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Mönchengladbach: Verstorbenen die Würde zurückgeben

Mönchengladbach : Verstorbenen die Würde zurückgeben

Zum Jahrestag des Kriegsendes vor 70 Jahren gedenken evangelische und katholische Christen der Zwangsarbeiter in der neu gestalteten Gedenkstätte auf dem städtischen Friedhof an der Preyerstraße.

Das orthodoxe Kreuz mit seinem markanten Querbalken erhebt sich dunkel in der Mitte der Gedenkstätte auf dem Städtischen Friedhof an der Preyerstraße in Rheydt. Davor liegt ein Blumengesteck, viele Grablichter brennen. Rings um das Kreuz finden sich 99 alte Grabplatten: sie tragen russische Namen. Iwan Petrovich steht da zum Beispiel und das Datum 4. April 1945.

An der Gedenkstätte für die sowjetischen Zwangsarbeiter, die in Mönchengladbach und Rheydt umgekommen sind, hat sich am Jahrestag des Kriegsendes eine kleine konfessionsübergreifende Gemeinde versammelt, um der Opfer zu gedenken. Die Anlage ist in den letzten Monaten auf Betreiben des Volksbundes deutsche Kriegsgräberfürsorge mit Bundesmitteln saniert worden.

Insgesamt habe es im Deutschen Reich während des Krieges 20 Millionen Menschen gegeben, die Zwangsarbeit leisten mussten, Zivilisten, Häftlinge und Kriegsgefangene, erklärt Bürgermeisterin Petra Heinen-Dauber, die als Vertreterin der Stadt bei der Gedenkfeier spricht. Im heutigen Mönchengladbach gab es vergleichsweise wenige, aber immer noch eine erschreckend große Zahl: 8500 zivile Zwangsarbeiter und 2500 Kriegsgefangene. Von ihnen sind 260 umgekommen und auf den Friedhöfen an der Preyerstraße und an der Viersener Straße beigesetzt worden.

Pfarrer Olaf Nöller, der gemeinsam mit seinem katholischen Kollegen Michael Schicks die Gedenkfeier organisiert hat, weiß aus der eigenen Familie um das Schicksal der Zwangsarbeiter. Seine Mutter habe ihm erzählt, berichtet der evangelische Pfarrer, dass in der großväterlichen Familie ein sowjetischer Zwangsarbeiter gelebt habe. "Er musste in der Waschküche wohnen, einem dunklen und feuchten Ort. Die Kinder der Familie durften nicht mit ihm reden und hatten Angst vor ihm", sagt Olaf Nöller. "Ich schäme mich heute dafür." Mit der wieder instandgesetzten Gedenkstätte werde den Verstorbenen die Würde zurückgegeben, erklärt Petra Heinen-Dauber.

Und der Vertreter des Volksbundes wünscht sich, dass möglichst viele junge Leute zu der Gedenkstätte kommen, und er ruft dazu auf, durch die Erinnerung auch Friedensarbeit für die Zukunft zu leisten.

(arie)