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Unsere Besten: Von der Ordensfrau zum Karnevalschef

Unsere Besten : Von der Ordensfrau zum Karnevalschef

Wir stellen Ihnen die Kandidaten 13 bis 18 der Aktion "Unsere Besten" vor. Machen Sie diesmal Bekanntschaft mit einem Leitwolf, einem Philosophen, einem Textilbaron, Mutter Ey, einer Ordensfrau und dem Karnevalschef.

Die RP-Redaktion sucht Gladbachs Beste — mit Ihrer Hilfe. Wir stellen 50 Frauen und Männer vor, die Großes geleistet haben. Doch wer ist die/der Größte? Sie dürfen wählen und können als Hauptpreis eine Kreuzfahrt gewinnen. Hier sind die Kandidaten 13 bis 18.

Der Leitwolf (13) Günter Netzer (geb. am 14. September 1944 in Mönchengladbach) erzielte in 230 Spielen für Borussia 82 Tore. Als Kapitän führte er die "Fohlen-Elf" im Jahr 1970 zur ersten Deutschen Meisterschaft. Netzer war der Ideengeber der Elf, er lenkte und leitete, inszenierte und vollendete. Auch 1971 wurde er mit Borussia Deutscher Meister, 1973 Deutscher Pokalsieger — im Finale gegen den 1. FC Köln wechselte er sich in der Verlängerung selbst ein und erzielte das 2:1-Siegtor. Danach spielte er für Real Madrid, holte zwei spanische Meisterschaften und zwei Pokalsiege. 1976 wechselte Netzer noch für eine Saison zu den Grasshoppers aus Zürich. Er gilt als begnadeter Fußballer, erfolgreicher Geschäftsmann und schlagfertiger Fachmann im Fernsehen.

Der Philosoph (14) Hans Jonas gehört zu den größten Denkern des 20. Jahrhunderts. Er war Philosoph, Religionswissenschaftler und Mönchengladbacher Ehrenbürger. Außerdem war Jonas Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, des Großen Bundesverdienstkreuzes sowie des Ehrendoktortitels amerikanischer und deutscher Universitäten. Er wurde am 10. Mai 1903 als Sohn eines Textilfabrikanten in Mönchengladbach geboren. Nach dem Studium emigrierte er nach England, zwei Jahre später nach Palästina und später in die USA. Bekannt wurde er vor allem durch sein 1979 erschienenes Werk "Das Prinzip Verantwortung". 1989 verlieh ihm die Stadt Mönchengladbach das Ehrenbürgerrecht. Hans Jonas starb am 5. Februar 1993 in New Rochelle bei New York.

Der Textilbaron (15) Der Unternehmer Franz Brandts (geb. am 12. November 1834) führte in Mönchengladbach 1865 die mechanische Weberei ein. Besondere Verdienste erwarb sich der Mitbegründer des Volksvereins darüber hinaus durch sein soziales Verständnis für seine Arbeiterschaft. In seiner Halbwollweberei entstand ein Arbeiterausschuss, die 1885 erlassene Fabrikordnung garantierte den Arbeitern dort in betrieblichen Angelegenheiten ein Mitspracherecht — und war somit eine Art Vorstufe des heutigen Betriebsrates. Außerdem verfügte sie über eine eigene Krankenversicherung, eine Darlehnskasse, eine Bücherei und einen Kindergarten. Im Andenken an seinen gestorbenen Sohn Rudolf errichtete er die Brandtskapelle, sie wurde 1896 eingeweiht. Franz Brandts starb am 5. Oktober 1914.

Mutter Ey (16) Die Wickratherin Johanna Stocken (geb. am 4. März 1864) ging als legendäre Figur in die Kunstgeschichte ein. Heinrich Böll nannte sie einmal eine "Institution". Als sie in ihrer Bäckerei in Düsseldorf zwei Kunststudenten Kaffee ausgab, war dies der Beginn der berühmten Kaffeestube der "Mutter Ey", wie sie nach der Heirat mit Robert Ey genannt wurde. Nicht selten bezahlten die Künstler, unter ihnen Otto Dix, Gerd Wollheim, Otto Pankok und Max Ernst, mit ihren Bildern. 1920 eröffnete sie am heutigen Standort der Kunstsammlung NRW eine Galerie unter dem Namen "Neue Kunst Frau Ey". Schnell avancierte diese zum künstlerisch-revolutionären Zentrum des "Jungen Rheinland". Johanna Stocken starb am 27. August 1947 in Düsseldorf.

Die Ordensfrau (17) Therese von Wüllenweber kaufte das Kloster Neuwerk und gründete 1888 gemeinsam mit Pater Franziskus Jordan die Ordensgemeinschaft der "Schwestern vom Göttlichen Heiland" (Salvatorianerinnen). Als deren Generaloberin nannte sie sich fortan Mutter Maria von den Aposteln. Bis heute setzen sich die Schwestern für soziale Gerechtigkeit und das Wohlergehen der Menschen ein. Therese von Wüllenweber wurde am 13. Februar 1833 auf Schloss Myllendonk geboren, seit ihrer Jugend wollte sie als Ordensfrau arbeiten. Vier Jahre nach ihrem Tod am 25. Dezember 1907 wurde die von ihr mitgegründete Ordensgemeinschaft vom Vatikan bestätigt. Papst Paul VI. sprach sie 1968 selig.

Der Karnevalschef (18) Er ist der Big Boss des Mönchengladbacher Karnevals, und für den ein oder anderen auch der heimlicher Bürgermeister von Rheydt. Dort wurde Bernd Gothe am 22. September 1940 geboren. Er besuchte das Hugo-Junkers-Gymnasium und studierte später Verfahrenstechnik in Düsseldorf. Seit 1967 ist der Unternehmer im Familienbetrieb (Edelstahl) tätig. Gothe ist Präsident der Hockey- und Tennisabteilung des Rheydter Spielvereins. Er hat den Gladbacher Karneval aus der Krise geholt: 1985 war Gothe Karnevalsprinz und wollte danach seine karnevalistische Karriere eigentlich beenden. Doch weil die finanzielle Lage des MKV katastrophal war, fragte der Verband, ob er Vorsitzender werden will. Der Rest ist (Karnevals-)Geschichte.

(naf)