Serie Mönchengladbachs Spieleszene (1) Viel mehr als Mensch-ärgere-dich-nicht

Mönchengladbach · In Deutschland hat sich in den letzten Jahren eine lebendige Spieleszene entwickelt. Mönchengladbach kommt dabei eine tragende Rolle zu: Aus der Stadt kommen neben vielen Spiele-Ideen auch Unmengen von Spielmaterial.

 Harald Mücke ist Spieleautor und hat einen Spiele-Onlinehandel. "Wir verfügen über das deutschland- und europaweit, ja wahrscheinlich sogar weltweit, größte Sortiment an Spielsteinen und anderen Materialien", sagt er.

Harald Mücke ist Spieleautor und hat einen Spiele-Onlinehandel. "Wir verfügen über das deutschland- und europaweit, ja wahrscheinlich sogar weltweit, größte Sortiment an Spielsteinen und anderen Materialien", sagt er.

Foto: Detlef Ilgner

Spielmaterial, so weit das Auge blickt: Vom Boden bis zur Decke stapeln sich die Kästen mit bunten Spielfiguren, Blanko-Karten, Würfeln, Holzfiguren, Blanko-Spielbrettern oder Spielgeld. Alles, was der fantasievolle Spieleerfinder eben so zum Gestalten eines neuen Spiels oder zur Umsetzung einer Idee braucht. Der Mönchengladbacher Harald Mücke ist der Herr über diesen Spielplatz für Kreative. Bei seinem Onlinehandel www.spielmaterial.de können Spieleautoren bestellen, was sie benötigen.

"Wir verfügen über das deutschland- und europaweit, ja wahrscheinlich sogar weltweit, größte Sortiment an Spielsteinen und anderen Materialien", sagt Mücke, der eigentlich Betriebswirt ist und aus der Hotelbranche kommt. Das Onlineportal wurde "aus der Not geboren", wie er sagt. Mücke ist selbst Spieleautor und betreibt auch einen kleinen Spieleverlag. Er weiß, wie schwierig es ist, an gutes und vielfältiges Material zu kommen, um eigene Spiele zu gestalten.

Seit dem Jahr 2000 füllt er mit spielmaterial.de diese Lücke. Zu seinen Kunden zählen nicht nur die Spieleautoren, von denen es in Deutschland eine beträchtliche Anzahl gibt, sondern auch Logopäden, Sozialpädagogen, Schulen und Hochschulen. Auch Unternehmen haben Spiele als Mittel der Öffentlichkeitsarbeit entdeckt.

Ihnen hilft Harald Mücke bei der Entwicklung eigener Spiele zu bestimmten Themenfeldern oder bei der Gestaltung und Umsetzung vorhandener Spielideen. Gerade hat er sich in diesem Zusammenhang mit der Wasserwirtschaft beschäftigt und auch ein Spiel für einen Behindertenverband in Sachsen umgesetzt.

Auch die Produktion der Spiele läuft dann über seine Firma. Ab einer Stückzahl von 1000 Exemplaren rechnet sich die Herstellung auch wirtschaftlich. Aber auch Prototypen und Stückzahlen von 50 bis 500 Spielen können produziert werden. "Wir haben Partner, mit denen sich so etwas umsetzen lässt", sagt Mücke.

"Wir geben einige Schachtel- und Spielbrettgrößen vor und fassen Aufträge zusammen, dann geht das." Auf diese Weise kann sich so mancher auch dann den Traum vom eigenen Spiel erfüllen, wenn es vermutlich kein Kassenschlager wird oder Aussicht auf den Titel "Spiel des Jahres" hat. Es gibt in Deutschland seit vielen Jahren eine ausgesprochen lebendige Spieleszene mit leidenschaftlichen Spielern, regelmäßigen Spieletreffs und großen Spieleveranstaltungen wie den Spieletagen im Herbst in Essen.

Und es gibt Spieleautoren. 450 haben sich in der Spieleautorenzunft zusammengeschlossen. Zu ihnen gehört natürlich auch Harald Mücke. Er hat seine eigenen Spiele entwickelt, aber er bringt auch Spiele anderer Autoren heraus. Außerdem gibt es Wettbewerbe, bei denen vorhandene Spielmaterialien sozusagen recycelt werden. "Große Verlage produzieren manchmal zu viel", sagt der Gladbacher Spieleexperte. "Zum Beispiel, wenn sie erwarten, den Titel ,Spiel des Jahres' zu bekommen, und es dann nicht klappt."

Solche übrig gebliebenen Materialien nimmt er ab und schreibt dann einen Wettbewerb aus, bei dem Autoren Spiele mit diesen Steinen oder Figuren entwickeln sollen. Auf diese Weise ist eine ganze Spiele-Serie entstanden, die sich um das Thema Öl dreht und vorhandene kleine Bohrtürme aus Plastik verwendet.

Natürlich haben kleine Spieleverlage es schwer, gegen die Branchenriesen zu bestehen. Deshalb beschäftigt sich Harald Mücke noch mit einem dritten Projekt: der Genossenschaft "Spiel direkt". 20 kleine Verlage haben sich hier zu einem genossenschaftlich organisierten Großhandel zusammen geschlossen. "Sonst gehen wir als kleine Verlage unter", weiß Mücke. Über die Genossenschaft, deren Geschäftsstelle in Mönchengladbach angesiedelt ist, können die Fachhändler 170 Spiele bestellen.

"Spiel direkt" hat keinen eigenen Außendienst, ist aber auf Messen aktiv. Der Vorteil dieses Vertriebsweges: Die Genossenschaft muss keine Gewinne erwirtschaften, sondern nur kostendeckend arbeiten. Kleine Verlage können so weiter einen großen Beitrag zur Vielfalt der Spieleszene in Deutschland leisten.

(arie)
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