Mönchengladbach U 3: Experten rätseln über Quote

Mönchengladbach · Mehr als 20 Millionen Euro: Diese Lücke muss die Stadt 2012 bei den Kindergärten schließen, weil die Ausgaben aus dem Ruder laufen. Dieses Problem verschärft sich. Ab August 2013 haben Eltern von unter Dreijährigen einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz – aber es fehlen Plätze.

Mönchengladbach: U 3: Experten rätseln über Quote
Foto: Ilgner, Detlef

Mehr als 20 Millionen Euro: Diese Lücke muss die Stadt 2012 bei den Kindergärten schließen, weil die Ausgaben aus dem Ruder laufen. Dieses Problem verschärft sich. Ab August 2013 haben Eltern von unter Dreijährigen einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz — aber es fehlen Plätze.

 Sozialdezernent Dr. Michael Schmitz (l.) rechnet damit, dass die Stadt bei der U 3-Betreuung eine Versorgungsquote von rund 30 Prozent erreichen könnte. Stadtkämmerer Bernd Kuckels (r.) will keine Kredite, sondern Geld.

Sozialdezernent Dr. Michael Schmitz (l.) rechnet damit, dass die Stadt bei der U 3-Betreuung eine Versorgungsquote von rund 30 Prozent erreichen könnte. Stadtkämmerer Bernd Kuckels (r.) will keine Kredite, sondern Geld.

Foto: dpa/Ilgner

Wenn nicht die Zeit so drängen würde, könnte es ein lustiges Zahlenspiel sein. Frei nach dem Motto: Wie viel hätten Sie denn gerne — 30, 32, 40 oder sogar 60 Prozent? Gemünzt sind die Werte auf die Versorgungsquote bei der Betreuung von unter dreijährigen Kindern. In nicht einmal 14 Monaten, genau ab dem 1. August 2013, haben Eltern von unter Dreijährigen einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz.

Um den zu erfüllen, geben die Kommunen derzeit viel Geld aus — das sie meist eigentlich nicht haben, weil sie verschuldet sind. Die Stadt Mönchengladbach, mit rund 1,3 Milliarden Euro in der Kreide, schultert Millionen-Investitionen für Kindergärten. Und weiß doch nicht, ob es am Ende reicht.

Bis zu 60 Prozent

Denn so richtig kann niemand sagen, wie viele Eltern am Ende einen Platz für ihr Kind reklamieren werden. Bei 30 Prozent liegt zum Beispiel die Quote, von der Sozialdezernent Dr. Michael Schmitz ausgeht, die Gladbach mit "Müh' und Not" erreichen kann. Der Gesetzgeber verlangt bereits eine Quote von 32 Prozent. Hinter vorgehaltener Hand sprechen Experten von 40 und in einigen Großstädten und Ballungsräumen mit vielen jungen Eltern sogar von 60 Prozent.

Stadtkämmerer Bernd Kuckels treiben diese Zahlen die Schweißperlen auf die Stirn. Entsprechend ungehalten reagierte das FDP-Mitglied auf das sogenannte Zehn-Punkte-Programm von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) zum Kita-Ausbau, das unter anderem Lohnkostenzuschüsse für Tagesmütter und zinsgünstige Kredite durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau vorsieht. "Wir brauchen keine günstigen Kredite. Die bekommen wir momentan auch so. Wir brauchen Geld — für Investitionen in Gebäude und für Personal", sagt Kuckels.

Schon jetzt klafft eine Deckungslücke zwischen Einnahmen und Ausgaben bei der Kinder-Betreuung. Nur bei den Kindergärten fehlen im städtischen Haushalt für 2012 bereits mehr als 20 Millionen Euro, dazu kommt eine siebenstellige Summe bei der U 3-Versorgung. Will die Stadt weitere Millionen in den Kindergarten-Bau stecken, müsste sie andere Projekte streichen: Insgesamt darf sie 17,5 Millionen Euro investieren — und keinen Cent mehr, auch wenn die Notwendigkeit groß ist. "Wir sind absolut am Limit. Mehr als das, was wir tun, können wir nicht leisten", sagt Kuckels. August 2013 wird sich herausstellen, ob es genug ist.

Derzeit ermittelt die Hochschule Niederrhein bei einer Eltern-Befragung, wie realistisch die angepeilte Versorgungsquote von 32 Prozent ist. Selbst wenn die Stadt diesen Wert erreichen sollte, könnte sie dann noch ein anderes Problem ereilen. Sozialdezernent Schmitz: "Auf dem Arbeitsmarkt gibt es keine Erzieherinnen mehr."

(RP/rl)
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