Mönchengladbach: Unternehmerin mit Herz für ihre Heimat

Mönchengladbach : Unternehmerin mit Herz für ihre Heimat

Als Renate Schaffrath ihre Reinigungsfirma gründete, hatte sie zwei Mitarbeiter. Heute sind es 500. Auf dem Weg dorthin griff sie selbst zum Schrubber. Auch in ihrer Heimatstadt packt sie an – und rettete jüngst die Seelöwe-Sitzung.

Als Renate Schaffrath ihre Reinigungsfirma gründete, hatte sie zwei Mitarbeiter. Heute sind es 500. Auf dem Weg dorthin griff sie selbst zum Schrubber. Auch in ihrer Heimatstadt packt sie an — und rettete jüngst die Seelöwe-Sitzung.

Wer Unternehmergattinnen für ähnlich überkandidelt hält wie es das Klischee Spielerfrauen von Bundesliga-Kickern zuschreibt, hat Renate Schaffrath noch nicht kennengelernt. Die Frau des großen Möbel-Unternehmers Friedhelm Schaffrath muss selbstironisch lächeln, wenn sie an die Anfänge ihrer Reinigungsfirma GTS denkt. "Da wurde ich abends bei Empfängen als Frau Schaffrath hofiert. Und hatte morgens um drei in einer Baustelle in ganz anderem Outfit gestanden und geschrubbt." Mit zwei Mitarbeitern fing sie an und bot Glas- und Teppichreinigung an, weil sie sich von Hause aus in der Möbelbranche am besten auskannte. Doch sie wollte mehr. "Also habe ich mir die Gummistiefel angezogen und bin quer durch Nordrhein-Westfalen gefahren, um auf Baustellen die Schlussreinigung anzubieten", erzählt sie. Oft musste sie selbst mit ran. "Was ich dabei gelernt habe, hilft mir noch heute."

Sie hat offensichtlich viel gelernt damals. Denn in den 20 Jahren, die es das Unternehmen nunmehr gibt, sind aus zwei Mitarbeitern über 500 geworden. GTS, deren Alleingesellschafterin und Geschäftsführerin Renate Schaffrath ist, bietet seine Dienstleistung in acht Bundesländern an. Besonders kompliziert zu reinigen — wie die Glaskuppel der Stadtsparkasse an der Bismarckstraße — oder groß wie viele Handels- und Großprojekte mit mehr als 30 000 Quadratmetern sind viele der Objekte, die das Mönchengladbacher Unternehmen betreut. Neben großen Einzelhändlern gehören Banken, Versicherungen, Hotels und Altenheime zu den Stammkunden.

Gerade erst hat GTS eine schicke, neue Unternehmenszentrale mit über 1100 Quadratmetern Büro- und Lagerfläche an der Ückelhofer Straße gebaut, von der aus das Geschäft in ganz Deutschland gesteuert wird. Hier sitzt auch das Callcenter für die Kunden. Und hier wird am Donnerstag das 20-jährige Bestehen der Firma groß gefeiert.

GTS ist von Umsatz und Mitarbeiterzahl einer der führenden Gebäudedienstleister der Region — und das in einem stark umkämpften Markt. "Wir wollen und können nicht immer die günstigsten sein. Aber wir wollen diejenigen mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis sein", sagt Renate Schaffrath. Sauberkeit sei eine Visitenkarte für ein Unternehmen. Die Kunden zu beraten, wie sie so kostengünstig wie möglich wirklich saubere Büroräume bekommen, ist GTS ein besonderes Anliegen. "Wir machen von uns aus Vorschläge, wie oft was gereinigt werden sollte und wo es Einsparpotenzial gibt", sagt Geschäftsführer Andreas Bohlscheid.

Dass bei der politischen Diskussion um den Mindestlohn gerne Reinigungskräfte als Beispiel genannt werden, ärgert Bohlscheid. "Wir zahlen seit Jahren deutlich höhere Löhne als den inzwischen beschlossenen Mindestlohn. Anders würden wir gar nicht die qualifizierten Mitarbeiter bekommen, die wir brauchen", sagt der Geschäftsführer. Schulungsräume machen einen nicht unerheblichen Teil der Bürofläche in der neuen Firmenzentrale aus. "Wir bilden unsere Mitarbeiter regelmäßig weiter", so Renate Schaffrath. Das Geschäft entwickele sich ständig. Reinigungsmittel und Maschinen auf dem Markt seien heute erheblich besser als in den Zeiten der Unternehmensgründung.

Dass der Neubau in Mönchengladbach stehen sollte, war für Renate Schaffrath trotz des deutschlandweiten Engagements unumstößlich. "Hier sind unsere Wurzeln. Das ist unsere Heimat", sagt sie. Unternehmertun bedeute auch Verantwortung. Als die Seelöwe-Karnevalssitzung auszufallen drohte, weil sich der langjährige Sponsor Real kurzfristig zurückzog, sprang im Januar kurzfristig GTS ein. "So etwas sind wir der Stadt, in der wir leben, schuldig", sagt Renate Schaffrath. Karnevals-Boss Bernd Gothe war begeistert von der spontanen Hilfe: "Ich würde mir wünschen, wir hätten mehr so beherzte Unternehmer, die sich uneigennützig für ihre Stadt einsetzen", sagt er.

Die Schaffrath Stiftung für Soziales, deren Vorsitzende Renate Schaffrath ist, hat in den fünf Jahren seit ihrer Gründung mehr als 250 000 Euro ausgeschüttet. Die Bewerbungen prüft Renate Schaffrath persönlich und vor Ort. "Mir ist sehr wichtig, dass das Geld Benachteiligten unmittelbar zugutekommt. Dafür, dass das Personal eine schickere Küche bekommt, gibt es aus unseren Töpfen kein Geld."

Wer durch die Räume des GTS-Neubaus geht, sieht noch das eine oder andere leere Büro. "Wir haben so geplant, dass wir weiter wachsen können. Und das werden wir", sagt Renate Schaffrath. Dass sie dabei in vorderster Front selbst anpacken wird, wird niemand, der sie kennt, bezweifeln.

(RP)