Masterplan für Mönchengladbach: Verwaltung mäkelt am Masterplan herum

Masterplan für Mönchengladbach : Verwaltung mäkelt am Masterplan herum

Zu wenig Bürgerbeteiligung, zu wenig Daten, zu unrealistisch – in der Vorlage zur Verabschiedung des Masterplans für die Stadt Mönchengldbach im Rat gibt es überraschend harsche Kritik. Die sorgt für Verstimmung.

Zu wenig Bürgerbeteiligung, zu wenig Daten, zu unrealistisch — in der Vorlage zur Verabschiedung des Masterplans für die Stadt Mönchengldbach im Rat gibt es überraschend harsche Kritik. Die sorgt für Verstimmung.

Dass das Team des Londoner Stararchitekten Sir Nicolas Grimshaw im Auftrag des von Unternehmern getragenen Vereins "MG 3.0" Ideen für die Stadtplanung der kommenden Jahrzehnte entwickelt hat, scheint manchem in der Verwaltung sauer aufzustoßen. Nur so lässt sich der Grundton jener Vorlage erklären, mit der die Verwaltung dem Rat vorschlägt, den Masterplan zur Leitlinie der künftigen Stadtplanung zu machen. Auf sechs Seiten gibt es viel kleinteilige, aber auch grundsätzliche Kritik an dem Masterplan, die in ihrem Tenor und ihrer Heftigkeit überrascht.

So wird dem Masterplan-Team vorgeworfen, die Bevölkerung nur eingeschränkt in den Prozess einbezogen zu haben. Tatsächlich kamen zu vier Präsentationen insgesamt mehr als 1000 Besucher; etliche weitere trugen ihre Anregungen über die eigens eingerichtete Internetseite bei. In mehrtägigen Workshops diskutierten Experten aus allen relevanten Lebensbereichen mit den Experten aus London. Kurz und gut: Mehr und systematischere Einbeziehung der Bürger in einen Planungsprozess hat es in Mönchengladbach noch nie gegeben.

Gleich an mehreren Stellen der sechsseitigen Ausführung wird auf das Projekt "Mönchengladbach 2030" Bezug genommen. Das hatte die Verwaltung selbst angestoßen. Deutlich vernehmbar klingt dieser Subtext hindurch: Auf die Ideen waren wir Experten von der Stadt doch längst selbst gekommen. An mehreren Stellen wirft die Vorlage den Masterplanern handwerkliche Fehler vor. So stehe die vorgeschlagene Randbebauung mit grünen Blockinnenbereichen im Gegensatz zu geltendem Landschafts- und Naturrecht. Der Tonfall ist überraschend oberlehrerhaft, wenn zum Beispiel angemerkt wird: "Die verwendete Begrifflichkeit der ,Mediathek' ist unglücklich. Es wird daher empfohlen, ,Mediathek' durch ,Stadtbibliothek' zu ersetzen." Als die Ampel noch von einer neuen Stadtbücherei träumte, nannte die Verwaltung diese im Ampel-Duktus vor wenigen Wochen selbst noch "Mediathek". Die Vervollständigung der Sichtachse von der Kaiser-Friedrich-Halle zum Bismarckplatz findet die Verwaltung immerhin "historisch korrekt analysiert", fordert aber "eine planerische Aussage zum Umgang mit der Mönchengladbacher Skyline nachzuliefern". Sehr kleinteilig werden Punkte im Masterplan benannt, wo benötigte Grundstücke im privaten Besitz sind. Mehrfach werden die Ideen als "sehr ambitioniert" oder allenfalls langfristig umsetzbar gekennzeichnet.

Unterschrieben hat die Vorlage Oberbürgermeister Norbert Bude, der sich öffentlich stets begeistert über den Masterplan geäußert hat. Im Verein MG 3.0, der 650 000 Euro an Spenden für den Masterplan aufgetrieben hatte und mit großem persönlichen Engagement das Planwerk ermöglicht hatte, gibt es nach Informationen der RP erhebliche Verstimmung über die Vorlage der Verwaltung. Fritz Otten, einer der beiden Vorsitzenden, betont, das Wichtigste sei, dass der Masterplan mit breiter Mehrheit verabschiedet werde und dass ein Beirat, dem der Verein, Vertreter der Parteien und die Verwaltung angehören, künftig die Arbeit des Masterplans fortführt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Masterplan: Gladbach soll grüner werden

(RP/ac)
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