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Mönchengladbach: Tote in Tonne: Angeklagte schweigen vor Gericht

Mönchengladbach : Tote in Tonne: Angeklagte schweigen vor Gericht

Tobias K. war sichtlich überrascht, dass so viele Menschen im Landgericht waren. Drei Kamerateams, zwei Radiosender und 30 Besucher saßen im Schwurgericht, um den Auftakt im Prozess gegen die mutmaßlichen Mörder der Millionärin Gertrud K. (89) zu verfolgen. Das Anliegen seines Anwaltes Uwe Krechel, die Öffentlichkeit vom Fall auszuschließen, lehnte der Vorsitzende Richter Lothar Beckers allerdings ab. "Das erwägen wir zurzeit nicht", sagte er. "Dass der Fall für Aufsehen sorgt, liegt auf der Hand."

Zur Tat wollten sich anschließend weder Tobias K. (21), noch die ebenfalls Angeklagten Sascha L. (22) und Karl M. (54) äußern. Der Prozess begann mit einer Verspätung von 52 Minuten: Zunächst stand Karl M., der aus der Justiz-Vollzugsanstalt Bochum gebracht werden musste, im Stau. Wegen der Herzprobleme des Angeklagten musste außerdem ein Defibrilator besorgt werden.

Die Herzprobleme von Karl M. seien, so die Aussage von Tobias K. nach seiner Verhaftung, auch ein Grund gewesen, warum Sascha L. und Tobias K. die Leiche im vergangenen November beseitigen mussten. "Eigentlich wollte ich sie nicht mehr anfassen", heißt es in der richterlichen Vernehmung von Tobias K., die gestern nochmal verlesen wurde. Wegen der Herzprobleme hätten Sascha L. und Tobias K. die Aufgabe übernommen, die Leiche zum Breyeller See nach Nettetal zu fahren. Dort misslang laut Aussage vom vergangenen Herbst der Versuch, die Tonne zu versenken. "Wir haben die Tonne runter gedrückt, die kam aber immer wieder hoch." Schließlich hatten sie gehofft, dass die Tonne von alleine untergehen würde.

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Tobias K. berichtet über Jugend

Im Gegensatz zu Sascha L. und Karl M. berichtete der 21-Jährige gestern im Landgericht aber über seine Jugend. Als er fünf Jahre alt war, hätten sich die Eltern getrennt. Mit acht Jahren rauchte der gebürtige Viersener zum ersten Mal Marihuana, mit zehn kiffte er jeden Tag. Wegen seiner dunklen Hautfarbe sei er gehänselt worden. Auf die Hauptschule hatte er keine Lust mehr. Wegen seiner Aggressionen schickte ihn seine Mutter erst zu einer Therapeutin und später zu seinem Vater nach Bochum. "Sie war genervt", sagte der Angeklagte. "Mein Vater hatte aber mittlerweile eine neue Familie. Das war nicht so berauschend."

Zurück in Gladbach kam der damals 16-Jährige erst beim Betreuten Wohnen unter. Nach seinen Praktika als KFZ-Mechatroniker wurde er nie übernommen. Später zog er mit seiner Freundin, mit der er eine Tochter und einen Sohn hat, zusammen. "Nach meiner Verhaftung wollte sie mich aber nicht mehr sehen." Wie er seinen täglichen Drogenkonsum finanzierte? "Dazu möchte ich nichts sagen."

(RP)