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Mönchengladbach: Unfallzahlen auf historischem Tiefstand

Mönchengladbach : Unfallzahlen auf historischem Tiefstand

8740 Verkehrsunfälle wurden im vergangenen Jahr von der Polizei aufgenommen. Das bedeutet zwar, dass es im Schnitt täglich 24-mal auf den Straßen der Stadt zu Crashs kam. Dennoch gab es seit 2009 noch nie so wenig Unfälle.

Polizeipräsident Hans-Hermann Tirre mochte am Montag bei der Verkündung der Unfallstatistik seine Freude nicht verhehlen: "Die Sicherheit auf den Straßen in Mönchengladbach war noch nie so hoch wie jetzt." In einigen Bereichen könne man sogar von historischen Tiefs bei den Unfallzahlen sprechen. So gebe es nicht nur einen Rückgang bei den Unglücken insgesamt, hier sanken die Zahlen von 9271 in 2012 auf 8740 in 2013, es gab auch weniger Unfälle mit Kindern im Straßenverkehr.

Kinder- und Seniorenunfälle: Im Jahr 2003 hatte Mönchengladbach mit 270 Kinderunfällen noch an der traurigen Spitze in NRW gelegen. Jetzt, zehn Jahre später, liegt die Zahl bei 90. Und nur bei 19 Unglücken sei die Ursache auf ein Fehlverhalten der Kinder zurückzuführen. Polizeioberrat Jörg Malejka führt das auch auf die Präventionsarbeit zurück. Kindergartenkinder, Schüler und junge Erwachsene würden regelmäßig theoretisch und praktisch geschult.

Dass sich die Polizei im kommenden Jahr vor allem der Gruppe der Senioren widmen will, hat einen besonderen Grund: Wurden in 2012 noch 134 Senioren bei Verkehrsunfällen verletzt, waren es im vergangenen Jahr 152. Die meisten erlitten zum Glück nur leichte Verletzungen.

Unfalltote: Drei Menschen wurden in 2013 bei Unfällen getötet. Alle waren über 65 Jahre alt. Am 26. Februar starb eine 80-jährige Fußgängerin an ihren schweren Kopfverletzungen. Ein 79-jähriger Autofahrer hatte sie beim Linksabbiegen von der Monschauer Straße in die Bahnstraße übersehen. Am 15. März erfasste ein 37-jähriger Autofahrer einen 77-jährigen Fußgänger auf einer Landstraße. Der Fußgänger starb trotz Reanimation noch am Unfallort. Und am 1. Mai missachtete ein Autofahrer die Vorfahrt eines 72-Jährigen, der auf einem Elektrofahrrad unterwegs war. Einen Tag später erlag der 72-Jährige seinen schweren Kopfverletzungen.

Zwar seien Senioren gemessen an ihrem Anteil an der Bevölkerung nicht übermäßig gefährdet, so Malejka. Jedoch seien die Folgen bei Unfällen mit älteren Menschen oft gravierender. Die Polizei bietet schon spezielle Verkehrsübungen für Senioren an, wie beispielsweise das Rollatortraining. Doch hier soll die Präventionsarbeit weiter ausgebaut werden. Heute wird zum Beispiel die Hochschule Niederrhein für Senioren eine Musterkollektion vorstellen, die sowohl im Dunkeln auffällt und mehr Sicherheit im Straßenverkehr bietet, als auch gerne im Alltag getragen wird.

190 Menschen schwer verletzt

Schwerverletzte: In 2013 wurden 190 Menschen schwer verletzt. Insgesamt kamen 1042 Menschen zu schaden. Die Zahl der Schwerverletzten sinkt zwar seit 2011 wieder, dennoch sind die Zahlen von 2009 noch nicht wieder erreicht. Für die Polizei ist das ein Indiz dafür, dass immer noch zu schnell gefahren wird. Physikalisch lasse sich das leicht erklären, sagt Malejka. Je höher die Geschwindigkeit, desto stärker sind die Folgen bei einem Unfall. Dabei sei das Geschwindigkeitskontrollnetz so dicht wie noch nie. Polizei und Stadt schafften sich je einen dritten Radarwagen an, dazu kommen die stationären Überwachungsanlagen und die Laserkontrollen.

Doch obwohl die Geschwindigkeitsüberprüfungen angekündigt werden, werden immer wieder etliche Raser erwischt. Sogar "Rekordhalter" seien oft dabei, wie Tirre sagt. Mancher mag genervt sein von den vielen "Knöllchen-Fallen", anderen ist das Kontrollnetz immer noch zu weitmaschig. "Wir bekommen oft Anregungen von Bürgern, wo wir Geschwindigkeiten messen sollen, weil dort immer viel zu schnell gefahren werde", berichtet Malejka. Und: "Einige werfen uns auch vor, dass wir unsere Kontrollen ankündigen. Das sei kontraproduktiv, sagen sie."

Hälfte aller Unfälle beim Abbiegen

Hauptunfallursache: Doch nicht zu schnelles Fahren ist Hauptunfallursache, sondern Fehler beim Abbiegen und Wenden. Ungefähr die Hälfte aller Unfälle, die auf Hauptursachen zurückzuführen sind, geschehen bei Abbiegefehlern. Damit liegt Mönchengladbach über dem Landesdurchschnitt. Laut Malejka ist dies ein städtisches Problem. Das wolle man nun noch stärker unter die Lupe nehmen. Neben Aufklärung und Sensibilisierung der Kraftfahrer soll nun auch verstärkt geprüft werden, ob Beschilderungen oder bauliche Veränderungen an bestimmten Stellen eine Lösung sein könnten.

Unfallfluchten: Die Zahl der Unfälle, bei denen die Verursacher anschließend flüchten, bleibt unverändert hoch. Jeder fünfte Autofahrer macht sich nach einem Crash auf dem Staub. Bei Unfällen mit Personenschaden sind es immerhin noch zehn Prozent. "Gerade diese Fälle spornen uns bei der Aufklärungsarbeit ganz besonders an", sagt Malejka. Das hatte im letzten Jahr Erfolg. 79 Prozent aller Fälle konnte die Mönchengladbacher Polizei aufklären und liegt damit klar über dem Landestrend.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mönchengladbach: Das waren die schlimmsten Unfälle 2013

(RP)