Thomas Blockhaus: "Unterwerfung" ist eine Herausforderung

Thomas Blockhaus: "Unterwerfung" ist eine Herausforderung

Am Sonntag ist Premiere. Schauspieldramaturg Thomas Blockhaus hat den Roman des Autors Michel Houellebecq für das Theater bearbeitet.

Gemeinsam mit seinem Dramaturgiekollegen Martin Vöhringer und Regisseur Matthias Gehrt ging er vor Monaten auf die Suche nach einem geeigneten Stoff für ein Folgeprojekt von "Kein schöner Land", das vor gut einem Jahr am Gemeinschaftstheater uraufgeführt wurde. Im Interview erzählt Blockhaus von schlaflosen Nächten und französischen Chansons. Auch davon, warum in "Unterwerfung" der Chor eine große Rolle spielt.

Warum braucht das Gemeinschaftstheater eine eigene Bühnenfassung?

Thomas Blockhaus Es gibt keine von Michel Houellebecq autorisierte Dramatisierung. Jedes Theater muss sich seinen eigenen Zugang erarbeiten. Der Autor vertraut dem Kern seines Werks und will nichts vorgeben. Glücklicherweise, denn für mich war und ist es ein reizvolles Freispiel voller Herausforderungen.

Wie haben Sie angefangen?

Blockhaus Ich habe zuerst eine Kurzfassung erarbeitet. Der Roman hat für einen Theaterabend viel zu viel Material - man muss sich entscheiden, was man weglässt. Der Filter, den man über den Inhalt legt, wird bei jedem Kürzungsvorgang immer feiner - das ist manchmal ein ziemlich mühsamer und schmerzhafter Prozess, der mir auch schon mal schlaflose Nächte bereitet hat.

Brauchen Sie eine bestimmte Umgebung zum Schreiben?

Blockhaus Eine Bühnenfassung schreiben, ist wie Komponieren. Das geht für mich nur, wenn ich Ruhe habe, deshalb arbeite ich vor allem abends und nachts.

Haben Sie Inszenierungen an anderen Theatern gesehen, um sich zu informieren, wie Ihre Kollegen mit dem Thema umgehen?

Blockhaus Ich habe "Unterwerfung" unter anderem am Deutschen Schauspielhaus Hamburg als Monolog mit Edgar Selge gesehen. Die konzeptionellen Ansätze sind sehr unterschiedlich. Jede Fassung ringt dem Werk einen anderen Aspekt ab. Auch für uns stellte sich die Frage: Was ist uns wichtig. Und dann: Wie machen wir das?

Und? Wie machen Sie es?

Blockhaus Wir sehen "Unterwerfung" als Folgeprojekt von "Kein schöner Land" mit der Fragestellung "Was passiert in einer Gesellschaft durch die Ankunft von Flüchtlingen? Was verändert das im Selbstverständnis des einzelnen und im Umgang miteinander?" Für "Unterwerfung" mussten wir uns entscheiden, was wir aus "Kein schöner Land" konzeptionell übernehmen wollen. Wichtig war uns, die chorische Form des Erzählens beizubehalten. Wir haben ein maßgeschneidertes Konzept für dieses Theater, für diesen Regisseur und dieses Ensemble erarbeitet.

  • Mönchengladbach : Publikumsgespräche im Theater nach "Unterwerfung"

Apropos Chor...

Blockhaus Es ist der Chor, der auch bei "Kein schöner Land" am Start war. Die Schauspieler sollen zunächst wie Menschen aus der Stadt wirken, die sich zum Singen treffen. In "Unterwerfung" wird dieser Chor zu Beginn mit dem Roman konfrontiert und muss sich dazu verhalten. Das ist der Einstieg. Jeder Chorsänger verwandelt sich dann in einen von acht potenziellen François', der Hauptfigur der Geschichte.

Warum verteilen Sie die Rolle des François auf acht Schauspieler?

Blockhaus Das hat den Vorteil, dass wir unterschiedliche Aspekte der Figur und ihr mehrere Stimmen geben können. Und dass wir bestimmte Inhalte deutlicher hervorheben können. Für die Schauspieler ist das Stück eine Herausforderung, weil es eine epische Erzählweise mit einem klassischen Ich-Erzähler, François, ist. Die Figur hat Ecken und Kanten, aber auch etwas sehr Charmantes.

Kommen alle Charaktere des Romans auf die Bühne?

Blockhaus Nein, nur etwa die Hälfte. Eine Figur habe ich erfunden: Marie, eine junge, sehr moderne Muslima. Wir setzen sie wie eine Art Zeremonienmeisterin ein, die durch das Stück führt.

Welche Rolle spielt die Musik?

Blockhaus Die Musik ist ein Bindeglied zwischen Bühne und Zuschauer. Ich habe Chansons von Gilbert Bécaud und Jacques Brel, eingebaut, die unser musikalischer Leiter Jochen Kilian mit den Schauspielern einstudiert. Durch die Lieder wird der gesprochene Text musikalisch gespiegelt, und der Abend wird deutlich unterhaltsamer.

DAS INTERVIEW FÜHRTE LISA SCHMITZ.

Hinweis: Morgen wird das Stück um 11.15 Uhr im Theatercafé Linol vorgestellt. Ab 10 Uhr können die Besucher frühstücken. Der Eintritt für die Matinee beträgt 4 Euro (ohne Frühstück). Karten gibt's an der Theaterkasse unter 02166 6151-100 und online www.theater-kr-mg.de

(RP)
Mehr von RP ONLINE