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Mönchengladbach: VIP-Karten: Ärger mit Steuer

Mönchengladbach : VIP-Karten: Ärger mit Steuer

Gladbacher Politiker sollen Steuern nachzahlen, weil sie sich von Borussia zu Heimspielen in den Business-Bereich einladen ließen. Seit sie um die nötige Abgabe ans Finanzamt wissen, schlagen fast alle Politiker die Freikarten aus.

Post vom Mönchengladbacher Finanzamt bekamen in den vergangenen Wochen die Ratsfraktionen. Die Behörde will bis ins Jahr 2005 zurück wissen, welcher Politiker welche Borussia-Heimspiele im Business-Bereich verfolgt hat. Je zwei der exklusiven Dauerkarten stellt der Verein allen Fraktionen kostenlos zur Verfügung. Sonst kosten sie 3000 Euro, inklusive Parkplatz plus Umsatzsteuer. Dieser Wert muss bei den Freikarten als geldwerter Vorteil versteuert werden. Darauf weist Borussia inzwischen die Fraktionen ausdrücklich hin. Seither ist der Business-Bereich, in dem sich Entscheider treffen und viele Geschäfte angebahnt werden, weitgehend politikerfreie Zone. Nur die FDP lässt sich weiter von Borussia einladen. Jeder Liberale versteuert das selbst. "Mich kostet das pro Heimspiel rund 50 Euro, und das ist es mir wert", sagt der FDP-Fraktionsgeschäftsführer Hans Joachim Stockschläger.

Im Business-Bereich sind für die Edel-Fans Essen, Trinken und ein Parkplatz in Stadionnähe inbegriffen.

Ein Geschenk mit Tücken

Die anderen Parteien sehen das anders. Die Grünen hatten die Karten aus grundsätzlichen Erwägungen noch nie angenommen. Die FWG verzichtet seit 2007. "Bis dahin war ich davon ausgegangen, dass die Stadt die Karten erwirbt. Ich wusste nicht, dass das ein so teures Geschenk ist", sagt Erich Oberem. Zuletzt hat die CDU ihre Karten zurückgeschickt. Und die SPD nimmt zwar weiter zwei Freikarten an, hat aber um ganz normale Tickets, die nicht im VIP-Bereich sind, gebeten. Die versteuern der Fraktionsvorsitzende Lothar Beine und der Geschäftsführer Thomas Fegers privat. "Auf gar keinen Fall darf damit die Fraktionskasse belastet werden", stellt Beine klar. Ob das angesichts der Nachforderung des Finanzamts umzusetzen sein wird, ist allerdings fraglich. Denn außer der FDP hat niemand Buch darüber geführt, welcher Politiker bei welchem Spiel dabei war. Wenn das Finanzamt nun nachträglich Geld fordert, lässt sich also nicht mehr feststellen, wer in den Genuss gekommen ist und deshalb zahlen muss.

Denkbar wäre, dass Borussia die Karten rückwirkend pauschal besteuert. So handhaben es die vielen Unternehmen, die Kunden in den VIP-Bereich einladen. "Sonst würde ja auch jeder, den das 50 Euro kostet, fragen: Was ist das denn für ein Geschenk?", sagt Lothar Beine. Doch das hat Borussia nicht vor. "Zahlen sollte derjenige, der den Vorteil gehabt hat", sagt Borussia-Sprecher Markus Aretz.

Die Stadt hat bis 2014 eine Loge in bester Lage mit zwölf Plätzen. Wer dort sitzen darf, entscheidet allein der Oberbürgermeister. Zudem stellt Borussia den Dezernenten und den beiden Bürgermeistern je zwei Karten für den Business-Bereich zur Verfügung.

(RP)