Mönchengladbach: Von der Tischfräse zur CNC-Maschine

Mönchengladbach: Von der Tischfräse zur CNC-Maschine

In der Schreinerei Zimmermanns arbeitet nach 50 Jahren bereits die dritte Familiengeneration. Die Geschäfte des Hardter Unternehmens laufen gut. Trotzdem haben sich das Handwerk und seine Kunden deutlich verändert.

Ein Schlafzimmer. Komplett. Der erste Auftrag. Der Kunde hat sich die Möbel selbst abholen müssen. So war das damals, im Februar 1968. Hubert Zimmermanns hatte noch kein Auto, da er dabei war den Führerschein zu machen. Der heute 85 Jahre alte Firmengründer ist die ersten Wochen noch mit dem Bus zu seiner Firma in Hardt gefahren.

Sein Sohn Jürgen weiß aus Erzählungen, "dass mein Vater zufällig von der leerstehenden und zu vermietenden Schreinerei erfahren hat". Harte Anfangsjahre seien das für ihn gewesen, "da es in Hardt schon fünf Schreinereien gab". Allesamt Konkurrenten, man sei sich wohl auch nicht allzu grün gewesen. Aber Hubert Zimmermanns hat sich durchsetzen können.

Stück für Stück sei es dann aufwärts gegangen für den jungen Schreiner, der bei Gebrüder Bommes in Giesenkirchen gelernt hat. Irgendwann kam ein Pritschenwagen und löste den Handkarren ab, ein Dickenhobel wurde angeschafft, eine Spindelpresse für Furniere, eine Abrichte, Langlochbohrmaschine, Kreissäge, Tischfräse und eine Absauganlage. "Damit konnte mein Vater Möbel bauen, Zimmertüren, beziehungsweise auch die anderen Aufträge für den Innenausbau abwickeln", so Jürgen Zimmermanns. Ein Büro gab´s noch nicht, die Buchführung sei zuhause am Wohnzimmertisch erledigt worden.

Sohn Jürgen hat schon als Kind Zeit in der Schreinerei Bommes verbracht, dann im Betrieb seines Vaters. Er hat viel geholfen, viele Samstage und die Sommerferien im Betrieb verbracht. Ihn hat von Anfang an das Handwerkliche fasziniert: "Möbel zu entwerfen und selber zu fertigen. Außerdem gefällt mir der Werkstoff Holz besonders, seine Wärme und sein Geruch." Keine Frage also, dass auch er Schreiner wurde. "Damals haben wir Fenster selbst gebaut, Decken gefertigt, Massivmöbel, und auch Reparaturen ausgeführt." Von 1976 bis 1996 hat er mit seinem Vater zusammengearbeitet, bis Hubert Zimmermanns gesundheitsbedingt aufhören musste.

Sechs Jahre nach der Übernahme durch Jürgen Zimmermanns wurde 2003 die gemietete Immobilie der Schreinerei gekauft und renoviert. Nach und nach wurde der Maschinenpark weiter modernisiert. Die Produktpalette wurde kontinuierlich erweitert, so Jürgen Zimmermanns. Aber auch heute werden noch kleinere Reparaturen ausgeführt: "Zum Beispiel einen Stuhl verleimen, oder einen klemmenden Rollladen richten, beziehungsweise Scharniere auswechseln".

Das Meisterstück des 58-Jährigen, ein Vitrinenschrank, geräucherte Eiche, Tonnengewölbe "und massiven Füllungen", wie seine Frau Christiane betont, ist immer noch der Blickfang in ihrem Wohnzimmer in Giesenkirchen. Sie erledigt die Büroarbeiten im Büro auf dem Firmengelände nahe der Hardter Kirche St. Nikolaus.

Ein Grund für die stetige Entwicklung der Schreinerei sieht der heutige Seniorchef unter anderem darin, "dass die Qualität unserer Arbeit an erster Stelle steht. Wir haben einen hohen Anspruch an uns selbst." Selbstredend haben zwei der vier Söhne, die auch Schreiner geworden sind, Jesse und Jörn, ihre Gesellenprüfung als Beste ihres Ausbildungsjahrgangs abgeschlossen. "Ohne ihre Mitarbeit stünden wir jetzt nicht so gut da." Sohn Jörn leitet selbstständig die Produktion, Sohn Jesse macht zurzeit seinen Master im Bauingenieurwesen. Aktuell sind sie acht Leute im Betrieb.

Aus den Anfangsjahren hat es nur die Bandschleifmaschine in die Neuzeit geschafft. Zu der Maschine ist längst Hightech hinzugekommen. Seit 2015 nimmt eine CNC-Maschine den Schreinern viel Arbeit ab. Auch die nächste Generation setzt auf die handwerkliche Arbeit im Sinne des Wortes und die damit verbundene Möbel-Qualität. Das wissen auch Designer zu schätzen, erzählt Juniorchef Jörn Zimmermanns (32). So habe man einen speziellen Esstisch hergestellt mit Swarovski-Steinen: "Alleine für die Beine haben wir 480 Steine eingesetzt." Fragt man die gestandenen Schreiner, wie sich ihr Handwerk in den vergangenen 50 Jahren verändert hat, wissen sie sofort eine Antwort: "Die Kunden haben früher im Februar für den September Möbel bestellt. Heute ist alles schneller." Nachwuchssorgen haben die Zimmermanns nicht. Die Enkel Justus und Theodor meinten jüngst zu Papa Jörn: "Während du beschäftigt bist, laden wir den LKW aus."

(akue)