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Mönchengladbach: U 3-Betreuung: Stadt fehlt Raum

Mönchengladbach : U 3-Betreuung: Stadt fehlt Raum

Die CDU-Idee, Betriebskindergärten in Gewerbegebieten anzusiedeln, greift die Stadt auf. Sie befürchtet, dass sie sonst bis 2013 nicht die geforderten 1800 Plätze für unter Dreijährige hat. Experten schätzen, dass dies nicht reicht.

Es klingt wie ein Rundum-Sorglos-paket, das sich Werbestrategen ausgedacht haben: Ein Betrieb bietet einen Raum – und bekommt darin im Gegenzug von der Stadt einen Kindergarten eingerichtet. Diese Idee ist gar nicht einmal abstrus und fern jeglicher Realität: Die Stadt denkt ernsthaft über dieses Vorgehen nach. Und das aus gutem Grund: Denn bis August 2013 muss sie rund 1800 Plätze für unter Dreijährige vorhalten. Trotz aller Anstrengungen und Investitionen sieht es nicht danach aus, als ob sie diese Zahl erreichen kann. "Wir kommen, wenn alles gut geht, mit Müh' und Not auf eine Versorgungsquote von rund 30 Prozent", sagt der zuständige Sozialdezernent Dr. Michael Schmitz.

Die Idee, in Gewerbegebieten gezielt Betriebskindergärten einzurichten, stammt von der CDU. Ihr Fraktionsvorsitzender Dr. Hans Peter Schlegelmilch hat sie Mitte Dezember in dieser Zeitung geäußert. Dass so etwas funktioniert, zeigen zwei Beispiele: SMS Meer denkt inzwischen darüber nach, eine zweite Gruppe zu gründen, weil in der ersten alle Plätze besetzt sind und die Nachfrage bei den Mitarbeitern nach wie vor groß ist. Und die Städtischen Kliniken integrieren bei ihrem Umbau Räume , in denen unter Dreijährige betreut werden.

Lena macht Schule

Die Stadt arbeitet mit Hochdruck daran, zusätzliche Plätze für die U3-Betreuung anzubieten – stößt dabei aber an Grenzen. Zwar hat der Rat jüngst die Bildung von 17 sogenannte Lena-Gruppen beschlossen. Das Kürzel steht für "Lernen und Erziehen nutzt Allen" und meint: Die Stadt stellt die Räume, wird Arbeitgeber von zwei Mitarbeiterinnen pro Gruppe und lässt von ihnen jeweils neun kleine Kinder betreuen. Das Problem: Es müssen dann ausreichend Räume vorhanden sein, möglichst in Nähe zu einem vorhandenen Kindergarten. Obwohl die Stadt inzwischen bereits mit Maklern und Wohnungsgesellschaften zusammenarbeitet, kann sie im Endeffekt nicht so, wie sie müsste. Unternehmen würden der Stadt mit einer Raumofferte daher aus der Patsche helfen – und ihren Mitarbeitern gleichzeitig eine Betreuung anbieten.

Doch selbst wenn die Stadt mit einem Hauruck-Verfahren auf die rund 1800 Plätze käme, kann ihr niemand zusichern, dass sie beruhigt möglichen juristischen Auseinandersetzungen mit Eltern entgegensehen kann. Denn niemand kann derzeit sagen, ob die geschätzte Quote von 35 Prozent am Ende mit der Nachfrage nach Plätzen übereinstimmt. Beigeordneter Schmitz: "In Großstädten fordern mittlerweile fast 50 Prozent aller Eltern von unter Dreijährigen einen Kindergartenplatz. Wenn sich die Zahlen hier deutlich in Richtung 40 Prozent entwickeln, bekommen wir Probleme." Für eine Feinjustierung startet die Hochschule Niederrhein deshalb im städtischen Auftrag demnächst eine Befragung von Eltern, um den Bedarf genauer abzuklopfen.

Dazu könnte ein weiteres kommen: Noch ist nicht sicher, mit welchen Landeszuschüssen die Stadt über 2012 hinaus rechnen kann.

(RP)