Techno trifft Klassik: Marc Romboy aus Mönchengladbach legt in Hamburg auf

Techno trifft Klassik in Hamburg : Gladbacher DJ in Elbphilharmonie gefeiert

Der Produzent elektronischer Musik Marc Romboy trat zum Auftakt der Serie „ProArte X“ mit klassischen Musikern in Hamburg auf. Sie rekonstruierten unter anderem Werke von Johann Sebastian Bach – und begeisterten das Publikum.

Wenn von Wegbereitern der elektronischen Musik die Rede ist, fällt meist der Name der Düsseldorfer Band Kraftwerk. Doch die Wurzeln reichen weit über die Anfänge der computergenerierten Klänge hinaus. „Bach ist auch Techno“, sagt Marc Romboy auf der Bühne des kleinen Saals in der berühmten Hamburger Elbphilharmonie. Es ist ein Crossover-Experiment, das an diesem Abend erstmals aufgeführt wird. Und am Ende des Konzerts ist klar: Es ist ein Erfolg. Minutenlanger Applaus im Stehen und Zugabe-Rufe sind in der Hansestadt keine Selbstverständlichkeit.

Der Mönchengladbacher DJ und Produzent Romboy, der bei Techno- und House-Events weltweit an den Turntables steht, hat vor einigen Jahren den Reiz der Kombination von klassischer Musik und Elektronik entdeckt. Zuerst in seinem Kopf: Nach meist stundenlangem Auflegen mit Techno-Beats hörte Romboy auf dem Heimweg Klassik als Kontrastprogramm, zum Runterkommen. Die elektronischen Klänge hallten noch nach, mischten sich in mit der Klassik, er erkannte Parallelen.

„Reconstructing Debussy“ hieß 2015 ein Projekt mit den Dortmunder Symphonikern, „Voyage De La Planète“ sein erstes Album, das beide Genre zusammenbringt. Seitdem besteht eine enge Verbindung zu dem klassischen Geiger und Arrangeur Miki Kekenj. Der hat übrigens ein Faible für HipHop und kombiniert auch dieses Genre mit Klassik. Kekenj hat laut Romboy aber eine weitere besondere Fähigkeit: „Er kann auf dem Notenblatt remixen.“

Und so haben sich die beiden jetzt an Komplexeres gewagt: „Reconstructing Bach“ vs. „Voyage de la planète“ nannten sie ihr Konzert, das in der Hamburger „Elphi“ Premiere feierte – als Auftakt der Veranstaltungsreihe „ProArte X“, die sich in vier Folgen diesem besonderen Genre widmet. Begleitet wurden sie vom Takeover! Ensemble. Dem gehören vorwiegend in NRW beheimatete Musiker an: Gergana Petrova an der Violine, Erin C. Kirby an der Viola, Matthias Wehmer am Violoncello, Max Dommers am Kontrabass, Christian Leschowski an der Oboe, Svenja Kips an der Flöte sowie Felix Schönherr an Klavier und Cembalo.

Im ersten Teil des Konzerts erkannten Romboys Fans Stücke von „Voyage de la planète“, allerdings anders interpretiert. Das Verblüffendste an diesem Abend folgte nach der Pause: Wie gut nämlich Bach, gespielt von klassischen Musikern, und computergenerierte Klänge, erzeugt von Marc Romboy, doch zusammenpassen. Mal separat, erst die Klassik, danach die Melodien von der Elektronik aufgegriffen und weitergesponnen. Dann fest ineinander verwoben, sich dynamisch ins Temporeiche hochschraubend. Ja, Bach muss den Computer vorausgedacht haben, ist am Ende vielen im Publikum klar.

Klassik trifft Elektronik: (v.l.) Miki Kekenj, Gergana Petrova, Christian Leschwoski, Erin C. Kirby, Felix Schönherr, Max Dommers, Matthias Wehmer und Marc Romboy. Foto: Ragnar Schmuck

Dort trafen eingefleischte Klassik-Fans in edlem Schwarz-Weiß auf kunterbunte Liebhaber der Elektronik. Alter, musikalische Vorliebe – die Grenzen verwischten auch hier. Ebenso bei den Musikern: Da wippten die Köpfe zu den elektronischen Rhythmen, für mache öffneten sich durch das Projekt neue Welten: „Ich habe dadurch Techno kennengelernt, und möchte jetzt tiefer gehen“, sagt Erin C. Kirby. Ein Album mit dem Bach-Programm soll folgen.