Mönchengladbach: Volksgarten-Boote: Wer rudert denn hier?

Mönchengladbach: Volksgarten-Boote: Wer rudert denn hier?

Schippern über den Volksgartenweiher: Ein Gladbacher wollte, konnte aber nicht. Und verzweifelte bei seinem Versuch, eine verlässliche Auskunft zu bekommen, wer Boote und Anlage kontrolliert. Sein Telefon-Marathon zum Nachlesen.

Wenn sich Bernhard Kirchhofen an seine jugendliche Sturm- und Drang-Zeit erinnert, dann kommt ihm der Volksgartenweiher in den Sinn. Da ist er gelegentlich mit der Freundin im Bötchen über den See geschippert und hat . . . - hier schweigen wir, denn das gehört nicht zur Geschichte. Zu ihr gehört aber der Versuch des 57-jährigen Gladbachers, mit Patenkind Sophia (1 1/2 Jahre) das Gewässer per Boot zu erkunden.

Als Kirchhofen jetzt - noch ohne Sophia - vor der Anlage stand, wunderte er sich. Sie war abgesperrt. Vor und neben dem marode aussehenden Steg waren zwar mehrere Ruder- und Tretboote vertäut. Doch sie machten auf ihn einen wenig vertrauenserweckenden Eindruck. Konkret: Sie wirkten auf ihn so, als würden sie die Tour über den Weiher nicht überstehen. Also keine Bötchen-Tour mit einem Kleinkind, entschied er. "In Deutschland wird fast alles kontrolliert. Auch die Sicherheit dieser Boote?" Diese Frage stellte sich Kirchhofen. Und er ergriff die Initiative, um genau das zu erkunden. Sein erster Versuch: ein Anruf bei der Stadtverwaltung.

Kirchhofen landete über die 250 bei der Gewerbestelle, die unter anderem für Gaststättenkonzessionen verantwortlich ist. Aber der Bootssteg mit Betreiber sei keine Gaststätte und man sei nicht zuständig, hieß es. Der Mitarbeiter vom Stadt-Amt teilte mit, dass es zwar keine lokale Gewerbeaufsicht mehr gebe, deren Angelegenheiten aber von einer Landesbehörde geregelt würden. Kirchhofen bekam eine Telefonnummer mit Gladbacher Vorwahl.

Kirchhofen rief an und erreichte einen Herrn, der nicht in Mönchengladbach, sondern in Düsseldorf seinen Arbeitsplatz hat. Aber für 08/15-Fälle, um den es sich zweifellos beim Bötchen-Verleih am Volksgartenweiher handelt, sei man nicht zuständig, hörte Kirchhofen. Die Düsseldorfer Behörde greife nur ein, wenn zum Beispiel der Volksgartenweiher mit dem Rhein verbunden wäre und man deshalb die Rheinschiffart-Verordnung neu regeln müsste. Klingt einleuchtend. Vielleicht hat Gladbach eine Chance, wenn irgendwann der Braunkohlesee an Wanlo grenzt und dieser mit Rheinwasser gefüllt wird?

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Der nächste Versuch: wieder bei der Stadtverwaltung und da beim Ordnungsamt. Kontrolle der Boote? Nein, da sei man nicht zuständig. Und überhaupt: Der Betreiber habe eine Haftpflichtversicherung, und die müsse regeln und zahlen. Also: Wenn Kirchhofen mit Patenkind Sophia untergeht, wird die Versicherung aktiv. Beruhigend. Und überhaupt, so erfuhr Kirchhofen vom Amt-Mann: So viele Vorgärten in Gladbach seien in einem schlechten Zustand, und da könne das Ordnungsamt auch nichts gegen machen. Den Hinweis, dass der Volksgartenweiher eine städtische Anlage sei, ersparte sich Kirchhofen. Stattdessen fragte er an, ob er mit dem eigenen Schlauchboot auf dem Weiher schippern dürfe. Dafür, so der städtische Ordnungshüter, brauche er eine Erlaubnis. Und die stelle das Grünflächenamt aus.

Beim Grünflächenamt gab man sich entspannt. Der optische Zustand der Volksgartenweiher-Bötchen sage nichts über die Sicherheit aus. Stimmt. Und die sehe man nicht so kritisch. "Die Dame war nett", sagt Kirchhofen. Und beendete den Telefon-Marathon. Mit dem Schlauchboot über den Weiher zu schippern, vertagte er auch.

Ach so: Die RP erreichte den Pächter der Anlage gestern. Wann man denn Bötchen auf dem Volksgartenweiher fahren könne?, wollten wir wissen. Das Geschäft sei schwierig, teilte der in Wesel lebende Betreiber mit. Am Mittwoch sei er vor Ort gewesen und habe nur vier Boote vermieten können. Ansonsten arbeiteten da nur Aushilfen, und die würden abwägen, ob sich ihr Kommen wettermäßig lohnt.

Was lehrt uns das? In Gladbacher Ämtern sitzen 1. keine Kontrollfreaks. Eigentlich ist 2. auch keiner zuständig, wenn's darum geht, die Bötchen zu kontrollieren. Und 3. haben wir ja Versicherungen, wenn das Kind in den Brunnen - lies: Volksgartenweiher - gefallen ist.

(RP)
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