Mönchengladbach: Vorhang auf für die nächste Spielzeit

Mönchengladbach: Vorhang auf für die nächste Spielzeit

Ein Mann verwechselt seine Frau mit einem Hut, Schauspieldirektor Matthias Gehrt erfüllt sich einen Traum, und Schauspieler Michael Ophelders rezitiert Heinz Erhard. Theaterbesucher dürfen sich freuen. Es wird kurzweilig.

Die Theaterbesucher werden den Akteuren ganz schön nah kommen. Dafür sorgt schon das Erscheinungsbild des druckfrischen Jahresheftes mit dem roten Kussmund auf dem Cover. Saskia Vetten und Matthias Stutte von der Abteilung Marketing haben die außergewöhnliche Gestaltung gemeinsam mit zwei Kreativen aus Berlin erdacht - und gemacht. Es sind hautnahe Detailaufnahmen, die bei Proben, Aufführungen und überhaupt im Theater entstanden sind: Finger auf den Seiten einer Geige, die Großaufnahme eines Auges, der Teil eines Puppenkopfes, Münder, ein Ohrgehänge, Füße, ein Arm mit Gänsehaut - und die Raute auf dem glatzigen Hinterkopf von Joachim Henschke aus der Borussia-Revue. Die läuft - nach fulminantem Erfolg im Mönchengladbacher Theater - in der kommenden Spielzeit im Krefelder Haus. Denn auch in der Seidenstadt gibt es unzählige Fans der Elf vom Niederrhein. "Der Kuss signalisiert: Unser Theater ist wirklich zum Küssen", sagt Saskia Vetten.

Ganz nah dran sind die Gäste auch bei der Kammeroper "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte", das am 31. Januar 2018 Premiere feiert. Bei dieser 70-minütigen Inszenierung sitzen die Gäste tatsächlich mit auf der Großen Bühne des Theaters. Es geht um die Demenzerkrankung eines Sängers und Gesanglehrers. Um sich im Alltag zurechtzufinden, verknüpft er jede Tätigkeit mit Musik. Er erfindet Lieder zum Anziehen, zum Baden, zum Essen, damit die Unordnung, die in seinem Kopf ausgebrochen ist, Struktur bekommt. Musik ist also das einzig wirksame Rezept, das der Neurologe seinem Patienten verschreiben kann. "Die Zuschauer erleben das Geschehen unmittelbar mit", verspricht Operndirektor Andreas Wendholz.

Diese Kammeroper kann beispielhaft für das Ansinnen stehen, das Generalintendant Michael Grosse zum Thema erhebt: "Es geht immer um Bildausschnitte, Perspektiven, Blickwinkel. Die Frage ist, wie nähern wir uns einem Stoff, wie interpretieren wir ein Stück für das heutige Publikum?" Seinen Stolz auf das "großartige Ensemble" verheimlicht Grosse nicht. "Wir agieren auf sehr hohem künstlerischen Level."

Musiktheater Neben der erwähnten Kammeroper hat Andreas Wendholz weitere Highlights zu bieten. Etwa "Die Faschingsfee", die am 23. September zum ersten Mal in Mönchengladbach zu sehen sein wird. "Die Operette sollte im Rheinland gut ankommen." Kobie van Rendsburg inszeniert erneut ein Opernprojekt fürs Gemeinschaftstheater. "Der seltsame Fall des Claus Grünberg" heißt das Barockopernprojekt, das er effektvoll mit dem Einsatz multimedialer Medien in Szene setzt. Und - ja, endlich kommt auch der "Lohengrin" auf die Gladbacher Bühne - am 20. Januar 2018 ist die Premiere. In Krefeld hat die Oper von Richard Wagner bereits einen tollen Start hingelegt. Premiere feiern auch das Musical "Othello darf nicht platzen", der Operneinakter "Cavalleria rusticana / Gianni Schicchi" und "Nabucco".

Ballett Robert North geht mit zwei Neuproduktionen in die neue Spielzeit: "Teufelskreis" - mit Musik von Richard Wagner bis Michael Jackson - und "Souvenirs aus West und Ost". Der Ballettdirektor präsentiert Impressionen vom Leben der Menschen auf verschiedenen Seiten des Globus, die trotz unterschiedlicher Sozialisation und Kultur ähnliche Träume und Ängste haben.

Schauspiel Matthias Gehrt verwöhnt die Theaterbesucher mit fünf neuen Stücken. Wobei er sich endlich einen langgehegten Traum erfüllt - mit Friedrich Schillers "Die Räuber". Er kündigt an: "Da müssen alle verfügbaren Männer mitlaufen!" "Warum Heinz mit Erhard lacht": Darauf freut sich der Schauspieldirektor. "Michael Ophelders rezitiert bekannt und weniger bekannte Gedichte des unvergessenen Komikers."

"Unsere Themen sind tagespolitisch auf der Höhe der Fragestellungen unserer Zeit angesiedelt, andererseits möchten wir die Theaterbesucher bestens unterhalten", sagt Michael Grosse. Das dürfte gelingen. Wieder einmal.

(RP)