Mönchengladbach: Top-Videoanlage enttarnt den Ladendieb

Mönchengladbach : Top-Videoanlage enttarnt den Ladendieb

Georg Bockers identifizierte dank Filmaufnahmen einen Mann, der im großen Stil mit gestohlenen Elektrorad-Displays handelte.

Der Kunde ist nett, höflich, wissbegierig, gut gekleidet. Und dazu noch als Endfünfziger in einem Alter, in dem er als potenzieller Käufer eines hochmodernen Elektro-Rades in Frage kommt. Georg Bockers (50), seit 23 Jahren selbstständig und seit elf Jahren Inhaber von Georgs Fahrradladen, bedient ihn, beantwortet geduldig alle Fragen und ist auch nicht sauer, als sich der Mann anschließend mit der Bemerkung "Ich überleg's mir noch einmal" verabschiedet und den Laden an der Süchtelner Straße verlässt. Kurz darauf fällt Bockers auf, dass ein Display von einem Elektro-Rad verschwunden ist.

Wenig später entdecken seine Mitarbeiter weitere zehn fehlende Steuerelemente - ohne sie ist ein Elektro-Rad nur noch zum normalen Strampeln zu gebrauchen. Und schlagartig ist allen klar: "Wir sind im großen Stil bestohlen worden."

Rund 120 Euro kostet ein Display, dazu kommt der ärgerliche Papierkram, der viel Zeit in Anspruch nimmt. "Dieses Steuerelement ist wie das Cockpit eines Flugzeugs. Es ist auf dem grauen Markt begehrt, weil es für Elektro-Räder genutzt werden kann, die, aus welchen Gründen auch immer, über kein Display mehr verfügen", sagt Bockers.

Er schaut kurzerhand selbst auf den Seiten eines Internet-Auktionshauses nach - und stößt da auf Displays, die ein Gladbacher anbietet. Bockers zählt eins und eins zusammen und nutzt dann eine Einrichtung, die er sich vor gut einem Jahr angeschafft hat: eine Top-Videoanlage mit großer Auflösung, deren Kameras jede Ecke des Geschäfts und auch den Außenbereich Tag und Nacht filmen. Fahrradexperte Bockers sichtet die Aufnahmen mit seinen Mitarbeitern, entdeckt den "freundlichen" Kunden, erkennt, wie dieser das "Rad-Cockpit" erst bei einem Rad auf dem Parkplatz, dann im Geschäft Displays abzieht, sie unbemerkt in Hosentaschen und Brusttasche gleiten lässt, den Laden verlässt und schließlich mit einem Auto davon fährt. Die Aufnahmen sind so hervorragend, dass sogar das Kennzeichen des Pkw zu erkennen ist.

Alles andere geht blitzschnell. Die Polizei macht eine Halteranfrage, taucht wenig später bei dem Besitzer des Fahrzeugs auf und konfrontiert ihn mit den Fakten. Dabei stellt sich sogar heraus, dass die mittleren Buchstaben auf dem Kennzeichen seine Initialen sind. Der Mann leugnet nicht lange und gibt den Diebstahl zu. In seiner Wohnung stellt die Polizei die gestohlenen Steuerungselemente sicher. Bockers bekommt sie alle zurück. "Da wusste ich endgültig, dass meine Investitionen richtig waren", sagt Bockers.

Denn nicht nur dank seiner Detektivarbeit bekam der 50-jährige Geschäftsmann die "Rad-Cockpits" zurück. Bockers hat nach einem Diebstahl im Vorjahr das ganze Ladenlokal mit hochwertigen Sicherheitssystemen ausgestattet - sogar ausstatten müssen. Denn damals waren Einbrecher über die Lichtkuppel in das Geschäft eingedrungen und hatten 40 Hightech-Räder gestohlen. "Das war ein Gesamtschaden von rund 100 000 Euro, den wir ganz alleine tragen mussten. Dafür ist keine Versicherung aufgekommen", berichtet Bockers.

Um sich für ähnliche Vorfälle zu wappnen und eine Versicherung zu finden, die ihn aufnahm, investierte Bockers in großem Stil. Sein Sicherungssystem ist heute vom Feinsten. "Wir fahren das volle Programm, mit Wach- und Schließgesellschaft und technischen Sicherungssystemen. Das kostet zwar viel Geld, aber heute kann ich sagen: Hier kommt keiner mehr unbeobachtet rein", sagt er.

Was sich jetzt gezeigt hat: Er bleibt auch bei Diebstählen im Geschäft im Blickfeld der Kameras.

(RP)
Mehr von RP ONLINE