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Mönchengladbach: Unternehmen diskutieren mit EU-Vertretern über Zukunft Europas

Mönchengladbach : Unternehmen diskutieren mit EU-Vertretern über Zukunft Europas

Die Europäische Union treibt seit Jahren von einer Krise zur nächsten. Nach der Griechenlandkrise und dem Austritt Großbritanniens ist nun Italien mit seiner neuen Regierung der jüngste Kandidat mit nationalistischen Tendenzen. Unternehmen am Niederrhein und in Mönchengladbach beobachten diese Tendenzen mit großer Sorge, denn die heimische Wirtschaft ist traditionell exportstark. Die Frage, die sich Politik und Wirtschaft zwischen Brexit und Aufbruch stellen, lautet, wohin der Weg Europa führt. Die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein (IHK) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatten daher Unternehmer aus der Region zur DIHK-Roadshow eingeladen. "Aus Sicht der Wirtschaft ist die Union ein Erfolgsprojekt", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz zur Begrüßung. "Insbesondere die Unternehmen am Mittleren Niederrhein profitieren enorm vom europäischen Binnenmarkt ohne Grenzen."

Elmar Brok, Mitglied des Europäischen Parlaments, pflichtete Steinmetz bei, betonte aber auch, dass die EU vor großen Herausforderungen stehe: "Angesichts von Terror, Migration und zunehmenden internationalen Konflikten und Kriegen flüchten sich die Menschen ins Nationale. Das ist der falsche Weg." All diese Probleme seien nicht auf nationalstaatlicher, sondern auf europäischer Ebene zu lösen. Brok plädierte für eine Vertiefung der europäischen Union. Die europäische Wirtschafts- und Währungsunion müsse krisenfest gemacht werden, forderte der EU-Parlamentarier: "Wir brauchen einen Fonds, um frühzeitig auf Krisen reagieren zu können." Die Deutschen seien keinesfalls Zahlmeister der EU, betonte Brok: "In den vergangenen drei Jahren haben wir jährlich 13 Milliarden Euro netto eingezahlt, das entspricht etwa einem Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts oder einem Drittel unseres Verteidigungshaushalts. Gleichzeitig haben wir einen Exportüberschuss von 180 Milliarden Euro beim Handel mit unseren EU-Partnern erzielt." Die Mitgliedschaft in der EU sei das beste Geschäft der deutschen Geschichte.

In der anschließenden Diskussion warnte IHK-Vizepräsident Erich Bröker vor einer Haftungsgemeinschaft und davor, das Budget-Recht der Mitgliedsstaaten anzugreifen: "Das birgt Sprengstoff und würde die Gemeinschaft noch weiter spalten." Bröker empfahl, sich zunächst darauf zu konzentrieren, naheliegende Probleme wie zum Beispiel die Sicherung der Außengrenzen gemeinsam zu lösen. Vincent Muller, Generalkonsul Frankreichs, wünschte sich mehr europäische Souveränität und plädierte für ein starkes Europa: "Wenn die europäischen Strukturen nicht in der Lage sind, die aktuellen Probleme zu lösen, dann brauchen wir neue Strukturen und Werkzeuge."

(angr)