Mönchengladbach: Vortrag der Grünen: "Verzicht ist unsexy"

Mönchengladbach : Vortrag der Grünen: "Verzicht ist unsexy"

Ibuprofen sei biologisch abbaubar, Diclophenac nicht, stellte Hans Christian Markert in seinem Vortrag fest, den der Landtagsabgeordnete der Grünen im Paritätischen Zentrum in Rheydt hielt. Was hat eine Aussage über Schmerzmittel in einem Referat über Kreislaufwirtschaft und den nachhaltigen Umbau der Wirtschaft zu suchen? Sehr viel, denn Markert will damit illustrieren, dass es nicht immer ums Verzichten gehen muss. Manchmal muss man nur die richtige Alternative kennen.

"Verzicht ist natürlich unsexy", sagt der Grüne, "aber es geht ja auch eigentlich um Vermeidung." Vermeidung fasst er unter dem Stichwort Suffizienz zusammen. Dazu gehöre auch, den Eigentumsbegriff neu zu denken. "Die Waschmaschine muss mir nicht gehören, ich kaufe die Dienstleistung ein", erklärt er. Geräte könne man teilen oder sich eben durch einen Anbieter ins Haus stellen lassen. Dadurch würde auch den sozial schlechter Gestellten der Zugang zu effizienten Geräten ermöglicht. Auch eine radikale Verlängerung der Gewährleistungsfrist hält er für gut. Dann lohne es sich für die Produzenten, sie haltbar und reparierbar zu machen. Allerdings: "Machen wir uns nichts vor", warnt er. "Die Produkte werden dann auch teurer."

Suffizienz ist bei Markert ein Baustein des wirtschaftlichen Umbaus. Ein weiterer heißt Effizienz. "Damit haben wir uns in den letzten fünfzehn Jahren beschäftigt", sagt er. Aber man habe ein bisschen zu ausschließlich an Effizienz gedacht. "Dabei ist die Energiesparbirne herausgekommen", sagt er. "Sie ist hocheffizient, aber leider Sondermüll." Ein dritter wichtiger Baustein sei daher die Konsistenz, die er als Kreislaufwirtschaft definiert. Schon bei der Produktion sei der gesamte Lebenszyklus des Produkts mit zu bedenken.

All diese Gedankengänge gehören zur Basis grüner Ideen. Markert setzt aber auch persönliche Schwerpunkte. Zum einen ist es ihm wichtig, die gesamte Gesellschaft mitzunehmen und nicht bestimmten Gruppen vor den Kopf zu stoßen. "Nachhaltiger Umbau geht nur mit allen Akteuren", sagt er.

(RP)
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