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Mönchengladbach: Verzweifelte Mieter ohne Wasser und Gas

Mönchengladbach : Verzweifelte Mieter ohne Wasser und Gas

In einem Mehrfamilienhaus an der Viersener Straße ist seit mehreren Wochen das Wasser abgestellt. Der Vermieter hat die Nebenkosten nicht an die NEW gezahlt. Hausstrom und Gas für die Heizung gibt's auch nicht. Einigung nicht in Sicht.

Ute K. und Asir Y. leben in einer schönen, gepflegten Altbauwohnung in der Nähe des Wasserturms. Die Decken sind hoch, das Wohnzimmer ist großzügig geschnitten und liebevoll eingerichtet. Doch wirft man einen Blick ins Badezimmer, kommt man aus dem Staunen nicht heraus: Hier tröpfelt nur mittels einer genialen Eigenkonstruktion Wasser aus dem Hahn. Auf dem angrenzenden Balkon stehen 30 Wassereimer. "Ich schleppe in der Woche insgesamt 600 Liter Wasser hier hinauf", sagt der 64-jährige Asir Y. "Das geht seit sieben Wochen so."

 Über eine Eigenkonstruktion kommt Wasser vom Balkon ins Badezimmer.
Über eine Eigenkonstruktion kommt Wasser vom Balkon ins Badezimmer. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Und nicht nur das Wasser fehlt: Die Klingel funktioniert nicht, das Treppenhaus ist unbeleuchtet und damit ziemlich unfallträchtig, weil der Hausstrom abgestellt wurde. Mitten in Mönchengladbach im 21. Jahrhundert ist ein ganzes Mehrfamilienhaus ohne Wasser, Heizung und Hausstrom. Und das, obwohl die Mieter regelmäßig ihre Nebenkosten bezahlt haben. Die Mieter stehen zwischen den Fronten, denn die NEW will ihr Geld, der Vermieter begleicht die Schulden aber nicht.

Der Hintergrund: Das Ehepaar Ute K. und Asir Y. lebt in einem Haus, das einer Gladbacher Immobiliengesellschaft gehört. Im Mai kam von der Stadtkasse eine Pfändungs- und Überweisungsverfügung: Die Mieter sollten die Kaltmiete an die Stadt überweisen, um die Schulden der Immobiliengesellschaft bei der Stadt zu begleichen. Das taten sie auch.

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Einige Tage später stellte sich heraus, dass die Immobiliengesellschaft auch bei der NEW Schulden hat. Der Energieversorger informierte die Mieter in einem Brief, dass zum 11. Juni aufgrund von Zahlungsrückständen Gas und Wasser abgestellt würden. Die Mieter, die ihre Nebenkosten wie üblich an den Vermieter gezahlten hatten, damit dieser sie an die NEW weiterleitet, saßen ohne eigenes Verschulden ohne Wasser da. Und mussten feststellen, dass Mieter in solchen Fällen schlechte Karten haben. "Wir waren bei einem Anwalt, der uns riet, umzuziehen", erzählt Ute K. "Wir wollen aber hier nicht weg." Das Ehepaar lebt seit mehr als 20 Jahren in der Wohnung.

Dann habe man mit der NEW gesprochen. "Wir wollten für unser Wasser die Zahlungen direkt an die NEW überweisen", erklärt Ute K. Doch der zuständige Sachbearbeiter erklärte, dass nur der Vermieter Ansprechpartner für den Energieversorger sei. Einen Untervertrag zu machen, sei nicht möglich. Der Vermieter wiederum teilte mit, er versuche sich mit der NEW zu einigen.

Aber es passiert nichts. So gehen Wochen ins Land und Asir Y. schleppte Wassereimer aus einem seiner Imbissbetriebe in seine Wohnung und konstruierte seine eigene Wasserleitung, während seine Frau bei einer Freundin wusch und duschte. "Warum haben Mieter keine Rechte?", fragt Asir Y. "Warum müssen nicht auch Vermieter für solche Fälle Kautionen hinterlegen, damit die Mieter nicht die Leidtragenden sind?" Die NEW jedenfalls will ihr Geld. "Für die Bewohner, die nach eigener Aussage ihre Nebenkosten bezahlt haben, ist dies verständlicherweise ärgerlich. Wir können den Bewohnern des Hauses nur empfehlen, sich zusammenzuschließen und uns einen Vorschlag zur Regulierung der Offenstände zu machen. Die NEW ist gesprächsbereit und auch offen für unbürokratische Lösungen", so Ralf Poll, Geschäftsführer der NEW Niederrhein Energie und Wasser GmbH. Heißt das, dass die Mieter die Schulden des Vermieters begleichen müssen? Das würde aber wiederum bedeuten, dass sie das verbrauchte Wasser doppelt bezahlen müssten.

Denn den NEW-Vorschlag, auf den Vermieter einzuwirken, damit der seine Schulden bezahlt, findet Ute K. recht unrealistisch: "Was haben wir für einen Einfluss auf den Vermieter?" Sollte es keine Lösung geben, bevor der Winter kommt, wird es ungemütlich. Denn dann wird sich bemerkbar machen, dass auch das Gas abgestellt wurde.

(arie)