Porträt Andreas Schager: Vom Niederrhein in die vokale Beletage

Porträt Andreas Schager: Vom Niederrhein in die vokale Beletage

Der Österreicher Andreas Schager ist Opernfreunden in Krefeld und Mönchengladbach als lyrischer Operettentenor in Erinnerung. Inzwischen hat er einen soliden Fachwechsel zum Heldentenor hinter sich und macht beachtliche Karriere.

Erinnern Sie sich noch? In den Spielzeiten 2000/01 und 2001/02 war ein junger Tenor an den Vereinigten Bühnen engagiert, der vornehmlich in Operetten ("Vogelhändler", "Nacht in Venedig") zu hören war: Andreas Schager. Sein Spieltalent war sehr ausgeprägt und seine Stimme wunderschön lyrisch und ausgeglichen, doch zu damaliger Zeit noch nicht voluminös genug, um sich jederzeit dem Orchester gegenüber zu behaupten.

"Man darf seine Stimme nicht überstrapazieren, sie ist das Kapital des Sängers, wenn man das tut, hat man irgendwann nichts mehr", meinte der Tenor damals. Inzwischen ist aus ihm einer der führenden und mittlerweile international gefragten Heldentenöre geworden.

Doch der Reihe nach: Der Sänger wurde 1971 auf einem Bauernhof in den niederösterreichischen Voralpen geboren und hatte - gemeinsam mit vier Geschwistern - eine schöne, unbeschwerte Kindheit. "Geld für musikalische Ausbildung war nicht da", berichtet er, "aber bei uns wurde viel musiziert. Ich dachte immer nur ans Singen, und eines Tages lud mich ein Freund in die Wiener Singakademie, den Chor des Wiener Konzerthauses, ein. Der Chorleiter wurde auf meine Stimme aufmerksam und gab mir bald schon kleine Soli, die ich, da ich noch keine Noten lesen konnte, alle auswendig lernen musste."

Schager blieb in Wien und studierte bei Professor Walter Moore an der Universität für Musik. Schon während seines Studiums gab er sein Operndebüt als Ferrando ("Così fan tutte") im Schloss Schönbrunn. Danach war er, wie oben beschrieben, an unserem Theater (seiner "alten Heimat", wie Schager selbst dazu sagt) engagiert, und diese Zeit ist sehr wohl auch auf seiner Homepage vermerkt. Das ehrt den Sänger - die meisten arrivierten Künstler verschweigen ja später gern ihre Anfänge.

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In den folgenden Jahren war der Tenor freischaffend tätig, sang unter anderem in Bologna, Frankfurt, Wien, Gent und schließlich an der Royal Opera Canada. Vom Tamino in der "Zauberflöte" über den David in den "Meistersingern" oder den Florestan in "Fidelio" vollzog Schager kontinuierlich einen Fachwechsel - inzwischen ist er vornehmlich in Wagner-Partien wie Siegmund, Siegfried oder Tristan zu erleben - und das mit namhaften Orchestern und Dirigenten. Große Erfolge feierte er auch als Rienzi an der Deutschen Oper Berlin, in Hamburg unter Simone Young und an der Oper Rom unter Stefan Soltesz. Fast wäre er "unser" Rienzi (in der vorvorjährigen Produktion des Theaters Krefeld/Mönchengladbach) geworden, doch es gab terminliche Probleme.

In diesem Jahr gibt Andreas Schager unter Daniel Barenboim sein Debüt als Parsifal, danach geht es zum ersten Mal nach Amerika - als Apollo in der Strauss-Oper "Daphne" unter Franz Welser-Möst in Cleveland und New York. Die Vlaamse Opera in Antwerpen erlebt im Herbst 2015 seinen ersten "Tannhäuser". - In den kommenden Spielzeiten wird der Sänger erstmals an der Wiener Staatsoper zu erleben sein, und 2017/18 wird er bei den Bayreuther Festspielen die Titelpartie im "Parsifal" übernehmen.

Wie kann man zu einem solchen vokalen Olymp aufsteigen? Darauf antwortet der Sänger Andreas Schager am liebsten salomonisch: "Eine interessante Frage, ich weiß. Die Antwort liegt im Bewahren der Offenheit und der angeborenen Neugier und sicher auch im Glück, die richtigen Leute zur richtigen Zeit zu treffen."

(oeh)
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