Mönchengladbach: Viren, Trojaner, Lockangebote: Abzocke im Netz

Mönchengladbach : Viren, Trojaner, Lockangebote: Abzocke im Netz

Beim RP-Ratgeberabend "Alles was Recht ist" im Landgericht geht es um Internetkriminalität.

Ausspähen von Kontodaten, unerlaubtes Herunterladen von Musik und Filmen, Mobbing unter Schülern und zwischen Ex-Partnern — Polizei und Staatsanwaltschaft haben inzwischen so viel mit Kriminalität im Internet zu tun, dass sie eigens Mitarbeiter zur Verfolgung der Straftaten einstellen mussten. "Die Zahl der Opfer von Internet-Kriminalität ist sprunghaft gestiegen", weiß Staatsanwältin Daniela Zweigle. Und zwar auch, weil zwar manch einer sein Haus aus Angst vor Einbrüchen sichert wie Fort Knox, im Umgang mit seinen Bankdaten aber vergleichsweise sorglos ist.

So sind viele Straftaten in dieser Form überhaupt nur im Internet vorstellbar. Viele Schüler mobben online gezielt Klassenkameraden in einer derart erniedrigenden Weise, wie sie sich es von Angesicht zu Angesicht kaum trauen würden. Staatsanwältin Zweigle hat immer öfter mit solchen Mobbing-Fällen an Schulen zu tun — und findet es wichtig, dass die Staatsanwaltschaft eingeschaltet wird. Zwar seien die Fälle rein juristisch betrachtet keine schweren Straftaten.

"Die Folgen für die einzelnen Jugendlichen können aber ganz beträchtlich sein, weil es zum Teil wirklich schwere Beleidigungen sind. Ich kann nur an alle Eltern und Lehrer appellieren, diese Dinge nicht einfach auf sich beruhen zu lassen", sagt Zweigle. Immer häufiger rächen sich auch Ex-Partner nach einer Trennung mit kompromittierenden Fotos, die sie ins Internet stellen.

Kriminalhauptkommissar Bernhard Hohns bearbeitet bei der Mönchengladbacher Polizei Fälle von Internet-Kriminalität. Und er weiß: "Es gibt viele, die bereits Opfer von Internetbetrügern geworden sind und den Angriff noch gar nicht bemerkt haben." Über Trojanerprogramme würden unauffällig Daten und Passwörter ausgespäht, Telefonanlagen von großen Firmen systematisch gehackt — und oft komme alles erst viel später ans Tageslicht, sagt Hohns. Nach Schätzungen werden weltweit täglich eine Million Menschen zum Opfer von Kriminalität im Internet.

Ständig würden neue Tricks und Sicherheitslücken gefunden, sagt der Kriminalhauptkommissar. So gebe es zurzeit das Massenphänomen der sogenannten Ransomware-Fälle. Ransom ist das englische Wort für Lösegeld. Tatsächlich geht es hier um Erpressung. Die Täter schleusen Trojaner auf den Computer ihres Opfers und legen Dateien, manchmal sogar die ganze Festplatte lahm. So gaukelten die Täter unter anderem vor, sie seien vom Bundeskriminalamt und hätten den Computer über das Internet verschlüsselt, weil auf dem Rechner ungesetzliches Material wie Kinderpornografie entdeckt worden sei. Nur gegen Zahlung werde der Rechner wieder freigeschaltet. "Wie viele das Lösegeld bezahlt haben, wissen wir nicht", sagt Hohns.

Wie man sich davor bewahrt, zum Opfer oder Täter einer Straftat zu werden, ist Thema beim RP-Ratgeberabend "Alles was Recht ist" am Dienstag, 27. November, ab 19 Uhr im Landgericht. Dann geben Staatsanwältin Daniela Zweigle und Rechtsanwalt Stefan Wimmers rechtliche Hinweise zum Thema Internet und beantworten Fragen der RP-Leser unter anderem zu Skimming, Social Media, Viren und Downloads.

Hier geht es zur Infostrecke: Viren, Würmer und Trojaner – Gefahren im Netz

(RP/rl/top)