Mönchengladbach: Textiltechnikum: Als die Welt bunt wurde

Mönchengladbach: Textiltechnikum: Als die Welt bunt wurde

Ein kostbarer Schatz wird gehoben. Die Farbensammlung wäre fast im Müll gelandet. Jetzt wird geforscht - mit 550.000 Euro Fördergeldern.

Es ist die größte Farbstoffsammlung der Welt: 10.600 Gebinde sind es - auf den Punkt. 3000 Fläschchen mit Farbpigmenten werden im Textiltechnikum an der Schwalmstraße präsentiert. Und zwar ausgesprochen schön, magischer noch seit der Erweiterung des Raumes. In diesem wurde gestern Wichtiges bekanntgegeben. "Die historische Farbstoffsammlung der Hochschule Niederrhein wird jetzt erstmals wissenschaftlich analysiert und erforscht", sagte Jürgen Schram, Professor für instrumentelle Analytik am Fachbereich Chemie der Hochschule Niederrhein. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das regional- und kulturhistorische Projekt "Weltbunt" mit 550.000 Euro. Beteiligt sind neben der Hochschule Niederrhein das Museum Schloss Rheydt, das Deutsche Textilmuseum Krefeld, die TH Köln und die TU Dresden.

Projektleiter Jürgen Schram, Annette Schieck und Karlheinz Wiegmann (v.l.) in der Farbstoffsammlung des Textiltechnikums. Foto: Inge Schnettler

"Das ist ein traumhaftes Projekt - und interdisziplinär", schwärmte Kulturdezernent Gert Fischer geradezu. "Dies und die internationale Einzigartigkeit haben den Ausschlag für die Förderung gegeben", fügte Karlheinz Wiegmann hinzu. Der Direktor des Museums Schloss Rheydt, der auch Chef des Textiltechnikums ist, sagte: "Das Thema ist nie wirklich bearbeitet worden, jetzt starten Geistes- und Naturwissenschaftler gemeinsam die Erforschung der bedeutenden Farbstoffsammlung." Erstmals bestehe nun die Möglichkeit, die historische Farbstoffsammlung in Bezug zur Entwicklung der Textil- und Chemischen Industrie sowie zur Alltags- und Konsumkultur zu setzen. "Das Projekt verbindet moderne Analytik mit wirtschaftshistorischen, gesamtgesellschaftlichen und modegeschichtlichen Fragestellungen. Dabei werden Wechselwirkungen zwischen industrieller Produktion und privatem Konsum sowie dem Einsatz von Farben in der Mode und anderen Alltagsbereichen analysiert", sagte Jürgen Schram

Das Färben von Textilien war bis ins 19. Jahrhundert hinein ein aufwendiger und teurer Vorgang. Die benötigten Farbstoffe gewann man in langwierigen Verfahren auf pflanzlicher oder tierischer Basis. Mitte des 19. Jahrhunderts änderte sich diese Situation grundlegend. Der britische Chemiker William Henry Perkin entdeckte 1856 den ersten synthetischen Farbstoff.

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Das Deutsche Textilmuseum Krefeld erforscht anhand seiner umfangreichen Modesammlung die Wechselwirkungen zwischen Moden, Farben, Textilien und Konsum. "Die originalen Kleider und Textilien sind Belege für die Anwendung der Farbstoffe in der Mode und bezeugen, welche Farbnuancen und Farbkombinationen tatsächlich Einzug in die Kleidung gefunden haben", sagte Annette Schieck, Direktorin des Deutschen Textilmuseums Krefeld.

Beinahe wäre der Farben-Schatz, der viele Jahre in Räumen der Hochschule lagerte, in der Müllverbrennung gelandet, weil lange niemand den Wert erkannte. Jetzt wird die einzigartige Sammlung erforscht.

(RP)
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