Mönchengladbach: Trotz doppeltem Abitur-Jahrgang weniger Ausbildungsplätze

Mönchengladbach : Trotz doppeltem Abitur-Jahrgang weniger Ausbildungsplätze

Obwohl es im Raum Mönchengladbach wegen des doppelten Abiturjahrgangs mehr Bewerber als üblich gibt, sind die Betriebe bisher zögerlicher als sonst. Der Arbeitsmarkt bekrabbelt sich nach dem langen Winter nur langsam.

Eigentlich müssten die Unternehmen sich überschlagen in dem Versuch, aus dem wegen des doppelten Abiturjahrgangs sehr großen Pool an Bewerbern die besten herauszupicken. Das ist bisher aber reine Theorie. De facto sind der Agentur für Arbeit seit Oktober in Mönchengladbach und dem Rhein-Kreis Neuss deutlich weniger Stellen gemeldet worden als in den Jahren zuvor.

Die Halbjahresbilanz auf dem Ausbildungsmarkt fällt somit ernüchternd aus, zumal die Zahl der Bewerber mit 3797 (davon 1543 in Mönchengladbach) erwartungsgemäß deutlich höher liegt als in den Vorjahren. "Dieses Jahr sind besonders viele gute Bewerber offen für Karrierechancen in der dualen Ausbildung", sagt Agenturchefin Angela Schoofs. "Es wäre schade, wenn dieses Potenzial nicht genutzt würde." Sie appellierte bei der Vorstellung der jüngsten Arbeitsmarktzahlen an die Betriebe der Region, freie Ausbildungsplätze zu melden.

2523 Ausbildungsstellen warb die Agentur bis Ende März ein. Zum Vergleich: 2711 waren es 2012 gewesen, fast sieben Prozent mehr, 2570 im Jahr davor. In der Stadt Mönchengladbach waren es 1122 (2012: 1160, 2011: 1167). "Da stutzt man schon", sagte Schoofs. Allerdings sei auf dem Ausbildungsmarkt eben auch erst die Halbzeit erreicht. "Wir hoffen, dass sich die Werte bis zum Sommer noch deutlich erhöhen." Zwischen 85 und 92 Prozent aller Ausbildungsstellen werden der Agentur für Arbeit üblicherweise von den Firmen angezeigt. Der Westdeutsche Handwerkskammertag teilte unterdessen mit, dass in den Lehrstellenbörsen der Handwerkskammern (www.lehrstellen.org) Ende März mit 4705 freien Lehrstellen ungefähr doppelt so viele unbesetzte Ausbildungsplätze zur Verfügung standen als üblich.

Für den Arbeitsmarkt konnte Angela Schoofs eine leichte Belebung verkünden, allerdings fiel diese wegen der anhaltend tiefen Temperaturen verhaltener aus als sonst. Im Agenturbezirk (Gladbach und Rhein-Kreis) waren Ende März 29 353 Menschen arbeitslos gemeldet, 1,3 Prozent weniger als im Februar und 2,4 Prozent mehr als im März 2012. In Gladbach selber gibt es derzeit 14 868 Arbeitslose, wovon 77 Prozent Hartz-IV-Empfänger sind; diese Zahl sank sowohl gegenüber dem Februar (15 013) als auch gegenüber dem Vorjahresmonat (14 984). Die Arbeitslosenquote der Stadt beträgt 11,3 Prozent; das sind 0,2 Prozentpunkte weniger als im Februar und 0,3 weniger als im März 2012. Erfreulich: Die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt nimmt zu. Zwar verloren im März 2,3 Prozent mehr Menschen ihren Job als vor genau einem Jahr, allerdings fanden auch 5,4 Prozent mehr eine neue Arbeit. Die Agenturchefin hofft nun auf eine weitere Belebung, wenn die klassischen Außenbranchen wie das Baugewerbe ins Rollen kommen.

(RP)