Mönchengladbach Vinylscheiben als Kultobjekte

Mönchengladbach · Nach über zehn Jahren fand in der Kaiser-Friedrich-Halle wieder eine Schallplattenbörse statt. Sogar aus dem Ausland waren Sammler gekommen, um Teile ihres Bestands zu verkaufen oder um neue Exemplare hinzuzufügen.

 Das Angebot war bei der Plattenbörse so vielfältig wie die Geschmäcker. Am beliebtesten bei den Sammlern waren Songs, die im Original auf Vinyl erschienen sind.

Das Angebot war bei der Plattenbörse so vielfältig wie die Geschmäcker. Am beliebtesten bei den Sammlern waren Songs, die im Original auf Vinyl erschienen sind.

Foto: Detlef Ilgner

Unzeitgemäß und antiquiert, ein Relikt aus analoger Vorzeit - so wird die Schallplatte von vielen betrachtet. Aber immer mehr Menschen sehen das anders, die "gute, alte Vinylscheibe" wird seit Jahren wieder beliebter. So war die Schallplattenbörse am vergangenen Samstag im Foyer der Kaiser-Friedrich-Halle für so manchen Plattenliebhaber am Tag nach Weihnachten wie eine zweite Bescherung. Interessant war die von der Agentur Lauber aus Düsseldorf organisierte Veranstaltung insbesondere, weil es nach über zehn Jahren die erste Börse dieser Art in Mönchengladbach war. Da es nur noch wenige Geschäfte gibt, die Schallplatten verkaufen, sind solche Märkte oft die einzige Möglichkeit für Sammler, an ihre Schätze zu kommen.

Dementsprechend groß war von 11 bis 16 Uhr der Ansturm auf die bunten Stände und "Wühlkisten" der rund 50 Anbieter, die aus ganz Deutschland und teils sogar aus dem Ausland zu der Börse gekommen waren - unter ihnen private Sammler, die Teile ihres Bestandes zum Verkauf anboten, wie auch professionelle Plattenhändler.

Gegen eine Eintrittsgebühr von drei Euro konnten die Besucher nach Herzenslust in gut erhaltenen und sorgfältig sortierten Sammlungen von Langspielplatten und Singles stöbern. Das Angebot war so vielfältig wie die Geschmäcker: Von Evergreens aus den 50er Jahren von Peter Kraus über Hits von Deep Purple und T-Rex bis hin zu aktuellen Metal- oder Hip-Hop-Nummern konnte jeder fündig werden. Ein absoluter Renner waren Songs, die im Original auf Vinyl erschienen waren. Solche verkaufte zum Beispiel Gerhard Korte (66) an seinem Stand. Kistenweise reihten sich auf seinen Tischen Beatles-, Rolling-Stones- und Queen-Alben aneinander. Der Mitherausgeber des Buches "Help!", einer Auflistung aller Schallplatten der Beatles, verfügt mit fast 8000 Platten über eine der größten Beatles-Sammlungen Europas. Börsen wie die in der KFH sind für Korte eine gute Gelegenheit, würdige Besitzer für doppelte Exemplare aus seinem Bestand zu finden und selbst neue Schätze zu ergattern.

Wie er sind die meisten Händler selbst leidenschaftliche Sammler und "Vinyljunkies". Wie ansteckend das Plattenfieber sein kann, zeigt auch das Beispiel von Bettina Pohl (49), die eigentlich nur ihren Mann aus Wegberg zu der Börse begleiten wollte. Nun nimmt sie selbst den Grundstock für eine kleine Sammlung mit nach Hause.

In der KFH wurden neben Vinylplatten aber auch CDs und Fanartikel wie Tassen oder Aufnäher verkauft.

Beim ganz jungen Publikum sind Schallplatten ebenfalls angesagt. Der 16-jährige Alexander Lauber ist begeisterter Plattensammler. Bleibt ein Jugendlicher, der analoge Tonträger aus vermeintlich grauer Vorzeit sammelt, nicht hinter seinesgleichen zurück? Nein, Alexanders Sammlung baut auf einer Platte des topaktuellen DJs David Guetta auf, und einen iPod hat er auch. Es gebe viele gute Gründe, Musik vom Plattenspieler zu hören. Das sieht auch sein Vater so, der Veranstalter Ulrich Lauber: "Wer Vinyl hört, muss sich Zeit nehmen. Die Platte sorgfältig auspacken, sie vorsichtig auf den Spieler legen... All das sorgt für ein viel bewussteres Hörerlebnis. Und das begreifen inzwischen immer mehr Menschen."

Tatsächlich soll sich der Absatz von Vinylscheiben in den letzten zehn Jahren vervierfacht haben. Allein in Deutschland wurden letztes Jahr 1,4 Millionen Platten verkauft. Das "schwarze Gold", wie die Schallplatten von vielen Liebhabern bezeichnet werden, dient inzwischen sogar als Kapitalanlage, auch wenn dazu viel Sachverstand nötig ist: Vor einigen Jahren kaufte ein anonymer Sammler das "Weiße Album" der Beatles für umgerechnet fast 22 000 Euro.

Auf der Schallplattenbörse in Mönchengladbach fand man solche Preise nicht: Zwischen einem und fünfzig Euro kosteten die angebotenen Scheiben. Die nächste Schallplattenbörse in Mönchengladbach ist für Oktober 2015 geplant.

(fraj)
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