Mönchengladbach: Vom Nonnenbunker ins Eigenheim

Mönchengladbach : Vom Nonnenbunker ins Eigenheim

Eine Schule auf Wanderschaft: Dort, wo heute der Marienhof steht, war zuvor 85 Jahre die Marienschule beheimatet. Weil die Viersener Straße durch den damaligen Schulhof gebaut werden sollte und zudem der Träger wechselte, musste das Gymnasium weichen. Ein Glücksfall für die Schule.

Stadtmitte Es ging nicht mehr. Dieses Haus, es war einfach zu eng geworden. Und für modernen Unterricht auch kaum mehr geeignet. Dabei handelt es sich um eine der rennomiertesten Schulen der Stadt, die Bischöfliche Marienschule. Als das Bistum noch fast gar nichts mit der Schule zu tun hatte und die Franziskanerinnen Träger der Schule waren, lag sie noch an einem ganz anderen Standort. Wo heute Borussias Fanshop, ein Supermarkt, ein italienisches Restaurant, ein Parkhaus, Arzt- und Büroräume liegen, lernten tausende Gladbacher Mädchen ihre Rolle als Frau. An eine Schule erinnert heute fast gar nichts mehr. Nur ein Teil des Namens ist geblieben: Marienhof.

Dort hatten fast 150 Jahre lang Franziskanerinnen Mädchen und junge Frauen gelehrt, bis die Schule umzog. Es war die beste Lösung für die damals auch von Problemen geplagten Lehreinrichtung.

Von 1895 an hatten die Ordensschwestern, die an der Stelle auch ihren erst 1892 gegründeten Konvent hatten, an der Wallstraße ein Gebäude nach dem anderen gekauft, um dort ihre Frauenschule stetig zu vergrößern. Nach dem Zweiten Weltkrieg, nachdem die Schule wieder eröffnet und neue Gebäude gebaut worden waren, wuchsen die Schülerzahlen rasant an. Doch 1965 entstand in Mönchengladbach erstmals die Idee, die Viersener Straße für den immer weiter zunehmenden Verkehr auszubauen. Und zwar durchgehend bis zur Stepgesstraße. In den 70er Jahren wurde diese Idee konkret: Denn 1974 wurde die Hindenburgstraße zur Fußgängerzone. Nur wo sollte der Verkehr hin? Auf eine vierspurig ausgebaute Viersener Straße. Doch dafür brauchte man einen großen Teil des Geländes der Marienschule, die Straße sollte direkt durch das Schulgelände führen. Es wäre sehr eng geworden. Die Stadt ließ 1977 ein Gutachten erstellen, wie sich die Lärmbelästigung auf den Unterricht auswirken würde. Und wie man mit Lärmschutzmaßnahmen den Unterricht in dem Gebäudekomplex, der in Schülerkreisen als "Nonnenbunker" bekannt war, fortsetzen könnte.

Die Schülerzahlen sanken, der Orden hatte als Träger mittlerweile massive Geldprobleme, denn es mussten immer mehr Lehrer angestellt werden, weil immer weniger Ordensschwestern unterrichten konnten. Das Bistum sprang 1980 als neuer Träger ein, und fortan stiegen die Schülerzahlen wieder auf Rekordniveau. Nur: Wohin mit den Schülermassen?

Die Stadt kam dem Bistum zu Hilfe. Weil das Neusprachliche Gymnasium an der Viersener Straße mit dem Math.-Nat. fusionieren sollte und eine neue Gesamtschule an anderer Stelle entstand, wurden Räume frei. Ab 1987 zogen Klassen der Marienschule an ihren heutigen Standort um, bis im Sommer 1989 die ganze Schule an ihrem neuen, wesentlich moderneren Standort untergebracht war. Ein Investor übernahm den alten Komplex, ließ einen Teil abreißen und baute den Marienhof. Die Viersener Straße wurde eine wichtige Verkehrsachse in der Stadt. Und die Marienschule hatte nach dem Verkauf der Immobilie ans Bistum ihr Eigenheim.

(RP)