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Mönchengladbach: Trainieren wie die Stars

Mönchengladbach : Trainieren wie die Stars

Heutzutage trainieren viele Prominente in Hollywood nach der sanften Gymnastikmethode Pilates. Erfunden wurde das Trainingsprogramm allerdings schon Ende der 1920er Jahre – von dem Gladbacher Joseph H. Pilates.

Jennifer Aniston macht es fast täglich, Popstar Madonna hat sich damit auf ihre Welttournee vorbereitet und auch Sportler wie Golf-Profi Tiger Woods schwören darauf. Die Rede ist von Pilates, dem sanften Ganzkörpertraining zur Kräftigung der Muskulatur. Erfunden wurde die Methode allerdings lange bevor irgendwelche Stars und Sternchen in Hollywood darauf aufmerksam wurden. Von wem? Natürlich von einem Mönchengladbacher. Joseph Hubertus Pilates hat die Gymnastikmethode zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt.

Fitnessbett aus Sprungfedern

Pilates – 1883 in Mönchengladbach geboren – war ein kränkliches Kind, litt unter Asthma, Rachitis und rheumatischem Fieber. Deshalb wurde er von seinen Eltern früh ermutigt, möglichst viel Sport zu treiben. So begann er in jungen Jahren seinen Körper zu kräftigen und beschäftigte sich mit "Bewegungslehre".

Im Ersten Weltkrieg landete Pilates im Internierungslager. Dort begann er intensiv, sein Konzept eines ganzheitlichen Körpertrainings zu entwickeln, das er schließlich auch an seinen Mitgefangenen "ausprobierte". Da viele von ihnen krank und ans Bett gefesselt waren, baute er kurzerhand aus Sprungfedern, Bettrahmen und Hochziehhilfen regelrechte Fitnessbetten. "Contrology" nannte er diese Trainingsform. Es ist die Urform des heutigen Pilates. Die Bettkonstruktionen werden in modifizierter Form noch heute für das Pilates-Training angefertigt. 1926 wanderte Pilates nach New York aus, lernte seine spätere Frau Clara – eine Krankenschwester – kennen und entwickelte mit ihr seine Methode weiter.

Die Pilates-Technik arbeitet über die Rumpf- und gelenksnahen Muskeln. Einzelne Muskelpartien werden gezielt aktiviert, entspannt und gedehnt, ohne allerdings die Gelenke zu belasten. Im Fokus der Übungen stehen die langsamen, hochkonzentrierten und bewusst ausgeführten Bewegungen zur Stärkung der Körpermitte. Der gebürtige Gladbacher betonte zu Lebzeiten immer wieder, dass es sich nicht um eine bloße Ansammlung von gymnastischen Übungen handele, sondern um eine lange entwickelte Methode. Über 500 Übungen hat er im Laufe der Jahre erarbeitet und in seinen Studios unterrichtet. Er trainierte viel mit Ballet-Tänzern, deren Trainingsmethoden ihm wiederum Impulse boten, an seiner eigenen Lehre zu feilen.

Pilates entwickelte weitere Trainingsgeräte wie den "Cadillac" oder "Reformer", die seine Übungen unterstützen sollten. In Erinnerung an seine Zeit im Internierungslager ließ er hölzerne Traininggeräte bauen und integrierte Stahlfedern als Widerstandsgeber in diese Gerätschaften. Seine Konstruktionen ließ er patentieren und baute sie zur Unterstützung in sein Trainingsprogramm ein.

Pilates war stets überzeugt von seiner Lehre. "Ich bin meiner Zeit um 50 Jahre voraus", sagte er einst über die von ihm entwickelte Methode. Und er sollte Recht behalten. Nicht nur die Madonnas und Jennifer Anistons dieser Welt trainieren über 40 Jahre nach seinem Tod nach seiner Methode, um möglichst lange jung und schön zu bleiben. Auch in Gladbach bieten viele Vereine und Fitnessstudios Pilates-Kurse an.

(RP)