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Mönchengladbach: Wahl-Krimi: Jetzt spricht alles für Schwarz-Grün

Mönchengladbach : Wahl-Krimi: Jetzt spricht alles für Schwarz-Grün

Norbert Bude (SPD) verliert mit Anstand. Die Gespräche zwischen CDU und Grünen werden noch in dieser Woche beginnen.

Als Hans Wilhelm Reiners gestern um 19.01 Uhr in einem Pulk aus fast 100 jubelnden, klatschenden und skandierenden Anhängern in den Rheydter Ratssaal einzog, wurde er am Eingang abgefangen. Norbert Bude (SPD) schüttelte seinem Nachfolger lange und intensiv die Hand, wünschte ihm viel Glück und vor allem Kraft für seine Aufgabe. Während die CDU-Anhänger erst den Ratssaal und dann den Ratskeller zur orangenfarbenden Partyzone machten, reagierte Bude enttäuscht, aber gefasst. Nur einer hatte Mühe, in den Feiermodus zu schalten - ausgerechnet der CDU-Parteivorsitzende Günter Krings. Er hatte Zahnschmerzen. Nicht im übertragenen Sinne - sein Kurzkommentar: "alles super" - sondern tatsächlich wegen eines entzündeten Zahns, der gezogen werden muss.

Der neue Oberbürgermeister wusste, wem er zu danken hatte: "Ich habe meinen Erfolg zum großen Teil der CDU-Mannschaft zu verdanken. Es ist Wahnsinn, was die Junge Union alles für mich gemacht hat", sagte Reiners im Interview mit der RP. Tatsächlich war die CDU während des gesamten Wahlkampfs, aber gerade auch in den letzten drei Wochen präsenter. Bude haderte nicht mit seinen Parteifreunden, konstatierte aber: "Die CDU hatte den eindeutig größeren Finanztopf für diese Stichwahl."

Der Wahlabend war nicht nur für Reiners und Bude, sondern auch für ihre Anhänger nervenaufreibend. Vom ersten ausgezählten Stimmbezirk an lag nie einer der beiden mehr als 1,5 Prozentpunkte vorn. Bis zur Hälfte der ausgezählten Stimmbezirke lag Bude meist knapp vorne. Das lag auch daran, dass in den Innenstadtbezirken mit besonders schwacher Wahlbeteiligung besonders rasch ausgezählt werden konnte. Bei drei Viertel der Stimmbezirke gab es ein absolutes Patt.

Danach zog Reiners davon. Neun Stimmbezirke vor Schluss stockte die Auszählung. Da fehlten noch Bezirke aus der Marienschule, aus Neuwerk und Giesenkirchen - CDU-Hochburgen. Und während seine Anhänger Norbert Bude noch Mut machen wollten, wusste der da schon genau: Es würde nicht reichen - und das trotz eines durchaus respektablen Ergebnisses. Immerhin holte Bude im zweiten Wahlgang über 20 Prozentpunkte mehr als seine Partei vor drei Wochen. Erneut dürfte er also etliche Stimmen aus dem bürgerlichen Lager bekommen haben. Im Vergleich zum ersten Wahlgang gingen ihm aber über 5000 Wähler verloren. Auch Reiners hatte seine liebe Mühe, seine Klientel zu mobilisieren. Er verlor fast 3500 Stimmen.

So spannend der Wahlabend im Ratssaal auch war - den Großteil der Mönchengladbacher interessierte er offenbar nicht im Geringsten. Die Wahlbeteiligung sackte auf desaströse 29,6 Prozent. Zum Vergleich: In Düsseldorf, wo es gestern ebenfalls eine Stichwahl gab, gingen 41,8 Prozent wählen. Die Auswirkungen sind erheblich. Der neue Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners bekam nur von ganzen 14,8 Prozent aller Wahlberechtigten die Stimme. Bude ist bis kommenden Sonntag, 22. Juni, offiziell im Amt. Sein letzter großer Auftritt als Oberbürgermeister wird der Abschlussgottesdienst der Heiligtumsfahrt am Geroweiher sein. Noch ist seine Zukunft ungewiss. Finanziell hat der 54-jährige es nicht nötig, weiter zu arbeiten. Möglicherweise zieht er sich aus der aktiven Politik zurück und sucht sich eine andere Tätigkeit. Reiners kündigte gestern an, nun nicht sein Büro aufzublähen. Trotzdem wird er rasch einige zentrale Personalentscheidungen zu fällen haben.

Aufmerksam verfolgt wurde das Wahlergebnis im Ratssaal gestern Anita Parker, Sprecherin der Kreispartei der Grünen, und von Ulla Brombeis, der stellvertretenden Fraktionssprecherin. "Wir sind nicht in der Position, jemandem etwas anzubieten. Wir warten ab", sagte Parker der RP. Sie wird nicht lange warten müssen. Während die Grünen schon heute, während des Länderspiels der Deutschen, das Wahlergebnis analysieren, kommen Partei und Fraktion der CDU erst morgen zusammen. Sie werden nach Informationen der RP beschließen, sowohl ein Bündnis mit den Grünen als auch mit der SPD zu sondieren. Die Präferenz der CDU geht aber klar zu den Grünen. Die SPD wird heute bei einem kleinen Parteitag - der übrigens erst nach dem Länderspiel beginnt - beschließen, ob sie überhaupt zu Gesprächen über eine große Koalition zur Verfügung steht. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Hans Peter Schlegelmilch sagte der RP gestern Abend, die CDU wolle rasch klären, mit welcher Partei sie in Verhandlungen eintritt. Der Zeitrahmen ist eng. Schon am 4. Juli ist die konstituierende Ratssitzung.

Hier geht es zur Infostrecke: Mönchengladbach: Das sagt Wahlgewinner Hans Wilhelm Reiners (CDU)

(RP)