Umweltausschuss lehnt Anträge ab: Kampf gegen Schottergärten in Mönchengladbach

Umweltausschuss lehnt Anträge ab : Graue Gärten – grüne Gärten

Hausbesitzer gestalten ihren Vorgarten immer häufiger als sogenannten Schottergarten. Das ärgert nicht nur Naturschützer. Eine Pflicht zur Bepflanzung über Bebauungspläne festzuschreiben, lehnten eine Mehrheit in den politischen Gremien aber ab.

Überall im Stadtgebiet entstehen derzeit neue Formen von Wiesen. Die Mags legt an 160 Standorten in Mönchengladbach insgesamt 90.000 Quadratmeter Stauden- und Blumenwiesen an. Dafür wurden im vergangenen Jahr Böden ausgetauscht und die Flächen vorbereitet, damit die Stadt in diesem Jahr viele Blüten treibt. Das findet viel Beifall in der Stadt. Umso erstaunlicher ist allerdings ein Trend, der jetzt die politischen Gremien in Mönchengladbach beschäftigte: Denn während die Stadt blühende Vielfalt für Insekten schafft, gestalten immer öfter Hauseigentümer ihren Vorgarten grau statt grün.

Mit Kies, Schotter oder Splitt gestaltete Gartenflächen sind nach Ansicht der Mönchengladbacher Grünen und der Partei Die Linke auf vielen Grundstücken Trend. Allerdings einer, der Pflanzen und Insekten schade und das Klima in der Stadt beeinträchtige. Beide Parteien plädierten daher in der jüngsten Sitzung des Umweltausschusses dafür, mittels städtischer Auflagen etwa in Bebauungsplänen Eigentümer zu einer naturnahen Gartengestaltung zu verpflichten. Solche Regelungen seien beispielsweise in Xanten, Paderborn und Dortmund getroffen worden, führten die Grünen an. Die Linke verwies in ihrem Antrag auf die Landesbauordnung, derzufolge nicht bebaute Flächen auf Grundstücken wasseraufnahmefähig zu belassen und zu begrünen oder zu bepflanzen seien, falls es Bebauungspläne für die betrofffenen nicht überbauten Flächen gebe. „Da wir alle angehalten sind, die Folgen des nicht mehr aufzuhaltenden Klimawandels mit allen geeigneten Maßnahmen soweit wie möglich abzuschwächen, sollte dem Schottergarten-Trend mit entsprechenden Regelungen im Bebauungsplan entgegengewirkt werden“, forderte Linken-Fraktionschef Torben Schultz in dem Antrag. Mit ihren Anträgen scheiterten Linke und Grüne jedoch am Widerstand der übrigen Parteien.

Schottergärten seien zwar eine Fehlentwicklung, meinte Annette Bonin (CDU). Allerdings halte sie es für besser, für eine naturnahe Gestaltung mit verstärkter Öffentlichkeitsarbeit zu werben und den Trend „auf positive Art“ zu ändern. Stadtdirektor und Umweltdezernent Gregor Bonin gestand zwar zu, dass Schotterflächen für die Fauna nachteilig seien. Aber was den von Grünen und Linken kritisierten Versiegelungseffekt für den Boden angehe, so müssten solche Flächen je nach Art des Unterbaus nicht zwangsläufig schlecht sein.

Der BUND in Mönchengladbach bemerkt ebenfalls einen Trend zu Schottergärten. „Das hat in den vergangenen zwei bis drei Jahren schon massiv zugenommen“, sagt Vorstandsmitglied Heinz Rütten. Möglicherweise hätten junge Eigenheimbesitzer nicht viel Interesse an Gartenarbeit. Von einem Schottergarten-Verbot hält Rütten allerdings nicht viel. „Ich würde die Leute lieber überzeugen, den Schotter abzuräumen oder zumindest keine neuen Flächen so zu gestalten.“ Der BUND hatte im vergangenen Jahr ein stadtökologisches Konzept vorgelegt und an die Ratsfraktionen und die Stadtverwaltung weitergereicht. Darin schlug er auch ein Dachbegrünungsprogramm und einen Grünordnungsplan vor. „Wir brauchen ein Umdenken und so viel Grün und Freiluftschneisen wie möglich in der Innenstadt“, sagt Rütten.

Die Forderung der Linken im Umweltausschuss, die Stadt solle doch ein Kataster der versiegelten Bodenareale anlegen, wies Bonin als überflüssig zurück. Es lägen der Stadt bereits genügend Daten dazu vor. Außerdem achte man bei der Gestaltung von Bebauungsplänen und der Vermarktung kompletter neuer Wohngebiete wie dem in Venn auf das Thema. „Da brauchen wir keine Hinweise, das ist bei uns schon Standard. Es ist bei uns eine Selbstverständlichkeit, die Verbindung von Stadplanung mit Stadtökologie ernst zu nehmen“, betonte Bonin.

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