Mönchengladbach: Von Marodeuren und Mountainbikern

Mönchengladbach: Von Marodeuren und Mountainbikern

Spannende Geschichte(n) um Mönchengladbachs Landwehren wurden im Rittersaal von Schloss Rheydt erzählt.

In Mönchengladbach kann man "An der Landwehr" wohnen, im Restaurant "Zum Landwehrritter" essen oder einfach beim Spazierengehen diesen meist mit Bäumen und Gebüsch bewachsenen Gebilden aus Hügeln und Gräben in der ansonsten platten Landschaft begegnen. 13 Kilometer Landwehren sind auf dem Stadtgebiet noch erhalten, sagt Wolfgang Wegener. Er steht auf Einladung der Bylandt-Gesellschaft im Rittersaal von Schloss Rheydt und berichtet den versammelten Heimat- und Geschichtskundlern von seinem Spezialgebiet. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich im Amt für Bodendenkmalpflege im Landschaftsverband Rheinland mit den Landwehren, freut sich, dass sie in den letzten Jahren wieder in den Fokus der Forschung geraten sind und plaudert ein kurzweiliges Stündchen zu Geschichte und Gegenwart.

Da treten zunächst einmal im Spätmittelalter Raubritter oder marodierende Haufen auf den Plan, und Landesfürsten, die in der Anarchie des "Interregnums" die Herrschaft über ihre Flecken festigen oder ausbauen wollen. Vom 13. bis 15. Jahrhundert entstanden hierzulande bevorzugt am unteren Niederrhein, im Bergischen aber auch auf dem Gebiet unserer lokalen Fürsten und der sich neu bildenden Städte diese Wallanlagen. Fronarbeiter rückten mit Schaufeln bewaffnet aus und huben bis zu drei Gräben aus, schichteten die Erde zu rund zwei Meter hohe Wällen. Trupps von zehn Mann schafften nur wenige Meter am Tag. Es kommen Zwei- bis Vierwallanlagen vor, die bis zu 40 Meter breit sein können. Auf die Wälle wurden Schlehen, Hainbuchen, Rosen gepflanzt, geschnitten, verdichtet. Nach wenigen Jahren war so eine Landwehr für Mensch und Tier unpassierbar. An den Durchgängen wurden manchmal Türme errichtet oder Schlagbäume. Und wenn der Feind anrückte, schlug jemand Alarm. Als die kriegerischen Zeiten vorbei waren - Wegener schaute kurz bei der Schlacht an der Krefelder Hückelsmay vorbei - konnten die Landwehren noch prima als Weidezaun genutzt werden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist der Großteil der Landwehren verschwunden. Heute sind die Reste durch Landwirtschaft und menschliche Bautätigkeit gefährdet. Und als bedeutende Zeugnisse vergangener Kultur unter Denkmalschutz gestellt.

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Von Mönchengladbach hat der Fachmann aus Bonn etliche moderne Relief-Aufnahmen mitgebracht, Fotos vom heutigen, bisweilen arg "durchgewachsenen" Zustand und historische Karten. Die Windberger Landwehr nach Viersen ist wohl die älteste, stammt von 1424, in der Nachbarstadt sollen sogar Reste einer Landwehr von 1250 erhalten sein. Wegener erklärt, warum Hardt eine eigene und Dahlen keine Landwehr bekam. Und kommt immer wieder auf die heutigen "Feinde" dieser Denkmäler zu sprechen: die Mountainbiker, die die Wälle gern zu Sprungschanzen zweckentfremden. Heute kümmern sich verstärkt Naturschützer um die eigentümlichen und oft undurchdringlichen Biotope. Der Forschungs- und Dokumentationsstand sei gut. Selbst bei Neubauvorhaben ließen sich Landwehren in die Planung integrieren. Fragen aus dem Plenum waren bald beantwortet, Wegener, der nur noch wenige Wochen im Dienst sein wird, vermittelte lebendig einen Einblick in seine spannende Tätigkeit.

(ark)