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Verbraucherschutz in Mönchengladbach: Wenn ein Klick die Wohnung kostet

Kolumne Der Verbraucherschützer : Wenn ein Klick die Wohnung kostet

Unser Autor schildert einen Fall aus seiner Verbraucherberatung, in dem eine Jugendliche unwissentlich im Netz Verträge abschloss – und Jahre später keine Wohnung mehr bekommt.

Jasmin (Name geändert) war 16 Jahre alt, als sie bei einem großen deutschen Internetprovider ein E-Mail-Konto eröffnete. Sechs Jahre später bekommt sie keine Wohnung und hat einen Schufa-Eintrag. Wie ist es dazu gekommen?

Bei einigen deutschen E-Mail-Anbietern werden beim Login immer wieder mal Werbeseiten zwischengeschaltet, auf denen verschiedene Online-Dienste beworben werden. Mit nur einem einzigen Klick lässt sich da ein ganzes Bündel an Verträgen abschließen. Das Problem: Viele Verbraucher, in der Vergangenheit unter anderem Kunden von GMX und web.de, merken es häufig gar nicht, dass sie soeben mehrere kostenpflichtige Abos gebucht haben. Die Erfahrung zeigt, dass die Gestaltung der Seiten die Nutzer häufig in eine Klickfalle tappen lässt. Wer auf diesen Seiten nach seinem gewohnten Muster geklickt hat, wie er es etwa vom Login zu seinem E-Mail-Postfach kannte, lag manchmal ziemlich daneben. Denn wenn er nicht aufgepasst hatte, war der Button anders beschriftet als erwartet und führte zu einem oder mehreren kostenpflichtigen Abos statt zum E-Mail-Postfach.

Einen ähnlichen Sachverhalt schilderte auch Jasmin, als sie dieses Jahr zu uns in die Verbraucherberatung in Rheydt an der Bahnhofstraße kam. Als junge Erwachsene bekam sie auf einmal Mahnungen für ein sogenanntes „Premium-Konto“. Diese E-Mails ignorierte sie zunächst, da sie ja gar keinen Vertrag willentlich abgeschlossen hatte. Weil sie auf die anfänglichen Mahnungen nicht reagierte, landeten schließlich auch Inkassoschreiben in ihrem Briefkasten. Sie schämte sich und konnte die Forderungen nicht begleichen, da sie noch in der Ausbildung war.

Geschäftlich eher unerfahren und vom Inkassoverfahren eingeschüchtert, steckte sie den Kopf in den Sand. Mittlerweile ist die Forderung tituliert und nach Mahn- und Vollstreckungsbescheid hat Jasmin bereits die Eidesstattliche Versicherung (Vermögensauskunft) abgegeben. Weitere Schulden hat sie nicht. Doch trotz ihres jungen Alters und eines Jobs hat sie jetzt einen Schufa-Eintrag und findet keine Wohnung mehr. Sie wohnt bei ihrer Mutter.

Im Beratungsalltag erleben wir immer wieder, dass auch unberechtigte oder streitige Forderungen an Inkassobüros abgegeben werden. Wer sich dann nicht wehrt oder Fristen versäumt, dem drohen Mahnungen, Titulierung, Zwangsvollstreckung und Schufa-Eintrag. Dies wiederum schadet nachhaltig der „Bonität“ und damit der Teilnahme am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben.

Der Ursprung solcher unberechtigten Forderungen kann vielfältig sein – von untergeschobenen Verträgen im Handyshop über Gewinnspiele am Telefon bis zur Abzocke im Internet. Treffen kann es fast jeden. Doch was kann man tun? Das Wichtigste: Schnell sein, reagieren und schriftlich und nachvollziehbar widersprechen. Wer den Sachverhalt in kurzer Zeit nicht selbst auflösen kann, sollte sich zudem rechtlichen Rat holen, denn sonst droht die Schulden- und Inkassospirale.

Jasmin hat mittlerweile auf ihrem Laptop ein E-Mail-Programm eingerichtet. Statt über den Browser die Nachrichten abzurufen, kommt sie jetzt ohne Umwege an ihre Mails und die zwischengeschalteten Werbeseiten tauchen auch nicht mehr auf.

Der Autor ist Rechtsanwalt und Leiter der Verbraucherberatung Mönchengladbach.