Art Texte berühmter Autoren vortrug. Geradezu parodistisch klingen die Anekdoten des großen Wagner-Tenors Leo Slezak, der vor und während der Weimarer Zeit als Lohengrin Triumphe feierte. Tolle, überaus witzige Texte, denen das Zitat "Wann bitte geht der nächste Schwan" - nach einem verpassten Auftritt - entstammt.

Der wortgewaltige Thomas Mann versteigt sich anlässlich eines Lohengrin-Besuchs zu der Äußerung, Wagner sei ohne Theater nicht denkbar. Sein Sohn Heinrich lässt den Diederich in seinem Roman "Der Untertan" eine Lohengrin-Aufführung mit stramm kaisertreuer Brille erleben, dass es einen vor-nationalsozialistisch gruselt. Mark Twain, der Huckleberry-Finn-Erfinder, schreibt in seinem Deutschland-Reisebuch aus den 1870er-Jahren von Katzenmusik und Zahnschmerzen in der Magengrube anlässlich eines Lohengrin-Besuchs. Sein Eindruck: "Die Deutschen lieben die Oper wie nichts auf der Welt" scheint Spott und Bewunderung zugleich. Und vergnüglich wie der ganze Abend.

(ark)