Mönchengladbach: Vom Trubel in die Leere - letzte Fahrt ins JHQ

Mönchengladbach: Vom Trubel in die Leere - letzte Fahrt ins JHQ

Ab Donnerstag fährt die Buslinie 023 das Hauptquartier nicht mehr an. Die letzte Tour zum Militärgelände gehörte dem Busfahrer alleine.

Auf der Fahrt durch den Hardter Wald ist Otto Schommer übrig geblieben. Alle anderen Fahrgäste haben den Bus bereits verlassen, nun sitzen wir nur noch zu zweit in der Linie 023. Doch wer sollte jetzt auch noch hier unterwegs sein, wo doch dort, wo wir hinwollen, gar nichts mehr ist. Schommer (76) allerdings möchte sie mitmachen, eine der letzten Busfahrten vom Mönchengladbacher Hauptbahnhof zum JHQ. Es ist eine 40-minütige Fahrt aus dem Trubel in die Leere.

Die Tour zum Militärgelände, das die britischen Streitkräfte im Sommer verlassen haben und in diesen Tagen an den Bund übergeben, beginnt am Europaplatz und führt zunächst über die Hindenburgstraße und den Alten Markt Richtung Hardt. Ähnlich belebt, wie an diesem Nachmittag die Innenstadt ist, kennt Schommer auch noch das JHQ. "Ich habe in den Sechziger Jahren für eine Wäscherei gearbeitet und im Hauptquartier immer Wäsche abgeholt. Das war eine Stadt für sich. Die hatten alles, ein Schwimmbad, ein Kino und Restaurants", sagt der Rentner.

60 Jahre lang hatten die britischen Streitkräfte zwischen Rheindahlen und Hardt Quartier bezogen, bis zu 15 000 Soldaten lebten zwischenzeitlich auf dem 420 Hektar großen Gelände. Der Abzug der Briten begann vor drei Jahren, von da an schwand das Leben im Hauptquartier kontinuierlich. "Ich bin im Frühjahr einmal durch das Areal gefahren, da standen nur noch vereinzelt Autos vor den Häusern", erzählt Schommer. In diesem Sommer war mit einer Parade in der Innenstadt und einem Sommerfest im JHQ endgültig Schluss.

Nun übernimmt die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) das Gelände. Deswegen fährt ab heute auch die Buslinie 023 nicht mehr ins Hauptquartier, sondern endet an der Haltestelle "Hardt Gewerbegebiet".

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Schommer möchte die letzte Gelegenheit nutzen und mit dem Bus nochmals durch das JHQ fahren. Doch daraus wird nichts. Am Eingang werden wir freundlich gebeten, den Bus zu verlassen. Ohne triftigen Grund ist die Busfahrt über das Areal nicht erlaubt. So stehen wir 20 Minuten im Nebel.

Doch auch am Häuschen der Grenzposten bekommen wir einen Eindruck von der Leere, die im Hauptquartier nun herrscht. Ein Polizeiwagen fährt vorbei, zwei weitere Autos sehen wir noch, sonst nichts. "Früher war das hier noch ganz anders, da musste ich den Pass abgeben. Und wenn ich rausfuhr, habe ich ihn wiederbekommen", erzählt Schommer.

Derweil hat Busfahrer Janosz Andruszko seine Route alleine fortgesetzt. Die Haltestellen Post, Theater, Greenville Road und Snyders Road braucht er nicht mehr anzufahren, am Endhaltepunkt HQ-Waterworks macht er Pause, wie es der Fahrplan vorgibt. Auf Fahrgäste braucht er nicht zu warten. "Ich habe seit zwei Monaten niemanden mehr ins JHQ gefahren. Da ist gar nichts mehr", sagt Andruszko, nachdem er uns auf seiner Rückfahrt am Eingang wieder eingesammelt hat. Noch zweimal wird er an diesem Tag die Route zum Hauptquartier fahren, dann war es das für ihn.

"Diese vielen leer stehenden Häuser. Ich bin gespannt, was jetzt mit dem Gelände passiert", sagt Andruszko. Er hat Zeit, sich ein bisschen mit uns zu unterhalten, noch ist kein weiterer Fahrgast zugestiegen. Mit der Ruhe ist es erst am Marktplatz in Hardt vorbei. Der Bus füllt sich wieder, wir sind aus der Leere in den Trubel zurückgekehrt.

(togr)
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