Mönchengladbach: Theaterfreunde geben Gas

Mönchengladbach : Theaterfreunde geben Gas

Interview Nach den Theaterferien will der Bühnen-Förderverein seine Aktivitäten verstärken, mehr Mitglieder gewinnen und diesen attraktive Angebote wie Probenbesuche und Talkabende machen. Dazu äußern sich die neuen Vorsitzenden Prof. Hans Dieter Jakubowski und Reinhold Richter.

Dem Theater in Mönchengladbach sind der pensionierte Chirurg Professor Hans Dieter Jakubowski und der Kirchenmusiker Reinhold Richter seit langem verbunden. Seit einigen Jahren engagieren sie sich im Förderverein des Theaters, seit Juni bilden sie die Vorstandsspitze. Über ihre Vorhaben äußern sich beide in einem Gespräch.

Diese Leinwand samt Beamer ist eine Spende der Theaterfreunde. 3000 Euro stellten sie dem Theater 2010 zur Verfügung. Dr. Wolfgang Johann, Lotte Wienandts und Operndirektor Andreas Wendholz (v.l.) zeigen den Nutzeffekt. Foto: rick

Gab es einen Auslöser für Sie, der Sie bewog, sich für das Theater zu engagieren?

Prof. Jakubowski Das war 2008. Damals weigerten sich Mönchengladbacher Politiker, dem Theater den durch den Tarifvertrag im öffentlichen Dienst entstehenden finanziellen Mehrbedarf zuzubilligen. Da haben wir die Initiative "Theater: Ja!" gegründet. Ich wusste damals: Das ist eine brandgefährliche Situation für das Gemeinschaftstheater. Auch nachdem der Partner Krefeld die Mittel bewilligt hatte, wollten Politiker hier den Bühnen die zusätzlichen Mittel nur als Darlehen geben. Reinhold Richter Und bei der "Theater-Ja!"-Aktion haben wir uns beide dann näher kennengelernt.

Sie haben damals unter anderem eine Demonstration für das Theater organisiert. Können Sie mit einem Verein überhaupt Einfluss nehmen auf politische Entscheidungen?

Jakubowski Nicht allzu viel. Wir haben heute rund 110 Mitglieder, der Krefelder Partnerverein zählt mehr als dreimal so viele in seinen Reihen. Das soll sich ändern, wir wollen wachsen.

Richter In anderen Städten vergleichbarer Größenordnung, die eine historisch gestützte Theatertradition haben, sind die Fördervereine oft deutlich größer als bei uns. Ich nenne als Beispiel Mannheim, Sitz des ersten deutschen Nationaltheaters. Dort unterstützen mehr als 1000 Menschen das Theater. Also müssen auch wir größer werden.

Sie verstehen sich als Lobby für das Theater?

Jakubowski Auch wenn manche den Begriff nicht gern verwenden, er ist das richtige Wort für das, was wir als Zweck unserer Aktivitäten ansehen.

Nun gibt es die Theaterfreunde seit Mitte der 90er-Jahre, die Gesellschaft für Ballett und Tanz noch einige Jahre länger. Wäre es nicht klug, eine Fusion anzustreben, um gemeinsam gewichtiger auftreten zu können?

Jakubowski Ich bin der Überzeugung, dass das Theater nur als Drei-Sparten-Haus fortbestehen wird. Mit dem Orchester sind es sogar vier Sparten. Sich bei der Unterstützung auf eine einzelne Sparte zu beschränken, ist zwar ehrenwert, aber politisch nicht zielführend. Auch das Ballett ist angewiesen auf ein funktionierendes Musiktheater und ein Orchester, will es herausragende Choreografien bieten. Diese vier Bereiche sollten von jedem Verein gemeinsam in den Fokus genommen werden.

Heißt das, Sie empfehlen den Ballettfreunden, sich Ihnen anzuschließen? Oder lässt sich eine Art Holding auf Vereinsbasis denken, die dann in einzelne Gruppierungen gegliedert wird: also mit einem Verein fürs Ballett, einem fürs Musiktheater und einem für das Schauspiel? Und wäre auch die Besucherorganisation Theatergemeinde ein denkbarer Partner?

Richter Eine Holding scheint mir kein gangbarer Weg zu sein. Aber wir möchten gerne in der Zukunft mögliche Kooperationen ausloten und mit den anderen Vereinen ins Gespräch kommen. Vielleicht lässt sich ja auch einmal ein Projekt zusammen mit der Theatergemeinde und der Gesellschaft für Ballett und Tanz zustande bringen.

Was werden Sie in der kommenden Spielzeit machen? Außerhalb von möglichen Kooperationen.

Jakubowski Beim Theaterfest am 18. September werden wir einen Stand haben und dort mit unserem neuen Flyer werben. Bis dahin wird auch unsere Webseite im Internet hoffentlich fertig sein. Sie findet sich unter dieser Adresse: www.theaterfreunde-mg.de. Außerdem wollen wir künftig exklusiv für unsere Mitglieder Probenbesuche vermitteln. In allen Sparten, aber vielleicht auch einmal bei einer Generalprobe für ein Sinfoniekonzert. Dabei wird es hoffentlich auch Informationen von Dramaturgen des Theaters geben.

Richter Und die Talkreihe "Theatermenschen – persönlich" soll fortgesetzt werden. Der erste Termin steht schon fest: 6. Dezember im Studio des Rheydter Hauses.

Wer wird dann Ihr Gast sein, Herr Richter?

Richter Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht sagen. Ich habe mir zwar schon zwei interessante Theatermenschen ausgesucht. Ob das mit denen aber klappen wird, muss noch in den nächsten Tagen mit der Theaterleitung abgeklärt werden.

Unterstützen Sie das Theater auch finanziell?

Jakubowski Das ist sicher nicht unsere zentrale Aufgabe, aber natürlich auch. Wir werden für die Opernproduktion "Figaros Hochzeit", die am 1. Oktober in Rheydt Premiere feiert, dem Theater einen speziellen PC, der Videoprojektionen steuern kann, finanzieren. Und wie in der Vergangenheit – Stichwort: Mikrofone – sind auch gemeinsame Förderaktionen mit den Krefelder Theaterfreunden denkbar.

Dirk Richerdt führte das Gespräch mit den beiden Theaterfreunden.

(RP)
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