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Volksverein Mönchengladbach: Wo Langzeitarbeitslose Hilfe finden

Volksverein Möchengladbach : Wo Langzeitarbeitslose Hilfe finden

Der Volksverein Mönchengladbach leistet seit fast 40 Jahren wichtige soziale Arbeit. Das Pandemiejahr 2020 war herausfordernd, aber auch erfolgreich.

Wer lange Zeit keine Arbeit hat, verliert häufig den Boden unter den Füßen. Es bleibt das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, die Zeit vergeht langsamer, und der Alltag ist schwer zu bewältigen. Nach den jüngsten Zahlen der Agentur für Arbeit waren im vergangenen Monat in Mönchengladbach 12.961 Menschen davon betroffen, dass sie seit vielen Monaten oder seit Jahren keine geregelte Arbeit mehr gefunden haben.

Da sie oft alleine nicht mehr aus dieser Lebenssituation herauskommen, gibt es in der Stadt Hilfe. Eine davon bietet der Volksverein an. Das Jobcenter schickt Menschen, die lange ohne Erwerb sind, dorthin, um sie langsam wieder an regelmäßige Arbeits- und Tagesabläufe zu gewöhnen. „Manche kommen auch freiwillig“, sagte Stefanie Neumann vom Leitungsteam des Volksvereins, der jetzt seinen Geschäftsbericht 2020 vorstellte.

Das Pandemiejahr „Allgemein war es ein schwieriges, für uns aber ein erfolgreiches Jahr“, stellte Geschäftsführer Matthias Merbecks fest. Denn trotz Pandemie und Lockdown sei kein Arbeitsplatz verloren gegangen. Die 25 Hauptangestellten erlebten Kurzarbeit. Die etwa 170 Langzeitarbeitslosen wurden über soziale Netzwerke betreut, als der Volksverein während des Lockdowns für einige Wochen schließen musste. „Wir haben Live-Videos gesendet, es gab Gesprächszeiten, Bewegungsangebote und Kochkurse“, sagte Stefanie Neumann. Dabei wurde auch geholfen, wenn kein Smartphone da oder der Umgang mit dem Computer nicht vertraut war. „Alleinerziehende hatten während der Pandemie viele Probleme, zudem mussten Leistungsfragen geklärt werden“, sagte Neumann.

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Die Bilanz Dass es dennoch wirtschaftlich kein schlechtes Jahr war, machte Meerbecks mit einer Zahl deutlich: „Das wirtschaftliche Plus lag bei 73.000 Euro, die jetzt in unsere Rücklage gehen.“ Das Volumen des Haushalts umfasst jährlich 3,3 Millionen Euro. Zum wirtschaftlichen Erfolg haben, wie Meerbecks erläuterte, auch die treuen Spender mit etwas über 400.000 Euro beigetragen.

Das Angebot Die Unterstützung  des Volksvereins für Langzeitarbeitslose ist breit gefächert, dafür stehen drei Begriffe: arbeiten, begegnen, beraten. Es gibt eine Holzwerkstatt für Möbelbau, Dekorationsartikel, Handschmeichler, Schlüsselanhänger und Schützenvögel für die Bruderschaften. Zudem leeren die Beschäftigten Kleidercontainer, inzwischen auch auf eigene Rechnung des Volksvereins, da der bisherige Partner, die Katholische Arbeitnehmer Bewegung (KAB), sich während der Pandemie aus dem Altkleidergeschäft zurückgezogen hat. Weitere Betätigungsfelder sind die 600 Quadratmeter große Möbelhalle, fünf Secondhand-Shops in der Stadt, Schulkioske, Beerdigungskaffees, die Geistenbecker Rapsmühle sowie Entrümpelungen bei Wohnungsauflösungen.

Das Wachstum „Wir suchen jetzt ein neues Ladenlokal in der Stadt“, sagte Peter Settele vom Leitungsteam. Der Raum müsse groß, aber bezahlbar sein. „So können wir noch mehr Menschen beschäftigen.“ Neben den vielfältigen Arbeitsmöglichkeiten ist der Volksverein auch mit einem eigenen Sozialdienst aktiv, der bei persönlichen und behördlichen Fragen zur Seite steht. Eine Erweiterung soll auch das Projekt Clean-up, das Reinigungsprojekt an Straßenrändern, erfahren. „Wir wollen täglich die Fahrradwege in der Stadt betreuen, kleinste Schäden beheben, Müll sammeln und bei Pannen Hilfe anbieten. Es geht um einen Mehrwert für die Stadt“, sagte Meerbecks.

Die Vermittlung Einen echten Mehrwert gibt es auch für die Langzeitarbeitslosen, die beim Volksverein wieder regelmäßige Arbeit erfahren. Im vergangenen Jahr wurden 118 Menschen in eine geregelte Arbeit vermittelt, vor der Pandemie lag die Zahl stets über 180. Dennoch: Nicht allen kann geholfen werden. „Manche bleiben Kunden des Jobcenters, andere haben zu große psychische Probleme“, sagt Meerbecks. Wem geholfen werden kann, der erfährt zunächst einen niederschwelligen Arbeitsalltag. „Das geht von 14 Wochenstunden bis zur Vollzeitarbeit“, so der Geschäftsführer. Der Volksverein biete Unterstützung, „denn die Chancen auf dem Arbeitsmarkt steigen, je selbstbewusster jemand ist.“

Die Historie Der Volksverein Mönchengladbach wurde im April 1983 gegründet. Er führt seine Wurzeln auf den 1883 gegründeten und 1933 verbotenen Volksverein für das katholische Deutschland zurück. Im Februar 1997 wurde eine „Stiftung Volksverein Mönchengladbach“ gegründet. Sie soll die Tradition des sozialen Katholizismus lebendig und wirksam halten.