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Mönchengladbach: Unterschätzte Gefahr: Gasleitungen in leerstehenden Häusern

Mönchengladbach : Unterschätzte Gefahr: Gasleitungen in leerstehenden Häusern

Am Sonntagabend hätten Unbekannte an der Waldhausener Straße beinahe eine Explosion ausgelöst. Kein Einzelfall, warnen jetzt Experten.

Im HQ ist es schon passiert, in Eicken auch: Metalldiebe machten sich in leerstehenden Immobilien an Gasleitungen zu schaffen und lösten dabei beinahe eine Katastrophe aus. Das sagt Detlef Poullie, Installateur in Mönchengladbach und Dozent bei der Handwerkskammer Düsseldorf.

Das Problem gibt es auch in anderen Städten: Trotz Leerstands lassen viele Hausbesitzer das Gas nicht durch den Versorger abstellen. Werden die Leitungen angesägt, könne das ausströmende Gas zusammen mit der Luft einen explosives Mix bilden. "Selbst in einem Gaszähler befindet sich noch ein halber Putzeimer voll zündfähigem Gasgemisch", sagt der Experte. So setzten Metalldiebe nicht nur sich, sondern auch ihre Umgebung einer großen Gefahr aus.

Ähnliches ist auch am Sonntagabend in einem leerstehenden Haus an der Waldhausener Straße geschehen. Wäre es zu einer Explosion gekommen, wäre der Immobilienbesitzer regresspflichtig gewesen, sagt Poullie, "die Verkehrssicherungspflicht liegt nämlich bei ihm". Was viele nicht wüssten: "Seit 2008 müssen Gasanschlüsse alle zwölf Jahre auf ihre Gebrauchsfähigkeit überprüft werden", sagt der Dozent. Gebe es Roststellen an der Leitung, würden sie als nicht mehr gebrauchsfähig gelten.

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Um sich vor Unfällen oder Manipulationen zu schützen, rät Poullie zum Einbau eines so genannten Gasströmungswächters. Der sei seit 2003 bei Neubauten schon Pflicht. Das Bauteil unterbricht den Gasdurchlauf selbstständig, wenn die Leitung vorsätzlich oder versehentlich beschädigt wird. Poullie ist sich sicher: "Wäre in dem Haus am Siepensteg ein Gasströmungswächter eingebaut gewesen, wäre es im Jahr 2008 nicht explodiert. Und dann hätte es auch keinen Toten gegeben."

Die Entwicklungsgesellschaft Mönchengladbach (EWMG) hat übrigens Interesse, das leerstehende Haus an der oberen Waldhausener Straße zu kaufen. "Wir sind in Verhandlungen und führen Gespräche mit dem Besitzer. Allerdings gehen unsere Preisvorstellungen noch auseinander", sagte gestern Dr. Ulrich Schückhaus, Vorsitzender der Geschäftsführung der EWMG. Die Gesellschaft hat bereits häufiger Häuser auf der Waldhausener Straße gekauft, um Einfluss auf die weitere Entwicklung nehmen zu können. Ein Kauf des leerstehenden Hauses sei auch deshalb interessant, weil auch das unmittelbar benachbarte Gebäude im Besitz der EWMG ist, so Schückhaus.

(RP)