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Mönchengladbach: Und dann war das Grab plötzlich weg

Mönchengladbach : Und dann war das Grab plötzlich weg

Als Theo Wellens eine Kerze auf das Grab seiner Eltern stellen wollte, war es planiert. Grabstein, Lampe, Pflanzen – alles war entfernt. Das ist nicht das Werk von Grabschändern. Die Stadt war es. Gestern entschuldigte sie sich für den Fehler.

Als Theo Wellens eine Kerze auf das Grab seiner Eltern stellen wollte, war es planiert. Grabstein, Lampe, Pflanzen — alles war entfernt. Das ist nicht das Werk von Grabschändern. Die Stadt war es. Gestern entschuldigte sie sich für den Fehler.

Für Theo Wellens (86) gehört es zum Pflichtprogramm: Mehrmals wöchentlich fährt er mit dem Rad vom Wohnhaus an der Lindenstraße bis zum Hauptfriedhof, um das Grab seiner Eltern Josef und Maria zu pflegen. Er harkt und stellt jedes Mal eine Kerze auf, die 72 Stunden lang brennt. Am Mittwoch der Schock: Das Grab war eingeebnet — Grabstein weg, Lampe weg, Pflanzen weg. Dunkle Erde bedeckte die Fläche, nur der Stamm einer Krüppelkiefer ragte heraus. War dies die Tat von Friedhofsschändern? Wellens rief bei der Stadt an. Und die räumte ein: Ja, unsere Mitarbeiter haben das gemacht. Entschuldigend hieß es noch: "Ein Versehen."

Könnte das unser Stein sein? Theo Wellens zeigt seiner Frau Margot die Stelle, wo die Stadt alte Grabsteine zwischenlagert. Später werden diese geschreddert. Foto: Raupold, Isabella (ikr)

Zwar ebnet die Stadt regelmäßig Gräber ein, wenn die Mindestruhezeit von 25 Jahren abgelaufen ist. Dann müssen die Angehörigen erklären, ob sie das Nutzungsrecht verlängern wollen. Viele Bürger lehnen dies ab oder reagieren gar nicht. Die Folge: Jährlich verschwinden auf den Friedhöfen mehrere Hundert Gräber. Dort, wo Grabsteine und Kreuze standen, Blumen blühten und kleine Sträucher wuchsen, entsteht dann wieder eine Rasenfläche. Auch im Umfeld des Grabes der Wellens ist dies der Fall. Doch für Theo Wellens und seine Frau Margot (77) kam dies bislang nie infrage: Anfang vergangenen Jahres verlängerten sie das Nutzungsrecht um weitere zwei Jahre bis 2015. Sie haben in ihren Unterlagen eine Urkunde, die diese Fristverlängerung bestätigt. "Solange wir gesundheitlich in der Lage gewesen wären, das Grab zu pflegen, wollten wir es auch machen", sagt Margot Wellens.

Die Entscheidung über die Beendigung des Nutzungsrechts wurde ihnen von der Stadt nun genommen. Zwar registrierten die Stadt-Mitarbeiter den Eingang von 136 Euro für die Fristverlängerung, doch versäumten sie, dies in der Akte zu vermerken. "Eine Störung der Totenruhe ist nicht erfolgt, da die gesetzliche Ruhefrist bereits seit Jahren abgelaufen war", teilte die Stadt gestern auf RP-Anfrage mit.

Und sie räumte unumwunden den Fehler ein. Beide Seiten — Stadt und Theo Wellens — ist die Sache noch aus einem anderen Grund unangenehm: Der 86-Jährige war lange bei der Stadtverwaltung beschäftigt und hat das Amt für Altenhilfe geleitet. Und wer Theo Wellens von seiner früheren Arbeit reden hört, merkt schnell: Er hat sie gerne und gut gemacht. Deshalb ist die Enttäuschung bei ihm besonders groß. "Es ist pietätlos. Wenn man ein Grab aufgibt, will man sich vorher verabschieden", sagt Margot Wellens.

Gestern schaute sie sich mit ihrem Mann noch auf dem Platz um, auf dem die Friedhofsgärtner die entsorgten Grabsteine zwischenlagern. Den dunklen Stein mit Kreuz und Bronze-Buchstaben fanden sie nicht. Margot Wellens hat sogar bei dem Steinmetz angerufen, der Ende der 1960er Jahre den Grabstein für die Eltern gemacht hat. Doch es gibt keine Aufzeichnungen mehr. Auch die Stadt sicherte Hilfe zu. "Wir werden für den Fehler aufkommen und streben eine einvernehmliche Lösung an", teilt sie mit.

(RP)