Mönchengladbach: Verkehrswende: Bündnis strebt keine Verbote an

Mönchengladbach : Verkehrswende: Bündnis strebt keine Verbote an

Man wolle den Gladbachern das Autofahren nicht verbieten, machte das neue Bündnis bei einem Vorstellabend deutlich. Ziel sei es vielmehr, die Stadt menschenfreundlicher zu gestalten als bisher.

Ständiger Stau auf Hauptverkehrsstraßen, zu lange Rotphasen für Fußgänger, schlecht asphaltierte Wege, zu viele Barrieren, die Radfahrern das Fahren erschweren, sowie schlechte Busverbindungen — alles Probleme, die das neu ins Leben gerufene Aktionsbündnis "Verkehrswende Mönchengladbach" lösen will. Daran beteiligt sind Vereine und Gruppierungen wie ADFC, VCD, Pro Bahn und die Transition- Town-Initiative.

Denn Gladbach zählt zu denjenigen Städten, in denen der Anteil des Autoverkehrs am gesamten Transportaufkommen ("Modal Split") am höchsten ist. Das soll sich zügig ändern. "Wir möchten für nachhaltige Mobilität sorgen. Die verschiedenen Verkehrsmittel — Auto, Fahrrad, Bahn und Bus — sollen gleichberechtigt nebeneinanderstehen", sagt Roland Stahl, Vorsitzender des Verkehrsclubs Deutschlands (VCD) in der Region Grenzland. "Mönchengladbach soll von einer autofreundlichen zu einer menschenfreundlicheren Stadt verändert werden."

Diese nachhaltige Mobilität könne nur erreicht werden, wenn der Modal Split in der Stadt von seiner Autolastigkeit (62 Prozent) befreit wird. Angestrebt werden etwa eine Steigerung des Radverkehrs von sechs auf zwölf Prozent und eine Verbesserung ÖPNV; Letzteres durch eine Überarbeitung des uralten Busliniennetzes, die auf Veränderungen in der Wohn- und Siedlungsstruktur basieren soll. Ebenso könnten durch bessere Taktungen der Buslinien am Abend und an den Wochenenden mehr Bürger dazu bewegt werden, den Bus anstelle des Autos zu nutzen.

Vor allem liegt dem neuen Bündnis das Wohl der Fußgänger am Herzen. "Wir brauchen eine fußgängerfreundlichere Stadtgestaltung. Außerdem müssen die Schulwege gesichert werden, damit weniger Kinder mit dem Auto zur Schule gebracht werden", sagt Walter Jost von der Initiative Transition Town. Der Europaplatz ist für die Probleme ein gutes Beispiel. An den Ampeln warten Fußgänger bis zu 90 Sekunden, um die Straße zu überqueren. Busse stauen sich, und Fahrradfahrer haben nahezu keine Möglichkeit, um ihr Fahrrad abzustellen. "Es ist gar nicht so schwer, den Radverkehr in der Stadt zu fördern", sagt Norbert Krause, Erfinder der Aktion "200 Tage Fahrradstadt". Wichtig sei, das Radwegnetz aus- und Barrieren abzubauen, damit weniger Unfälle passieren. Außerdem sei die Schaffung von Fahrradmagistralen abseits der Vorrangstraßen nötig.

Doch bei einer Diskussionsrunde zum Thema Verkehrswende, an der auch interessierte Bürger teilnahmen, wurde schnell deutlich: Die Meinungen gehen auseinander. Die einen fühlen sich als Pkw-Fahrer ausgegrenzt, da sie nicht auf das Auto verzichten möchten — wenn etwa zu weit entfernte Einkaufszentren die Anreise mit dem Bus beschwerlich machen. Andere wollen leichter und schneller die Straßen überqueren und ihre Kinder wieder allein zur Schule gehen lassen.

"Es ist nicht unser Wille, den Autofahrern das Fahren zu verbieten — wir wollen nur darauf hinweisen, dass man manchmal gut auf das Auto verzichten kann", sagt Detlef Neuß, Sprecher des Fahrgastverbands Pro Bahn.

Damit das Aktionsbündnis die angesprochenen Veränderungen erreichen kann, wird um die aktive Mitarbeit der Bürger gebeten. Jeder, der Interesse hat, kann Vorschläge und Ideen für ein nachhaltiges Verkehrskonzept mit einfließen lassen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.verkehrswende-mg.de.

(kafu)
Mehr von RP ONLINE