Mönchengladbach: Vom Scheitern in der Wildnis

Mönchengladbach: Vom Scheitern in der Wildnis

"Alaska Highway Mile 895" heißt der Roman von Xenia Marita Riebe. Die Gladbacherin schreibt über die Sehnsucht einer jungen Frau, die in Kanada Schlittenhunde züchten will. Ein Mann macht ihr einen Strich durch die Rechnung.

Sonja ist medizinisch-technische Assistentin in Augsburg. Kein schlechter Job, aber sie träumt von einem ganz anderen Leben. Von einem Leben in der Wildnis. Sie lernt einen Mann kennen - Dietmar. Der begeistert sie mit seinen Berichten vom Yukon Territorium, von seinen Kajaktouren auf reißenden Flüssen, von seinen Reisen in den rauen Nordwesten Kanadas. Sonja hat ihren Traummann gefunden. Mit Dietmar will sie reisen, Abenteuer erleben. Die beiden brechen auf - und alles wird ganz anders, als Sonja es sich erträumt hatte.

Xenia Marita Riebe hat die Geschichte der jungen Frau erdacht und aufgeschrieben. "Alaska Highway Mile 895" heißt ihr Buch, das der Kühlen-Verlag herausgegeben hat. Auf fast 600 Seiten nimmt sie den Leser mit nach Kanada, lässt ihn teilhaben am Schicksal der jungen Frau. "Den Titel habe ich gewählt, weil exakt an dieser Adresse das Blockhaus stand, in dem mein Mann und ich während eines Kanada-Aufenthalts gewohnt haben", sagt die Autorin.

Einige Male hat sie das Land bereist, in dem sich ihre Geschichte entwickelt. "Ich habe zudem ausgiebig recherchiert, ich habe einen Plot geschrieben und Zeichnungen von der Gegend angefertigt." In Kanada hat sie auch diesen Dietmar kennengelernt. "Der hieß natürlich anders", sagt Xenia Marita Riebe lachend.

Dietmar entpuppt sich in Kanada tatsächlich als ausgemachtes Weichei. "Er hat Angst vor Moskitos, vor Bären, Wölfen, eigentlich vor allem, was in der Wildnis kreucht und fleucht." Das einzige, was den Kerl interessiert, ist Sex mit Sonja. Die will aber nicht. Und so haut Dietmar ab, und Sonja reist alleine weiter. Sie beschließt, sibirische Huskys und Wolfshybriden zu züchten. Die Tiere will sie an die Musher verkaufen, die jedes Jahr am Yukon Quest, dem härtesten Schlittenhunderennen der Welt teilnehmen. Die vertrauen aber keiner Frau, die selbst nie ein Rennen gefahren ist. Sonja gerät in große finanzielle Schwierigkeiten.

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Xenia Maria Riebe ist gebürtige Gladbacherin. Aufgewachsen ist sie in Lürrip. An der Züricher Kunstschule hat sie studiert. Bekannt ist sie vor allem durch ihre plastischen Arbeiten aus Zeitungspapier. "Neben meiner Kunst hat mich aber immer das Schreiben interessiert", sagt sie. Schon 1994 erschienen zwei ihrer Kurzgeschichten mit den Titeln "Wölfe im Nacken" und "Sei leise". Sie absolvierte mehrere Drehbuchseminare und schrieb anschließend Drehbücher. Von 2003 bis 2007 arbeitete sie am "Global Citizen ART Projekt". Ihr gleichnamiges Buch erschien im Kühlen-Verlag. 2010 bis 2015 war sie Mitherausgeberin und Redaktionsmitglied des Magazins "Der Obsidian", einer Zeitschrift für Kunst und Literatur. Und im Frühjahr 2015 erschien ihr erster Roman: "Die Farbe des Bernsteins" - ebenfalls im Kühlen-Verlag.

Wie Sonjas Geschichte weiterging? Tragisch. Sie hofft, durch ihre Teilnahme am Yukon Quest von den Mushern akzeptiert zu werden. Dann aber taucht der elende Blender Dietmar wieder auf, der seinen Hass gegen Frauen auf Sonja projiziert.

Xenia Marita Riebe, Alaska Highway Mile 895, B. Kühlen-Verlag, ISBN 978-3-87448-489-3, 12,90 Euro im Buchhandel und über den "Blue Blog" der Autorin.

(isch)
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