Mönchengladbach Vater schlägt Polizisten vor Grundschule

Mönchengladbach · Er sollte nur sein Auto aus der Halteverbotzone wegsetzen. Da rastete der 33-jährige Fahrer aus. Er schlug den Beamten und versuchte ihn zu würgen. Die Schüler der Grundschule Lochnerallee und ihre Eltern sahen alles mit an.

 Am Mittag, als der Unterricht beendet war, hatten Eltern und Schüler reichlich Gesprächsstoff. Kurz nach 8 Uhr war es in der Halteverbotzone vor der Gemeinschaftsgrundschule an der Lochnerallee zu einem Handgemenge gekommen.

Am Mittag, als der Unterricht beendet war, hatten Eltern und Schüler reichlich Gesprächsstoff. Kurz nach 8 Uhr war es in der Halteverbotzone vor der Gemeinschaftsgrundschule an der Lochnerallee zu einem Handgemenge gekommen.

Foto: Detlef Ilgner

Am Donnerstagmorgen um 8 Uhr war die Welt auf der Lochnerallee in Windberg noch in Ordnung. Wenige Minuten später spielten sich unmittelbar vor der Gemeinschaftsgrundschule Szenen ab, die man sonst allenfalls im Kino sieht. Wie die Polizei mitteilt, hat sich Folgendes zugetragen: Der für Windberg zuständige Bezirkspolizist versah — so wie es seine Kollegen überall in der Stadt zum Schulanfang tun — seinen Dienst vor der Grundschule. Seine Aufgabe: die Sicherung der Kinder, vor allem der Schulneulinge.

Auf dem als Halteverbotzone ausgewiesenen Streifen vor dem Gelände hielt wenige Minuten nach 8 Uhr unmittelbar vor dem Polizisten ein Auto an. Eine Frau stieg aus, um ihren Sohn ins Schulgebäude zu bringen. Der Beamte wies sie darauf hin, dass das Auto an dieser Stelle nicht stehen darf, und er zog sein Handy aus der Tasche, um ein Foto zu machen.

Daraufhin sei der Mann, der bis dahin am Steuer des Wagens gesessen hatte, aus dem Auto gestürmt und habe dem Polizisten das Handy aus der Hand und anschließend die Mütze vom Kopf geschlagen. "Du schreibst mich nicht auf", habe er dabei geschrien. Und dann soll er noch versucht haben, den Beamten zu würgen. Den Angriff konnte dieser aber abwehren. "Der Kollege hat glücklicherweise nur ein paar Kratzer abbekommen", sagt Jürgen Lützen, Sprecher der Polizei. "Die Attacke muss er allerdings erst mal verarbeiten — mit so etwas rechnet man ja nicht."

Die herbeigerufenen Kollegen reagierten sofort. Eine Augenzeugin berichtet: "Da kamen sechs, acht Polizeiautos mit Sirenengeheul und Blaulicht aus allen Richtungen — auch gegen die Einbahnstraße." Inzwischen saß der Mann wieder im Auto. "Wegfahren konnte er nicht, der war von allen Seiten umzingelt." Die Beamten forderten den Mann auf, sein Fahrzeug zu verlassen. Als er auch nach mehrmaligen Wiederholungen keine Folge leistete, holten sie ihn heraus. "Sie hielten ihn im Polizeigriff fest. Der Mann hat die ganze Zeit tierisch geschrien", so die Augenzeugin.

Inzwischen hatten sich Menschentrauben rund um die aufregende Szene gebildet. Schulleiterin Xenia Schöpke schritt ein. "Ich wurde aus meinem Büro gerufen, wusste im Moment gar nicht, was da los war." Sie und ihre Kolleginnen brachten die Kinder ins Schulgebäude. "Dann habe ich auch die Frau aus dem Auto geholt und sie in die Schule begleitet." Zu der Zeit saßen noch zwei kleine Kinder auf dem Rücksitz des Wagens. "Die mussten das alles mit ansehen", sagt Xenia Schöpke.

Bis zum Mittag kümmerte sich die Schulleiterin um die verzweifelte Mutter. "Ich habe die Eltern als nette und freundliche Menschen kennengelernt", sagt Xenia Schöpke. "Ich weiß nicht, warum die Situation so eskalierte." Natürlich hatten, so kurz vor Schulbeginn viele Erwachsene und auch Schüler den aufwühlenden Vorgang beobachtet. Aufgebrachte Mütter und Väter fragten nach, was denn da vorgefallen sei, die Kinder waren verstört. "Deshalb habe ich sofort einen Brief an die Eltern aufgesetzt, den die Kinder schon mittags mit nach Hause nahmen", sagt die Schulleiterin. Die Kolleginnen beruhigten die Schüler in den Klassenräumen. "Mir tut die Familie wirklich leid. Schrecklich, was da passiert ist."

Der 33-jährige Mann wurde am Donnerstag im Polizeipräsidium vernommen. Ihn erwartet ein Strafverfahren wegen Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.

(RP)
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