Mönchengladbach: Verdienstkreuz für Gülistan Yüksel

Mönchengladbach: Verdienstkreuz für Gülistan Yüksel

Bundespräsident Horst Köhler hat der Vorsitzenden des Integrationsrates, Gülistan Yüksel, gestern in Berlin das Bundesverdienstkreuz verliehen. „Es war nicht immer einfach für mich“, sagte sie ihm unter vier Augen.

Gülistan Yüksel (45) hielt das blaue Kästchen mit dem rot-goldenen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland aufgewühlt und tief gerührt in der Hand. Sie stand mitten im großen Festsaal von Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin. In Sichtweise prostete Horst Köhler gerade den Bürgern zu, die er für ihre besonderen Verdienste ausgezeichnet hatte. Insgesamt 23. „Ich weiß immer noch nicht, wie ich zu dieser Ehre komme – wer mich dafür vorgeschlagen hat“, sagte Yüksel. Demjenigen wollte sie aber ganz herzlich danken.

Interkulturelles Straßenfest

Minuten zuvor hatte Köhler Gülistan Yüksel seinen Dank ausgesprochen. Dafür, dass sie sich seit 1997 für die Integration der in Mönchengladbach lebenden Migranten engagiert und dass sie dabei so viel Wert auf die schulischen Leistungen der Kinder lege. Außerdem „hat sie es geschafft, das jährlich stattfindende, interkulturelle Straßenfest zu einer attraktiven Veranstaltung zu machen“, wurde im Saal verlesen, während Yüksel über den dicken Teppich zu Köhler schritt. Der schüttelte ihr in seiner gewohnt herzlichen Art und neben Gattin Eva-Luise die Hand. In der weiteren Belobigung hörten beide mit an, wie sich Yüksel kommunalpolitisch engagiert, dass sie seit 2000 Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Migrantenvertretungen ist und seit 2002 eine multi-kulturelle Karnevalssitzung für Schüler organisiert, um deren Berührungsängste abzubauen. Im Blitzlichtgewitter der Fotografen überreichte der Bundespräsident der zweifachen Mutter Urkunde und Verdienstkreuz.

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Yüksels Mann Hyseyin, Sohn Fehmi (21) und Tochter Canan (16) saßen in der ersten Reihe und durften stolz sein. Sie beobachteten wie alle anderen Festgäste mit Verwunderung, dass die Köhlers und Gülistan Yüksel auf der Bühne noch eine Weile plauderten. „Er hat mir erzählt, dass er das Thema Integration im nächsten Jahr auf die Agenda setzen will“, erzählte die gebürtige Türkin, die den Bundespräsidenten das erste Mal leibhaftig erlebte, später. Und: „Er ist genau so sympathisch wie im Fernsehen.“ Köhler fragte auch, mit wem sie kooperiere und wie die Arbeit laufe. „Es war nicht immer einfach für mich“, sagte sie ihm. Aber erst recht jetzt, als Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, werde sie sich nicht entmutigen lassen. In seiner Rede hatte Köhler allen Gästen, die sich für eine gute Sache engagieren, besonderen Mut gemacht. „Tragen Sie diesen Orden mit Freude und Stolz“, sagte er. Er sei ein Zeichen dafür, wie beglückend es ist, sich dauerhaft zu engagieren.

Yüksel stand am Ende so sehr im Medieninteresse wie kein anderer Gast. Das türkische Fernsehen TRT war gekommen, stellte sie vor die deutsche Flagge und führte ein langes Interview. Auch die türkische Tageszeitung Hürriyet war da, und ihnen allen erklärte sie in ihrer Muttersprache die Rührung an diesem Tag, wie aufgeregt sie war, dass sie sich bei ihrer Familie bedanke, die „vieles wegstecken musste“, aber auch bei jedem Gladbacher, der sie unterstützt habe.

(RP)
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