1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Therapie in Florida: Leonie helfen nur die Delfine

Mönchengladbach : Therapie in Florida: Leonie helfen nur die Delfine

Die sechsjährige Leonie ist schwer behindert, kann nicht sprechen, hören und alleine essen. Die Therapie mit Delfinen hat sie zu ihren ersten wackeligen Schritten befähigt. Nun soll sie einen zweiten Anlauf nehmen.

Wenn Leonie die Bilder von ihrer letzten Delfintherapie im Jahr 2010 sieht, beugt sie sich ganz nah über die großen Fotos. "Sie kann sehr schlecht sehen, aber die Motive erkennt sie wieder und wird ganz aufgeregt", sagt ihre Mutter Bianca Hintzen. Leonie erinnere sich dann an eine Zeit, vermutet ihre Mutter, in der sie zehn Tage lang sehr glücklich gewesen sei und in der sie immense Fortschritte gemacht habe. Bei der Therapie habe sie Entwicklungsstufen genommen, für die sie sonst Jahre gebraucht hätte.

Denn seit Leonie vor knapp sieben Jahren auf die Welt kam, ist sie schwer behindert. Das kleine Mädchen ist ein Zwillingsfrühchen, das am Down Syndrom erkrankt ist. Leonie kann nicht laufen, nicht alleine essen, nicht reden, nicht hören. Sie sieht schlecht, ihre Lunge ist geschädigt. Sie weint lautlos.

Während ihr Bruder Leon, der vollkommen gesund zur Welt kam, alle Entwicklungsstufen in normalem Tempo durchlief, musste sich Leonie jeden Tag neu erkämpfen. Zahlreichen Operationen ließ sie über sich ergehen und benötigt trotzdem eine Rundumpflege. "Irgendwann haben wir von den Fortschritten gehört, die viele Kinder bei der Delfintherapie gemacht haben, und begannen damit, Spenden zu sammeln", erzählt Bianca Hintzen.

  • Wermelskirchen : Familie kämpft um das Leben der Mutter
  • Peter Jeschka ist mit seinen 2,03
    Besuch im Briefwahlzentrum Mönchengladbach : Wenn Demokratie wichtiger ist als das gute Wetter
  • „MG zieht an“ findet zum ersten
    „MG zieht an“ : Textilunternehmen stellen sich in Mönchengladbach vor

Fast 15 000 Euro kamen zusammen, mit der Hilfe von Freunden, Nachbarn, Vereinen und Unternehmen aus der Stadt. Sie veranstalteten Sommerfeste und Basare — bis Familie Hintzen 2010 nach Curacao im karibischen Meer fliegen konnte. "Jeden Tag haben wir mit Leonie trainiert und an Therapien teilgenommen. Zweimal täglich durfte sie zu den Delfinen ins Becken", erinnert sich Bianca Hintzen. Irgendwann habe Leonie dann auf ihren Beinen gestanden, wackelig zwar und gestützt durch ihren Vater, aber sie stand. "Sie ist ganz langsam auf mich zugegangen. Das konnten wir kaum fassen."

Weil die Fortschritte anhalten und Leonie noch viele Monate nach der Therapie von den Ergebnissen zehrt, will Familie Hintzen noch einmal mit ihr nach Curcacao fliegen. "7000 Euro kostet alleine die Therapie, die Flüge und das Hotel nicht eingerechnet. Über 10 000 Euro haben wir schon zusammen", sagt die Eickenerin.

2000 Euro fehlen Familie Hintzen, um im März noch einmal eine zehntägige Therapie zu bezahlen. "Wir müssen bis Mitte Dezember das Geld bezahlt haben, sonst verfällt unsere Buchung", sagt Hintzen. Im Sommer sei es für Leonie zu heiß, in den Herbstferien hat die Familie Angst vor Hurrikans.

"Wenn wir den Restbetrag nicht zusammenbekommen, verzögert sich die ganze Aktion um ein Jahr", sagt Bianca Hintzen. Ihr ist es wichtig klarzustellen, dass sich ihre Familie keinen Urlaub auf Kosten der Allgemeinheit mache. "Das hat man uns schon vorgeworfen, aber die Therapie vor Ort bei über 30 Grad ist harte Arbeit." Aber die Fortschritte, die ihre Tochter macht, sind der Familie jeden öffentlichen Spendenaufruf und jede Mühe wert.

(RP/rl)