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Mönchengladbach: Viel Gro-Kolores mit Hastenraths Will

Mönchengladbach : Viel Gro-Kolores mit Hastenraths Will

In der Buchhandlung Degenhardt stellte der charismatische Landwirt aus dem Dörfchen Saffelen sein RP-Kolumnenbuch vor. Im ausverkauften Saal erlebten die Zuhörer einen äußerst vergnüglichen Abend.

Am Ende glich es eher dem Auftritt eines Stand-Up-Comedians als einer Lesung, was sich in der Buchhandlung Degenhardt ereignete. Christian Macharski alias Hastenraths Will las aus seinem Ende vergangenen Jahres erschienenen Buch "Hastenraths Will erklärt die Welt". Zuvor aber stellte er sich den "knallhart-investigativen" Fragen der Gladbacher RP-Kulturredakteurin Inge Schnettler. Der "charismatische Landwirt", wie Hastenraths Will sich selbst mit seinem unverwechselbaren Dialekt betitelt, kommt aus dem beschaulichen Dorf Saffelen nahe der holländischen Grenze. "Direkt an der alten Schmuggler-Route", ergänzte der Ortsvorsteher gleich zu Beginn.

Für die zahlreichen Zuhörer wurde schnell deutlich, in welche - amüsante - Richtung sich der Abend bewegen würde. Viele Besucher kannten Hastenraths Will von der Bühne oder aus der Zeitung. Seit April 2016 nimmt er jeden Mittwoch tagesaktuelle Themen, quer durch alle Sparten des Lebens, aufs Korn. Seine Äußerungen werden dabei stets von einem Augenzwinkern begleitet, sollen aber dennoch zum Nachdenken anregen. Die Fremdwörter aus seinen Texten lasse er sich vorher stets von seinem Schwiegersohn übersetzen. "Ein kluger Junge. Der macht irgendwas mit Internet und Computer, und mit Partyservice. Er redet nämlich immer von diesen Festplatten."

Spätestens an diesem Punkt war das Eis gebrochen und ein unterhaltsamer Abend eingeläutet. Seine Kolumnen hat er zusammengetragen, "damit sich die Menschen in den Wirrnissen des Lebens zurecht finden - was auch immer das bedeuten soll", warf er zum großen Gelächter der Zuhörerschaft ein.

Zu Beginn etwas Aktuelles: "GroKolores", der Titel der neuesten Schöpfung des weltgewandten Landwirts lässt die Thematik bereits erahnen. "Ich muss gestehen, ich bin heute Abend ein wenig konzeptlos", sagte Will. "Ich komm mir schon vor wie die SPD." Bei den Sondierungsgesprächen habe man zwar einen Durchbruch erlitten, aber es entscheide sich ja erst am Sonntag, ob es überhaupt zu diesen "Kollisionsverhandlungen" kommt. Ein passendes Motto hat er für die derzeitige politische Situation in Deutschland auch parat. "Vorwärts in die Vergangenheit". Etwas Neues käme allerdings auch von der SPD. "Mit Kevin Hönicke hat Deutschland den ersten Kevin in der Spitzenpolitik."

Kevin heißt einer der beiden Enkel von Hastenraths Will. "Damit hat alles begonnen. Meine erste Kolumne hatte Kindernamen zum Thema. "Die Spitzenreiter der beliebtesten Kindernamen in Deutschland sind ja seit Jahren Max und Sophie", führt Hastenraths Will das Thema ein. "So langsam kristallisieren die zwei sich als das Bayern München unter den Baby-Vornamen raus. Das war früher mal ganz anders. Da hieß der Seriensieger jahrelang Kevin." Der Name entfalte aber erst in Verbindung mit Nachnamen wie Schmitz, Kowalski oder Schlömer seine exotische Strahlkraft. "Bei Prominenten ist das genau umgekehrt, die geben ihrem Nachwuchs absichtlich komische Namen. Die heißen dann wie Obstteller, Windrichtungen oder Wallfahrtsorte." Da sei ihm Kevin-Marcel doch noch lieber als Kevelaer-Süd.

Hastenraths Will macht in seiner Kolumnensammlung selbst vor den schwierigsten Charakteren des Weltgeschehens wie Donald Trump und Kim Jong Un, "alias King Kong und Godzilla", keinen Halt. Auch über Sport schreibt er frei von der Leber weg. Als Beispiel diente Gladbachs aktivster Rentner Jupp Heynckes. Seine spitze Zunge macht sich auch über Rap-Musik, die Beziehungen der Geschlechter und dem Bildungssystem her und beschert dem Leser eine etwas andere Sicht auf das Weltgeschehen. Ein vergnüglicher Abend, die Gäste dankten mit langanhaltendem Applaus.

(dola)