Theater Mönchengladbach: Premiere des Kindermärchens "Des Kaisers neue Kleider"

Theaterstück für Kinder : Vom Lernprozess eines eitlen Kaisers

Bruno Winzens Inszenierung von Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ strahlt Witz und Leichtigkeit aus.

Während eine grüne Wand mit floraler Anmutung den freien Blick in die Tiefe der Bühne verstellt, beginnt das Rätselraten. Ist der Mann, der sich zum Nickerchen niederlässt, der Kaiser? Wohl eher nicht. Und was macht eigentlich das huldvoll lächelnde Paar in festlicher Robe auf den oberen Sitzplätzen des Balkons? Ob solcher Fragen können Eltern im Stadttheater nur schulterzuckend um Geduld bitten, während ihre Kinder gespannt Bruno Winzens Inszenierung von Hans Christian Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ erwarten. Sie werden nicht enttäuscht und danken mit begeistertem Beifall.

Das Bühnenstück nach einem Drehbuch von David Ungureit ist von scheinbar leichter Hand erzählt, garniert mit feinen Wortspielen, Liedern und tänzerisch unbeschwerten Einlagen. Traumgleiche Szenen, wie Majas Suche im Nebel, strahlen poetische Anmut aus. Und doch ist offensichtlich, dass immer auch ein Schatten auftauchen kann. Die Wachsoldaten sind dunkle, alle anderen überragende Stelzengänger. Treten sie vor, ist das Licht ein wenig schwächer, büßt die Musik an Unbeschwertheit ein.

Harald Stiegers Bühnenbild ist variabel und vielschichtig angelegt. Zu Beginn schließt die dichte Hecke den Jacó tatsächlich aus. Doch dann scheinen die Kulissen zu tanzen. Es ist, als setze Julia Klomfaß als Musikantin diese Dynamik mit ihrem Spiel in Gang. Wie von Geisterhand geführt, fügen sich Elemente zu symmetrisch gereihten Hecken und Fassaden, assoziieren Schloss und Parklandschaft. Perspektiven ändern sich, brechen aus der Symmetrie aus, schaffen wechselnde Räume, und irgendwann eröffnet sich das Szenarium für den bizarren Tanz der kaiserlichen Badewanne.

Angesichts des Kaisers absurd übersteigerter Lust an ausgefallener Kleidung spielen Kostüme naturgemäß eine wichtige Rolle. So hat sich denn auch Petra Wilke fantasievoll darangegeben, modisch ungewöhnliche Akzente zu setzen bis hin zum extravaganten Kragen des Finanzministers Heinrich (Thomas Wenzel). Markus Rührer mimt des Kaisers Eitelkeit, Egozentrik und Blindheit gegenüber den Nöten mit Witz wie auch karikierender Ironie. Schließlich entfacht er ein emotionales Wechselbad von hochfliegender Erwartung, Ernüchterung und befreiendem Lachen, das in der Selbsterkenntnis mündet.

Raphael Souza Sá gibt den Jacó mit unbeschwerter und gewandter Lebenslust. Die Kinder kichern leise, als er Höfling Paul die Schuhe stibitzt und sich dann auch noch dreist als dessen Retter ausgibt. Till Brinkmann spielt köstlich Pauls Sorge, womöglich seines Amtes unwürdig zu sein. Denn er kann auf Jacós Webstuhl keine edlen Gewebe sehen und müsste demnach unfassbar dumm sein.

Selbstbewusst, doch mit der verständlichen Unruhe, als Schwindlerin entlarvt zu werden, gestaltet Rahel Schaber ihre Rolle als Maja. Die schlaue Schneiderin Adele (Paula Emmrich) lässt sich nicht täuschen. Erst bebt sie vor Wut und schützt dann doch das trickreiche Spiel der angeblichen Schneider. Die Aufführung endet im fröhlichen Lied, dessen Rhythmus die Kinder mit vergnügtem Klatschen aufnehmen.