Mönchengladbach: Viele Räuber sind Kinder

Mönchengladbach: Viele Räuber sind Kinder

Rund 140 Menschen wurden laut Polizeistatistik im vergangenen Jahr auf der Straße beraubt. Fast zwei Drittel dieser Taten ging auf das Konto von Kindern und Jugendlichen. Damit bleibt der Anteil junger Straffälliger hoch.

Sie schlugen, bedrohten und raubten. Mehrfach gingen sie der Polizei ins Netz. Dabei waren sie gerade einmal 15 Jahre alt. Die beiden Jungen aus Neuwerk waren nicht die einzigen Teenager, die im vergangenen Jahr mit einer langen Liste von Straftaten auffielen.

Über Wochen erpresste einer der beiden 15-Jährigen einen Jungen aus Korschenbroich, der andere traktierte an einer Bushaltestelle einen Gleichaltrigen mit Faustschlägen und entriss ihm das Schokoticket. Als die Polizei sich den jungen Straftäter vorknöpfen wollte, fand sie ihn nicht in der Schule, wo der Junge eigentlich hingehörte, sondern beim Klauen in einem Geschäft an der Hindenburgstraße. Zusammen hatten die beiden 15-Jährigen außerdem Mopeds gestohlen, und ein bisschen Rauschgift wurde ebenfalls bei ihnen gefunden.

Abziehen ist eine schwere Straftat

Damit haben die beiden Neuwerker Jungen nicht unerheblich zur Kriminalitätsstatistik der Polizei beigetragen. Rund 454 tatverdächtige Kinder und 1159 Jugendliche wurden im vergangenen Jahr ermittelt. Darunter sind auch kleine Ladendiebe oder Schwarzfahrer, aber eben auch junge Räuber. Von den 92 ermittelten Tatverdächtigen sind fast zwei Drittel Kinder oder Jugendliche.

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Mit "Abziehen" oder "Abzocken" bezeichnen sie selber es, wenn sie von anderen Jugendlichen Handys, Geld, MP3-Player oder teure Turnschuhe erpressen. Die Polizei spricht von Raub. "Das ist und bleibt eine schwere Straftat", sagt Polizeisprecher Peter Spiertz.

Weil der Anteil an jugendlichen Straftätern konstant hoch ist, hält die Polizei an ihrem Projekt für jugendliche Intensiv-Täter, kurz JIT, fest. Kinder und Jugendliche, die innerhalb kurzer Zeit viele schwere Straftaten begehen, landen auf einer speziellen Liste.

Und das heißt: Diese Jugendlichen stehen unter besonderer Beobachtung von Polizei, Jugendamt und Staatsanwaltschaft. Das beinhaltet Gefährdungsansprachen, aber möglicherweise auch schnelle Strafen. Wie zum Beispiel für die vier Jugendlichen, die alle auf der JIT-Liste standen und in einer einzigen Nacht fünf Einbrüche begingen. "Sieben Wochen später waren sie verklagt und verurteilt", sagt Hauptkommissar Jürgen Schwiers. Auch aus pädagogischen Gründen sei die zeitnahe Verurteilung wichtig.

So landete auch schon einmal ein 14-Jähriger in U-Haft, erinnert sich der Polizeisprecher. "Vor dem hatten sogar die Lehrer Angst." Doch Gefängnis sei nur das äußerste Mittel und die absolute Ausnahme. Oft würden auch andere Erziehungsmaßnahmen helfen. Schafft es die Familie nicht alleine, bietet das Jugendamt Unterstützung an. Etwa 48 Millionen Euro gab die Stadt im vergangenen Jahr insgesamt für Hilfen zur Erziehung aus. Die beiden Neuwerker Jungen wurden übrigens mittlerweile aus ihren Familien herausgeholt. "Seitdem ist Ruhe", sagt Spiertz.

(RP)