Mönchengladbach: Vor 25 Jahren retteten Bürger Schloss Rheydt

Mönchengladbach : Vor 25 Jahren retteten Bürger Schloss Rheydt

Es war die erfolgreichste Bürgerinitiative: Seit 1988 sammelte ein Verein 1,77 Millionen Mark für die Sanierung des Herrenhauses am Schloss Rheydt in Mönchengladbach. Ein historischer Rückblick.

Nicht viele Orte in Mönchengladbach sind so beliebt wie Schloss Rheydt. Kulturinteressierte flanieren durch das Museumsgelände, Sportbegeisterte joggen durch die Parkanlage und viele Kinder verbringen alljährlich den Sommer bei den Ferienspielen auf der Schlossanlage. Hinzu kommen die Sommermusik, das Ritterfest und die Ausstellung "Gartenwelt". Mancher Besucher mag es bereits vergessen haben oder gar nicht wissen, dass all das nicht möglich wäre, wenn sich engagierte Bürger vor einem Vierteljahrhundert nicht zum Förderverein "Rettet Schloss Rheydt" zusammengeschlossen hätten oder den Verein nicht unterstützt hätten. Dann wäre die Schlossanlage vielleicht längst verfallen oder einige Gebäudeteile einsturzgefährdet. So war es nämlich Mitte Januar 1988.

Während einer Tagung von Archäologen im Rittersaal des Herrenhauses entdeckten die Teilnehmer an einem Trägerbalken einen Riss. Untersuchungen ergaben kurze Zeit später, dass sich unter dem porösen Putz der Deckenbalken zersetzte. Als Grund gaben die Experten damals Trockenfäule an. Da das Herrenhaus somit einsturzgefährdet war, musste eine großangelegte Sanierung durchgeführt werden, die rund 25 Millionen D-Mark kosten sollte. Doch der Stadt fehlte das Geld dazu, und das Land verweigerte zunächst die nötigen Zuschüsse.

Die offizielle Begründung des Landes lautete damals, dass es sich bei dem Zustand um "Pfusch am Bau vor mehr als 400 Jahren, altersbedingte Schäden und nutzungsbedingten Verschleiß" handle. Daher gebe es keine Zuschüsse. Außerdem seien anstehende Renovierungsarbeiten nicht durchgeführt worden.

Um die Schlossanlage zu retten, initiierte der damalige Oberbürgermeister Heinz Feldhege den Verein "Rettet Schloss Rheydt". Die Gruppe, die sich am 17. März 1988 formierte, setzte es sich zur Aufgabe, Geldmittel für die Restaurierung zu sammeln. Im Vorstand waren neben Heinz Feldhege unter anderen Karnevalist Bernd Gothe, Schützenchef Horst Thoren, NLK-Boss Detlef Baatz und Manfred Verleysdonk von der Stadtsparkasse aktiv. Doch ohne die Hilfe der Mönchengladbacher Bürger hätte es der Förderverein nicht geschafft. Als erste Maßnahme organisierte der Vorstand gemeinsam mit rund 100 Vereinen Ende Juli 1988 ein Schlossfest und hoffte, dass rund 50 000 D-Mark zusammenkommen. Am Ende des Festes staunten die Organisatoren. Es kamen rund 70 000 Gäste und die Einnahmen beliefen sich auf 400 000 D-Mark.

Weil dieses Geld aber bei Weitem nicht ausreichte, sammelte der Verein weiter Spenden. Die Initiative und die Verbundenheit zum Schloss bewogen einige Mönchengladbacher dazu, auf Geburtstagsgeschenke zu verzichten und stattdessen um Spenden für das Schloss zu bitten. Als der damalige NRW-Kultusminister in die Stadt kam, sprach Feldhege ihn noch einmal an, doch er stellte kein Geld bereit. Stattdessen gab er ihm einen Rat. Die Stadt solle einen Bebauungsplan erstellen, der an den Bauminister geht. Dieser stellte schließlich die nötigen Fördergelder zur Verfügung. Bis zu seiner Auflösung am 21. August 1997 hatte der Verein 1,77 Millionen D-Mark gesammelt. Im Rahmen der Renovierungsarbeiten gelang es, längst vergessene Dinge freizulegen. So wurde eine Vorläufer-Burganlage entdeckt, eine handgemalte Renaissance-Decke freigelegt und teilweise verschüttete Kellergewölbe wieder hergestellt. Am 1. August 1994 konnte das Schloss schließlich wieder eröffnet werden. Die Mönchengladbacher können daher stolz auf sich sein, wenn sie die Schlossanlage besuchen.


Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist das Schloss Rheydt in Mönchengladbach

(ila)